Schlieren

Mangelnde Nächstenliebe: Ex-Präsidentin der Kirchenpflege kritisiert Reformierte

Es rumort bei den Schlieremer Reformierten.

Es rumort bei den Schlieremer Reformierten.

Ex-Kirchenpflegepräsidentin Erica Brühlmann-Jecklin fordert mehr Nächstenliebe, vor allem für die ehemalige Schlieremer Pfarrerin Claudia Schulz. Sie kritisiert die Schlieremer Kirche scharf. Diese wehrt sich.

Ihr gehe es um Nächstenliebe und um Frieden, sagt Erica Brühlmann-Jecklin. Zudem wolle sie den rücksichtslosen Umgang anprangern, der bei den Schlieremer Reformierten herrsche.

Ganz anders als die Schlieremer Autorin, Musikerin und ehemalige Präsidentin der reformierten Kirchenpflege sehen es hingegen die Verantwortlichen selbst. Mehrere Exponenten der Kirche betonen im Gespräch, es gebe keine Angelegenheit, die in der Öffentlichkeit ausgetragen werden solle. Brühlmann-Jecklin widerspricht: «Doch, diese Geschichte gehört an die Öffentlichkeit, denn die Kirche ist de facto eine öffentliche Institution. Sonst passiert gar nichts.»

Happige Kritik

Was ist geschehen? In einem Leserbrief, den die Limmattaler Zeitung diese Woche abdruckte, kritisiert Brühlmann-Jecklin die Schlieremer Kirche und die Kirche des Kantons scharf. Freiwillige, die jahrelang gute Dienste geleistet hätten, liefen davon, Kirchenpflegerinnen meldeten sich vor Ablauf der Amtsperiode ab und den Erfinder des Dreikönigskonzerts, Gilberto Fischli, habe man mit der Anstellung von zwei Musikerinnen überflüssig gemacht, sodass auch er aufgegeben habe.

Zudem sei der Pfarrerin Claudia Schulz nahegelegt worden, die Kündigung einzureichen. Dies, nachdem Schulz, die mit gesundheitlichen Problemen kämpft, erst im vergangenen Jahr ein 20-Prozent Pensum übernommen hatte. Gemäss Brühlmann-Jecklin hat die Pfarrerin kürzlich einen eingeschriebenen Brief von der Landeskirche erhalten, mit dem Vorschlag, sie solle kündigen. «Da fragt man sich zurecht: Was ist denn mit der christlichen Nächstenliebe los?», schreibt Brühlmann-Jecklin im Leserbrief.

Trauriger Abschied

Rückblende: Ende 2016 schrieb Schulz in einem Artikel im Schlieremer Kirchenboten über ihren Gesundheitszustand. Sie berichtet offen von ihrer im vorangegangenen Sommer erlittenen Hirnblutung, von ihrem Reha-Aufenthalt in der Klinik von Valens und von ihrem Kampf zurück ins Leben. Vieles könne sie noch oder wieder, schrieb sie damals. Die Präsidentin der Kirchenpflege und Nachfolgerin von Brühlmann-Jecklin, Ursula Gütlin-Plüer, schrieb im selben Heft, man sei glücklich, Schulz wieder in Schlieren zu haben und sie auf dem Weg der Genesung zu wissen.

Doch nun geht man offenbar getrennte Wege. Denn am 7. Januar fand der Abschiedsgottesdienst für Pfarrerin Schulz statt. Brühlmann-Jecklin beschreibt den Anlass als traurig. Schulz, zu deren Schutz der Leserbrief wohl hätte dienen sollen, will keine Stellung beziehen. «Den Inhalt dieses Leserbriefs möchte ich mit Erica Brühlmann-Jecklin im persönlichen Gespräch besprechen und nicht über die Medien», sagt sie.

Auch bei der für die Anstellungsverhältnisse der reformierten Pfarrerinnen und Pfarrer zuständigen Landeskirche hält man sich bedeckt. Der Kommunikationsverantwortliche, Nicolas Mori, verweist auf den Persönlichkeitsschutz von Pfarrerin Schulz. Diesen gelte es zu wahren, weswegen keinerlei Angaben gemacht werden können. Brühlmann-Jecklin sagt auf Anfrage, dass Schulz vom Verhalten der Landeskirche sehr betroffen gewesen sei, gibt jedoch ebenfalls keine Details zum Hergang preis.

Und wie reagieren die Verantwortlichen der Schlieremer Kirche auf die an sie gerichteten Vorwürfe? Es sei fraglich, sagt Gütlin-Plüer, ob es überhaupt Stellung zu beziehen gebe. «Denn den von Brühlmann-Jecklin erwähnten Ereignissen liegen keine Unstimmigkeiten oder Streitereien zugrunde», sagt sie. Linda Pröbsting sei frühzeitig aus der Kirchenpflege ausgetreten, weil sie eine Weiterbildung begann und das Mandat zu einer zu grossen Belastung geworden wäre.

Und für das Dreikönigskonzert, das von Gilberto Fischli ins Leben gerufen wurde, seien auch schon in früheren Jahren andere Musiker engagiert worden. «Herr Fischli wollte wieder in seine Heimat im Süden ziehen», sagt sie. Auch hier sei man stets respektvoll miteinander umgegangen. Doch weiter wolle sie auf die vorgebrachte Kritik von Brühlmann-Jecklin nicht eingehen. «Die Zeitung ist hierfür nicht der richtige Ort.» Doch hält sie fest, dass Brühlmann-Jecklin, wie jedes Kirchenmitglied, das Recht habe, öffentlich ihre Meinung zu äussern.

«Die Menschen sind dankbar»

Auf ihren Leserbrief habe sie zahlreiche positive Rückmeldungen und eine einzige kritische erhalten, sagt Brühlmann-Jecklin. «Die Menschen sind dankbar, dass jemand die Stimme erhob und sagte, was Sache ist.» So seien zahlreiche Betroffene gütige und loyale Menschen, die auch ein wenig konfliktscheu seien – in deren aber auch in ihrem eigenen Namen habe sie den Leserbrief verfasst.

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