Wie gross ist die Lohnungleichheit bei den kantonalen Angestellten zwischen Frau und Mann? Dies wollten die beiden Kantonsrätinnen Michèle Dünki (SP, Glattfelden) und Kathy Steiner (Grüne, Zürich) vom Regierungsrat in einer Anfrage in Erfahrung bringen.

Seine Antwort: Ein Lohngefälle zwischen den Geschlechtern gibt es nicht. Oder zumindest keines, das nicht durch Faktoren wie persönliche Erfahrung und Ausbildung der Angestellten oder den Stellenanforderungen erklärbar wäre. Zahlen, die dies belegen, sind allerdings frühestens Ende Mai verfügbar.

Der Grundsatz der Lohngleichheit von Frau und Mann ist in der Bundesverfassung und im Gleichstellungsgesetz verankert. Dass die Arbeitsverträge in der Kantonsverwaltung diesen Grundlagen entsprechen, gewährleistet laut Regierungsrat ein standardisiertes Lohnklassierungssystem.

Der Lohn wird also nicht bei einem Anstellungsgespräch zwischen Bewerber- und Arbeitgeberseite verhandelt, sondern steht für eine Stelle schon im vornherein zu grossen Teilen fest. Dazu werden die Anforderungen, die eine Funktion an die Angestellten stellt, mittels eines Punktesystems bewertet, und die Stelle anhand dieser Bewertung in eine bestimmte Lohnklasse eingeteilt. «Mit diesem analytischen Verfahren wird die geschlechtsneutrale Bewertung einer Funktion sichergestellt», schreibt der Regierungsrat in seiner Antwort.

Lohnstufe ist individuell

Wenn der Kanton eine Stelle besetzt, so muss jedoch innerhalb einer Lohnklasse auch eine Lohnstufe festgesetzt werden. Diese ist wiederum von individuellen Voraussetzungen der Bewerberinnen und Bewerber wie Arbeitserfahrung, Fähigkeiten und Eignung für die neue Stelle abhängig. «Ebenfalls angemessen einzubeziehen sind Erfahrungen in Haus- und Erziehungsarbeit», hält die Regierung fest. Weiter sieht die Personalverordnung ausdrücklich vor, dass auch in Bezug auf individuelle Lohnerhöhungen das Verhältnis zwischen den Geschlechtern und den verschiedenen Lohnklassen «ausgewogen» ist.

Mit Verweis auf dieses Lohnsystem geht der Regierungsrat in seiner Antwort auf diverse Detailfragen der beiden Kantonsrätinnen nicht im Detail ein. So wollten sie etwa wissen, wie hoch der Prozentsatz jenes Lohnunterschieds zwischen Frauen und Männern sei, der nicht durch Faktoren wie Dienstjahre oder Alter erklärt werden kann. Die Regierung verweist in ihrer Antwort nur darauf, dass keine Anhaltspunkte für eine Lohndiskriminierung vorliege.

Festzustellen ob es solche trotz der getroffenen Vorkehrungen gebe, sei letztlich Sache der Gerichte. Die Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Zürich hat dem statistischen Amt Mitte 2015 den Auftrag erteilt, eine vertiefte Analyse von Entwicklung und Ursachen der Lohnunterschiede zwischen den Geschlechtern im Kanton Zürich zu erstellen. Die Ergebnisse sollen bis im kommenden Mai vorliegen.

SP-Kantonsrätin Dünki zeigt sich auf Anfrage zufrieden mit der Antwort des Regierungsrats. Dass er keine konkreten Zahlen liefert, erstaune sie nicht. «Wir sehen nun gespannt der Analyse des statistischen Amts entgegen. Ich erwarte, dass daraus auch die Lohnsituation der beiden Geschlechter in der Kantonsverwaltung nachvollziehbar wird», sagt Dünki.

Das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern gleicht sich generell nur schleppend aus. Dies zeigen Erhebungen des Bundes zur Lohnungleichheit in den Jahren 1996 und 2002: Im Kanton Zürich verdiente eine Frau bei der ersten Erhebung im Schnitt knapp 78,6 Prozent des Lohnes eines Mannes in einer Anstellung mit demselben Anforderungsprofil. 2002 waren es noch immer nur 78,9 Prozent.