Urdorf
Mädchenfussball, Jugendförderung und Perspektiven: Warum dem FC Urdorf der Kunstrasen so wichtig ist

Präsident René Janz, Sandro Agosti und Thomas Jenny vom FC Urdorf hoffen auf ein Ja zum neuen Fussballplatz an der Urne. Dann würde der lang gehegte Wunsch des Vereins endlich in Erfüllung gehen.

Sibylle Egloff
Merken
Drucken
Teilen
Im Herbst soll hier bereits gespielt werden. Thomas Jenny, René Janz und Sandro Agosti vom FC Urdorf sind zuversichtlich und gleichzeitig nervös vor der Abstimmung über den Kunstrasenplatz.

Im Herbst soll hier bereits gespielt werden. Thomas Jenny, René Janz und Sandro Agosti vom FC Urdorf sind zuversichtlich und gleichzeitig nervös vor der Abstimmung über den Kunstrasenplatz.

Chris Iseli

«Der schönste Moment für mich wäre, wenn ich hier vor dem fertigen Kunstrasenplatz stehen könnte und Fussballerinnen und Fussballer darauf spielen sehe», sagt René Janz. Der Präsident des FC Urdorf blickt auf die Wiese vor ihm neben dem Clubhaus Chlösterli in Urdorf. Wenn die Stimmberechtigten am 31. Januar den Kredit von 2,7 Millionen Franken für den geplanten Kunstrasenplatz an der Urne gutheissen, könnte Janz diesen Anblick ab Herbst dieses Jahres bereits geniessen. Dann soll der neue Platz dem Verein zur Verfügung stehen und die derzeitigen Engpässe auf den Urdorfer Fussballplätzen beheben. Mit dem Bau des Kunstrasens will der Gemeinderat die Initiative «Mehr Fussballtrainings und Spiel­möglichkeiten, mehr Sporthallen-­Kapazitäten» umsetzen. Das Stimmvolk nahm die Initiative des FC Urdorf an der Gemeindeversammlung im Juni 2019 einstimmig an und beauftragte den Gemeinderat damit, eine Lösung zu finden (die «Limmattaler Zeitung» berichtete).

Seit mehr als zwanzig Jahren wünschen sich die Mitglieder des FC Urdorf mehr Platz zum Trainieren und Spielen. 2007 kam der Verein dem Ziel bereits einmal näher, scheiterte dann jedoch, als das Stimmvolk einen Kredit über 4,5 Millionen Franken für die Eisbahn-­sanierung bewilligte und gleichzeitig den Kunstrasen für den FC Urdorf ablehnte. «Das war eine unglückliche Abstimmungskonstellation. Die Zeit war damals noch nicht reif für einen Kunstrasen», sagt Janz. Doch nun sind sich die Fussballer sicher, dass der Zeitpunkt passt. Die Coronakrise habe gezeigt, wie wichtig es ist, dass Jugendliche und Kinder eine sinnvolle Beschäftigung haben. «Wir möchten eine seriöse Jugendarbeit machen. Dazu ­benötigen wir aber unbedingt diesen neuen Kunstrasenplatz», sagt Janz.

Für uns ist es bitter, wenn wir einen fussballbegeisterten Buben im FC-Barcelona-Trikot aufs nächste Jahr vertrösten müssen.

(Quelle: Sandro Agosti, Mitglied des Initiativkomitees und ehemaliger Präsident des FC Urdorf)

«Weil wir zu wenig Kapazitäten haben, müssen jeweils rund 50 Buben ein Jahr warten, bis sie bei uns starten können», sagt Sandro Agosti, Mitglied des Initiativkomitees und ehemaliger Vereinspräsident. «Für uns ist es bitter, wenn wir einen fussballbegeisterten Buben im FC-Barcelona-Trikot aufs nächste Jahr vertrösten müssen.» Der frühe Zugang zu einem Einsteigersport wie Fussball sei für die kindliche Entwicklung enorm wichtig. Teamgeist und Koordination würden gefördert und seien auch für andere Sportarten später essenziell. «Wir sehen, dass viele Kinder Mühe haben, ihre koordinativen Fähigkeiten zu entfalten, wenn sie erst mit zehn oder zwölf Jahren mit Sport beginnen», sagt Vizepräsident und Finanzvorstand Thomas Jenny.

Dreimal mehr Mitglieder spielen auf den Plätzen

Hohe Priorität hat für den FC Urdorf auch der Aufbau des Mädchenfussballs. «Immer mehr Mädchen interessieren sich für den Sport, doch auch sie müssen wir aufgrund der Platznot wegschicken. Mit dem neuen Kunstrasen hätten wir die Möglichkeit, 60 bis 80 Mädchen aufzunehmen», sagt Janz. Der Verein mit derzeit rund 400 Mitgliedern würde insgesamt um 20 Prozent wachsen. Seit 1974 nutzt der FC Urdorf zwei Naturrasenplätze, einen beim Clubhaus am Lättenweg und einen bei den Sport- und Freizeitanlagen Weihermatt. In dieser Zeit hat sich die Mitgliederzahl verdreifacht.

«Doch noch immer müssen wir mit den beiden Plätzen auskommen. Zeitweise trainieren bis zu fünf Mannschaften gleichzeitig auf einem der beiden Plätze», sagt Jenny. Weil sie ständig gebraucht würden, seien sie in einem schlechten Zustand. «Sobald es zwei Tage lang regnet, können wir nicht mehr darauf trainieren, müssen Trainings und Spiele absagen oder unsere Gegner bitten, die Partien bei ihnen durchzuführen. Das ist frustrierend.» Mit dem Kunstrasenplatz könnten die stark beanspruchten Naturrasenplätze entlastet werden, sind sich Janz, Agosti und Jenny sicher. Das sorge für geringere Unterhalts­kosten. Zudem habe der Kunstrasenplatz den Vorteil, dass er nicht auf sechs Monate begrenzt, sondern auch im Winter verwendet werden könne. «Davon profitieren auch andere Vereine. Denn dadurch werden Hallentrainingszeiten frei. Zudem können auch Vereine und andere Organisationen den Kunstrasenplatz benutzen», sagt Jenny.

Thomas Jenny, Vizepräsident und Finanzvorstand FC Urdorf

Sobald es zwei Tage lang regnet, können wir nicht mehr darauf trainieren, müssen Trainings und Spiele absagen oder unsere Gegner bitten, die Partien bei ihnen durchzuführen. Das ist frustrierend.

Weil die vorberatende Gemeindeversammlung am 2. Dezember 2020 coronabedingt abgesagt wurde und die Urnenabstimmung vom 7. März auf den 31. Januar vorverlegt wurde, versucht der FC Urdorf nun noch möglichst viele Urdorfer Stimmberechtigte via Flyer und Standaktionen sowie über Social-­Media-Kanäle und das Vereinsmagazin vom Kunstrasenplatz zu überzeugen. «Wir erhalten von der Bevölkerung durchweg positives Feedback und auch die Vereine, der Gemeinderat und alle politischen Richtungen stehen hinter uns», sagt Janz. Daher sei man zuversichtlich, dass die Abstimmung zu Gunsten des FC Urdorf ausfallen ­werde.

Kantonaler Sportfonds und FC beteiligen sich finanziell

«Nichtsdestotrotz sind wir angespannt, denn die Leute müssen das Projekt nicht nur unterstützen, sondern auch tatsächlich abstimmen», sagt Agosti. Obwohl viele das Projekt befürworten würden, gebe es doch ein paar, die Bedenken wegen des hohen Betrags von 2,7 Millionen Franken äussern würden. «Viele sehen nur diese Zahl und lesen das Kleingedruckte nicht. Eigentlich geht es um eine Investition von 1,8 Millionen Franken», sagt Janz. Der Kauf der notwendigen Landreserve von 9000 Quadratmetern beim Golfabschlagplatz für 540000 Franken sei bereits 2020 erfolgt und auch die Kompensation der Fruchtfolgeflächen von 125000 Franken sei letztes Jahr beglichen worden. Zudem würden vom kantonalen Sportfonds 160000 Franken und vom FC Urdorf 80000 Franken der Projektkosten übernommen. «Das heisst also, dass 30 Prozent der Gesamtsumme nicht mehr ausgegeben werden», sagt Agosti. Auch Umweltbewusste will der Verein für sein Anliegen gewinnen. «Dank mehr Nutzungsstunden schneiden moderne Kunstrasenplätze im Vergleich zu Naturrasen ­ökologisch und wirtschaftlich gut ab», sagt Janz.

Dieses Projekt ist nicht nice-­to-have, sondern dringend nötig sowie richtungsweisend für die Zukunft.

(Quelle: René Janz, Präsident FC Urdorf)

Der Klub macht sich keine Sorgen, dass sich die Coronakrise negativ auf die Abstimmung auswirken könnte. «Zwar könnten sich ein paar Stimmbürger fragen, ob das Geld während der Pandemie an einem anderen Ort besser ausgegeben werden könnte. Doch die Urdorfer Finanzen sind gesund. Ausserdem sind bis jetzt keine Fakten bekannt, die darauf hindeuten, dass die Krise einen Einfluss auf die Gemeindefinanzen haben wird», so Jenny. Für die Mitglieder des FC Urdorf ist klar: «Dieses Projekt ist nicht nice-­to-have, sondern dringend nötig sowie richtungsweisend für die Zukunft.» Man sei dankbar, dass sich die Gemeinde und der Gemeinderat so dafür einsetzen würden und diesen idealen Standort gleich neben dem Clubhaus und der bestehenden Infrastruktur erworben hätten.

An seinem 50-Jahr-Jubiläum 2018 bekundete der FC Urdorf erstmals sein Anliegen bei Gemeindepräsidentin Sandra Rottensteiner. Nun steht der Tag der Entscheidung nach zweieinhalb Jahren Arbeit kurz bevor. «Wir sind nervös und hoffen auf ein positives Resultat, damit wir bald allen Mädchen und Buben eine sportliche Perspektive in unserem Dorf geben können», sagt Janz. Ein Ja an der Urne würde dem Verein und dem Vorstand für die bereits getätigte jahrelange, aber auch die bevorstehende freiwillige Arbeit überdies viel Motivation verleihen.