Traditionelle Schweizer Gerichte haben in der Adventszeit Hochsaison. Das spüren auch die Gastronomen. Fleisch- oder Käsefondue sowie edle Fleischstücke sind in den Gaststätten besonders beliebt – und das vor allem zum Wochenende hin. «Donnerstags, freitags und samstags sind wir seit November fast vollständig ausgebucht», sagt Maya Grossmann von der «Linde» in Weiningen. Bei ihr kämen zurzeit viele Aushilfen zum Einsatz. Auch bei den Dietiker Restaurants Taverne zur Krone und Heimat heisst es auf Anfrage, die Vorweihnachtszeit sei am umsatzstärksten.

Das liegt auch am lukrativen Geschäft mit Firmen, die im Dezember ihre Weihnachts- oder Jahresabschlussessen durchführen. In allen drei erwähnten Gastwirtschaften finden weit über 100 Gäste Platz, weshalb sie bei Unternehmen beliebt sind. Das Geschäft läuft dieses Jahr bisher gut, die Umsätze seien im Vergleich zum Vorjahr auf konstant hohem Niveau geblieben, so der Tenor bei den Gastronomen. «Wir konnten den erfreulichen Stand vom Vorjahr halten», sagt etwa Marco Mordasini vom Fondue-Chalet-Limmattal in Schlieren. Er bestätigt, dass der Donnerstag und Freitag besonders beliebt sind bei Unternehmen.

Maximal 100 Gäste

«Schlieren allein hat rund 1000 Firmen und wir haben in den Monaten November und Dezember 16 begehrte Tage», sagt er. Mordasini sagt, dass Firmen deshalb zum Teil ihre Anlässe auf Ausweichdaten bis in den Januar hinein verschieben würden. «Das Jahresabschlussessen wird dann zu einem Motivationsessen für das kommende Jahr», sagt er. Grössere Betriebe würden zudem immer häufiger in kleineren Teams essen gehen, statt ein ganzes Restaurant exklusiv zu buchen.

Exklusiv-Buchungen stellen die Restaurants ohnehin vor ein Problem, weil sie den Laufkunden den Eintritt verwehren. Martina Meier von der «Heimat» nimmt deshalb nur Reservierungen bis 100 Gäste an. «Die vorderen Stuben sollen für wiederkehrende Gäste da sein», sagt sie. Beim «Landhus» in Aesch finden grosse Gesellschaften in der Scheune nebenan Platz. «Für Gastronomen ist es ein wichtiges Anliegen, mit den Metzgeten, Generalversammlungen und Jahresabschlussessen den eigenen Stamm nicht kaputtzumachen», sagt Geschäftsführerin Nada Milosevic.

Private werden spontaner

Es sei nicht leicht, für Unternehmen mit grosser Belegschaft ein Restaurant zu finden, sagt Mordasini. Grossfirmen würden deshalb immer früher buchen, oft schon im Sommer. Nach Anlässen würde sogar teilweise gleich für das Folgejahr erneut reserviert. «Bei Familien und Freunden nimmt die Spontanität aber zu», sagt Grossmann, die mit Zaubershows oder Auftritten von Sängern das Geschäft mit Privaten ankurbelt. Als Grund macht sie die moderne Kommunikationsvielfalt aus.

Diese wirke belebend auf die Gespräche über mögliche Ausflugsziele. «Wir nehmen Reservierungen über sieben Kanäle entgegen», sagt sie. Dazu zählen Social Media Plattformen wie Facebook oder Linkedin, aber auch Whatsapp oder E-Mail. Beim «Herrenberg» in Bergdietikon, das als Ausflugsrestaurant im Sommer Hochbetrieb hat, heisst es auf Anfrage, dass Firmen ihre Weihnachtsessen eher kurzfristiger buchen würden. «Die Unternehmen wollen nicht mehr jedes Jahr dasselbe Restaurant», sagt Christine Minder.

Ebenfalls auffällig sei, dass Menschen sich in der Adventszeit mehr Zeit nehmen. «Im Winter bleiben die Gäste länger sitzen, es ist ein Gemütlichkeitsfaktor dabei», sagt Martina Meier von der «Heimat». Das liege wohl auch an der weihnachtlichen Deko. Und Spitzenkoch Heinz Witschi vom «Witschi» in Unterengstringen stellt fest: «Im Dezember sind die Menschen etwas grosszügiger.»