Ursula Ledergerber kommt gleich zur Sache. Nach ein paar Begrüssungsworten schaltet sie die Musik ein und lässt die Leute, die gerade erst angekommen sind, in Aktion treten. «Stellt euch einfach vor, ihr macht eine Abfahrt, etwa so gilt es, in die Knie zu gehen und im Rhythmus auf und ab zu wippen.» Dabei blickt Ledergerber so aufmunternd in die Runde, dass man sich nicht widersetzen möchte und auch als ungelenker Durchschnittsmensch einfach mal mittut.

Um die dreissig Leute wippten so im Stadthaus Dietikon und liessen sich am Samstagabend in die Geheimnisse des Lindy Hop einführen. Der Name hängt mit dem Flugpionier Charles Lindbergh zusammen, dem 1927 die erste Alleinüberquerung des Atlantiks gelang. Als einige Tanzende um diese Zeit gefragt wurden, was sie eigentlich machen, sagte einer: «I’m doin’ the Hop… the Lindy Hop!» Er griff damit auf eine Schlagzeile zurück, die den grossen «Hopser» Lindys – Lindberghs Spitzname – über den Atlantik verkündete.

Paartanz ohne falsche Scheu

Nicht gleich die Kräfte für eine Atlantiküberquerung musste man am Samstagabend aufbieten, sondern sich einfach einige Schrittfolgen einprägen. Ledergerber und Urs Keller, der sie beim Vortanzen unterstützte, liessen sie ganz selbstverständlich und natürlich erscheinen. «Erinnert euch einfach daran, wie ihr im Kindergarten herumgehüpft seid», sagte sie und zeigte, wie sich das in den Lindy Hop integrieren lässt.

Nachdem jeder die Grundschritte mehr oder weniger lässig ausführen konnte, kam es zum Paartanz. Die «Follower», die Frauen, konnten sich nun einen «Leader», einen Mann, aussuchen. Da etwas mehr Frauen als Männer aufgekreuzt waren, durften einige von ihnen auch in die Leader-Rolle schlüpfen. Ohne falsche Scheu fand man zusammen und war überrascht, dass sich mit den Schritten bereits etwas machen liess. Von den Leadern angetippt, wirbelten die Follower in einem Halbkreis um sie herum – und hielten auf der Stelle wippend inne, wenn der Leader das so wollte.

Die neuen Schritte gleich anwenden

«Ich fand es grossartig», sagte Férnanda Moncayo aus Dietikon nach dem Tanzkurs. Nachdem sie einen Dokumentarfilm über den Lindy Hopp gesehen hatte, wollte sie ihn unbedingt einmal ausprobieren. «Ich hätte mir lediglich gewünscht, ein paar zusätzliche Figuren kennenzulernen», sagte Moncayo, die bereits Tango, Salsa, Bachata und viel anderes tanzt. Silvia Degen aus Zürich zeigte sich in Bezug auf ihre Tanzkünste selbstkritisch; Spass gemacht hat ihr der Lindy Hop aber trotzdem: «Er fordert das Hirn und ist gut für die Koordination. Ich finde es schön und lobenswert, dass in Dietikon solche Veranstaltungen durchgeführt werden.»

Anschliessend hatten die Teilnehmer des Crashkurses Gelegenheit, die frisch gelernten Schritte zu Live-Musik auszuführen. «Break a Leg» spielte im Stadthaus Dietikon Swing und Blues und lockte auch manche elegant hin- und herwirbelnde Tanzveteranen an. Die Neulinge zeigten sich zu Beginn noch etwas zögerlich und mussten von Ursula Ledergerber, die bei «Break a Leg» den Gesangspart übernahm, wiederholt ermutigt werden.