Am Anfang stand Karl Theodor zu Guttenberg, der deutsche Adlige und Aussenminister, die grosse und hernach umso schlimmer gefallene Hoffnung der Konservativen in Deutschland. Seine Doktorarbeit wurde als Plagiat enttarnt. Der Sonnyboy hatte geklaut. «Als die Affäre ans Tageslicht kam, schrieben wir einen Plagiatssketch», erinnert sich Christian Höhener (43), der Partner von Peter Winkler (43) im Komikerduo Lapsus.

Irgendwie können die beiden mitfühlen. Denn auch sie «leiden» unter Plagiatsvorwürfen, hören, diesen oder jenen Gag habe man doch schon irgendwo gesehen. Aufbauend darauf fragten sie sich, wie man das mit ihren Figuren, dem übereifrigen Besserwisser Theo Hitzig (Winkler) und dem begriffsstutzigen Bruno Gschwind (Höhener) in ein abendfüllendes Programm einbringen kann. Ein Programm, das am kommenden Dienstag im Casinotheater Winterthur Premiere hat.

«Das Klauen zieht sich wie ein roter Faden durch unser Programm», erzählt Winkler. «Wir machen Plagiatssketche wie etwa über Trappatoni.» «Es ist ein rasantes Spektakel», verspricht Höhener, «Hooliganismus, Ärzteserien und nichtssagende Pressekonferenzen kommen darin vor, bis wir sogar vor Gericht landen.» Sie setzen sich auch ins Publikum, um etwas zu sehen, um daraus einen Sketch zu verarbeiten, was bei ihnen natürlich nicht funktioniert. Das Ganze ist für Theo Hitzig, der sich wie immer überschätzt, ein gefundenes Fressen. Er sieht sich als Profi, der dem Publikum sogar Kommunikationskurse gibt. Und Bruno, der Gehilfe, der schnallt natürlich nicht, dass es sich beim Geklauten um geistiges Eigentum handelt. Bei ihm wirds schnell einmal physisch.

Vor einem Jahr begannen die beiden Limmattaler Komiker mit dem Entwerfen von «Klaut». Sie machten es sich nicht leicht. Vier halbstündige, neue Stücke spielten sie ausgewähltem Publikum vor, um zu sehen, ob sie ankommen. Es sei jedes Mal gut gekommen, sagt Winkler. So schusterten sie dieses Jahr alle Stücke zusammen, eben unter dem roten Faden des Klauens. Trotzdem: Als sie das ganze Programm vor Testpublikum aufführten, merkten sie, dass einiges nicht stimmt.

«Wir haben es leider zu spät gemerkt. Wir mussten die Sommerferien opfern, um das auszubügeln. Aber jetzt sind wir auf gutem Weg, ist sich Peter Winkler sicher. «Das Tal der Tränen war gross», erinnert sich Christian Höhener und zeigt dabei sein spitzbübisches Lachen. «Das Publikum fand es zwar noch lustig, aber wir waren nicht zufrieden», ergänzt Winkler. Sie warfen beispielsweise 15 Minuten Film über Bord, die sie an ihren Multimedia-Auftritten zu zeigen pflegen.

Mit Paul Steinemann, einem Regisseur und Drehbuchautor, schauten sie sich die Sache nochmals an. «Er gab seinen Senf dazu», sagt Winkler und Höhener ergänzt: «Er hatte recht, er sah die Schwierigkeiten, und wir setzten nochmals neu an.» «Es waren lustige Filmchen, die wir fortwerfen mussten, gopfriedstutz», äussert sich Winkler.

Es gäbe immer wieder ein Tal der Tränen, gibt Winkler zu verstehen. Man habe lange Zeit mit dem Thema Romeo und Julia gearbeitet, sei aber unter dieser Nummer nie aufgetreten. «Plötzlich kamen zwei ganz andere Nummern heraus», lässt er in die Schaffensweise des Duos blicken. Sie haben denn auch keine Angst, vor dem Nichts zu stehen, es sei eher der Frust, wenn es nicht vorwärtsgehe, erklärt Höhener und ergänzt: «Manchmal verbratet man fünf Tage und hat danach nichts, aber das Durchbeissen ist wichtig. Es kommt immer wieder was, wenn man dranbleibt. Es gibt Nummern, die besitzen Potenzial, aber funktionieren noch nicht. Manchmal geht es bis zu einem Jahr, ehe sie brauchbar werden.»

Wie ist das so, wenn man seit 1995 stets beruflich eng zusammen ist? «Sehr gut, wertvoll», gibt Winkler zu Protokoll. Man müsse gut auskommen miteinander, dürfe aber nicht ins Private hineingehen, wenn es beruflich Meinungsverschiedenheiten gebe. «Es geht um die Sache, und das macht Spass», denkt Winkler. «Wir hatten noch nie eine richtige Krise, und ich hatte noch nie die Schnauze voll. Der Chrigi wohl schon», foppt er seinen Mitstreiter. Der lässt sich natürlich nicht unterkriegen: «Wir sind beide sehr tolerant», antwortet er mit einem milden Lächeln. Es sei in ihrer Beziehung wie bei Bergsteigern. Wenn sie einen Gipfel bestiegen hätten, sprich, ein Programm zu Ende gespielt, entspringe bald wieder die Lust, etwas Neues anzugehen. Wie ein Bergsteiger einen neuen Gipfel eben. «Wir wissen aber, dass wir Rücksicht nehmen müssen aufeinander.»

Wie sieht ihre Zukunft aus, sie sind ja beide schon 43? Spontan fragt Christian Höhener rhetorisch: «Wie lange hats Walter Roderer gemacht?» Der machte keine Akrobatik auf der Bühne wie Lapsus. «Das bauen wir etwas ab und um in Form zu bleiben, treiben wir mehr eigene Fitness. «Nicht, dass wir so wie Ronaldo werden, der soll 119 Kilogramm schwer sein», lacht Winkler und schaut sich sogleich vergnügt im Internet die neusten Bilder des fülligen einstigen Weltstars an.

«Ich freue mich, älter zu werden», gesteht Winkler, «das wird spannend, mit älterem Aussehen auf der Bühne zu stehen. Ich kann mir vorstellen, noch mit 70 zu spielen, wenn der Körper es zulässt.» Höhener sagt, man habe noch nie an Trennung gedacht, denn es mache immer noch Spass, zusammen aufzutreten. «Wenn man keine Freude mehr hat, ists aus. Und man muss davon leben können.» «Das gehört zur Freude und zur Lust», gibt Winkler mit einem feinen Lächeln dazu. So wird das Komikerduo Lapsus wohl noch lange seinen Schabernack auf der Bühne betreiben. Übrigens tun sie das bald auch im Limmattal: Am 26. Januar 2013 treten sie im Dietiker Stadthaus auf.