Umweltziele

Limmattaler Kirchen verhalten sich auch ohne «Grünen Güggel» umweltbewusst

Die reformierte Kirche in Dietikon strebt das Umweltlabel «Grüner Güggel» an: Sie will mit ihrem Engagement auch andere Kirchgemeinden motivieren.

Die reformierte Kirche in Dietikon strebt das Umweltlabel «Grüner Güggel» an: Sie will mit ihrem Engagement auch andere Kirchgemeinden motivieren.

Das Coronavirus erschwert vieles – die Limmattaler Kirchgemeinden verfolgen ihre Umweltziele dennoch weiter.

Verschiedene Kirchgemeinden im Limmattal streben das Umweltlabel «Grüner Güggel» an – oder hatten dies zumindest getan, bis die Coronapandemie ausbrach. Weit davon waren die drei reformierten Kirchgemeinden Dietikon und Schlieren sowie Weiningen, zu der auch Oetwil, Geroldswil und Unterengstringen gehören. Ende des vergangenen Jahres hiess es noch: «Wir hoffen, bis Ende 2020 zertifiziert zu sein.» Mittlerweile sei diese Frist wegen des Coronavirus aber nicht mehr realistisch, sagt Heinrich Brändli, der Kirchgemeindeschreiber der drei Kirchgemeinden.

Er hofft nun, die Zertifizierung im Sommer nächsten Jahres abschliessen zu können. Das Vorhaben, bis 2025 CO2-neutral zu sein, bleibt ebenfalls bestehen: «Wir werden in den nächsten Monaten schauen, ob und wie dies erreichbar ist. Grundsätzlich sind wir auf Kurs», sagt Brändli. Er erhofft sich so, auch andere Kirchen zu inspirieren. «Wir möchten eine Signalwirkung erzeugen.»

Bei anderen Kirchgemeinden löst dieses Signal aber noch nichts aus. «Die Zertifizierung ist mit grossem Aufwand verbunden», sagt beispielsweise Adrian Sutter, katholischer Pfarrer der Dietiker Kirche St. Agatha. «Uns stehen momentan nicht genug personelle Ressourcen zur Verfügung.» Über zu wenig Ressourcen klagen auch andere Kirchgemeinden. Dennoch seien sie bedacht, Emissionen zu reduzieren und bei Investitionen auf die Umwelt zu achten, sagt Sutter. «Wir verzichten zum Beispiel auf Einweggeschirr oder verwenden notfalls biologisch abbaubares Geschirr, das wir kompostieren.»

Die katholische Kirchgemeinde Engstringen hält fest, dass der «Grüne Güggel» grundsätzlich erstrebenswert sei. Die Kirchenpflege setze sich immer wieder mit dem Thema einer Zertifizierung auseinander, sagt Präsidentin Katharina Stockmann. «Aktuell ist aber in der Kirchgemeinde die Balance zwischen allen anstehenden Projekten zu finden.» Umweltschutz kommt, auch wenn die «Grüner Güggel»-Zertifizierung aussteht, nicht zu kurz. Die Kirchenmitglieder werden laut Stockmann für Klimaschutz sensibilisiert: «Eine der wichtigen Botschaften, die wir auch über den Religionsunterricht vermitteln, ist die Sorgfalt. Sei dies gegenüber Mitmenschen oder gegenüber der Natur.»

Solarzellen und neue Heizungen sind ein Thema

Die reformierten Kirchgemeinden Bergdietikon, Urdorf, Birmensdorf-Aesch und Uitikon sowie die katholischen Kirchgemeinden St. Johannes in Geroldswil – zu der auch Oetwil und Weiningen gehören –, Birmensdorf-Aesch-Uitikon und Schlieren streben das Umweltlabel vorerst nicht an, wie sie auf Anfrage verlauten lassen. Letztere hat dennoch bereits umweltfreundliche Massnahmen ergriffen. Wie Hubert Zenklusen, Präsident der katholischen Kirche Schlieren, mitteilt, ist auf dem Dach des neu erstellten Pfarreizentrums eine Fotovoltaikanlage installiert worden. Er verweist zudem auf die Minergie-Heizung im Gebäude sowie in der Kirche.

Eine neue Heizung ist vielen Kirchgemeinden ein Anliegen. So sollen auch in Bergdietikon zwei Erdölheizungen durch Wärmepumpen oder Pelletheizungen ersetzt werden. Werner Weibel, Kirchenpflegepräsident der katholischen Kirchgemeinde, betont jedoch, dass dabei nicht der «Grüne Güggel» das primäre Ziel sei. «Eine Zertifizierung nützt nichts, wenn man sich nicht entsprechend umweltfreundlich verhält.» Unabhängig davon, ob die neuen Heizungen für einen «Grünen Güggel» reichen, sei das Wegkommen von fossilem Brennstoff unerlässlich. «Das ist auch unser Auftrag als Kirche. Wir sind verantwortlich für die Bewahrung der Schöpfung.»

Auf die Beweggründe für einen aktiven Klimaschutz angesprochen, fällt das Wort «Schöpfung» immer wieder. Bei den Katholiken in Urdorf hat sie ebenfalls Priorität. «Wir wollen uns wegen des zusätzlichen Aufwands nicht am ‹Grünen Güggel› beteiligen, sondern das momentan Machbare zur Erhaltung der Schöpfung beitragen», sagt Pfarrer Max Kroiss von der Pfarrei Heiliger Bruder Klaus. So hat auch Kroiss’ Pfarrei die Ölheizung der Kirche durch Erdwärmesonden ersetzt. Und auf dem Kirchendach gewinnt nun eine Fotovoltaikanlage mit 36 Kilowatt Leistung Solarenergie. «Wir verhalten uns schöpfungsgerecht», betont Kroiss.

Der Klimastreik wird unterstützt

Schöpfungsgerecht, aber auch kooperativ will sich die reformierte Kirchgemeinde der Stadt Zürich verhalten, zu dessen Kirchenkreis 10 die Gemeinde Oberengstringen gehört. Weil die Kirche Wipkingen derzeit nicht genutzt wird, wird sie den Aktivisten rund um den Klimastreik zur Verfügung gestellt.

«Der Klimastreik hat nun einen Ort, an dem er seine Aktivitäten organisieren kann», sagt Michael Braunschweig, Vizepräsident der Kirchenpflege. «Die Kirchgemeinde unterstützt die jungen Erwachsenen darin, Verantwortung zu übernehmen und ihre Anliegen für das Wohl der Gesellschaft umzusetzen.»

Der «Grüne Güggel» selbst bleibt ebenfalls ein Bestreben der Stadtzürcher reformierten Kirche. Entsprechende Legislaturziele hatte die Anfang Jahr neu gewählte Kirchenpflege Ende Juli beschlossen. «Ökologische Nachhaltigkeit ist der Kirchenpflege ein wichtiges Anliegen», betont Braunschweig. «Wir achten auf einen sorgsamen Umgang mit Ressourcen.»

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