Es sind unvergessliche Szenen. Nach der Schlusssirene liegen sich die Spielerinnen des Schweizer Eishockeynationalteams in den Armen. Sie haben soeben Schweden nach einem 0:2-Rückstand mit 4:3 bezwungen und damit Bronze gewonnen. Mittendrin in der Jubeltraube ist die Oberengstringerin Florence Schelling. Die Torhüterin ist der grosse Rückhalt der Mannschaft. Sie wird zur wertvollsten Spielerin des Turniers an den Olympischen Winterspielen in Sotschi gewählt und zum besten Goalie sowieso. Auch in der Heimat wird sie mit Auszeichnungen überhäuft. Die Gemeinde Oberengstringen etwa benennt einen Weg nach ihr.

Vier Jahre ist das her. Nun stehen die nächsten Winterspiele vor der Türe. Nächsten Freitag steigt im Olympiastadion von Pyeongchang die Eröffnungsfeier. Schelling wird wieder dabei sein. Mit dem Urdorfer Curler Claudio Pätz ist zudem ein zweiter Vertreter aus der Region an den Spielen am Start.

Immer wieder haben Limmattalerinnen und Limmattaler rund um Olympische Sommer- und Winterspiele kleinere und grössere Geschichten geschrieben. Sei es als Sportler, Trainer oder Funktionär. Eine Auswahl.

Von Erfolgen und Geburtstagen

Medaillen zu gewinnen, ist das Ziel vieler Sportler, die an Olympischen Spielen Teilnehmen. Einer, der weiss, wie es sich auf dem Podest anfühlt, ist Daniel Nipkow aus Bergdietikon. 1984 in Los Angeles schoss er sich mit dem Kleinkalibergewehr auf den 2. Platz. Und das ausgerechnet am 1. August. Bereits vier Jahre zuvor zählte Nipkow zu den Favoriten. In Moskau antreten konnte er jedoch nicht. Es war Kalter Krieg, die USA boykottierten die Spiele in der damaligen UdSSR. Und auch der Schweizer Schützenverband weigerte sich, seine Athleten nach Moskau zu schicken. Nipkows Traum war geplatzt – vorerst.

Daniel Nipkow zeigt seine Silbermedaille.

Daniel Nipkow zeigt seine Silbermedaille.

Auch Thomas Lips kennt das Gefühl, nach erfolgreichen Spiele in die Schweiz zurückzukehren. Der Urdorfer hatte 2010 in Vancouver allen Grund zum Feiern – und das gleich doppelt. Der Teamcoach führte das Schweizer Curlingteam zur bronzenen Auszeichnung. Es war wohl das schönste Geburtstagsgeschenk, das er bekommen konnte. Denn am selben Tag galt es im «House of Switzerland» auch auf seinen 40. Geburtstag anzustossen.

Thomas Lips führte das Schweizer Curlingteam zu Bronze.

Thomas Lips führte das Schweizer Curlingteam zu Bronze.

Auf und vor dem Bildschirm

Wie Daniel Nipkow war auch die Oberengstringerin Natalie Seiler mittendrin, als sich 1984 die Olympische Familie in Los Angeles traf. Die damals 15-jährige Kunstturnerin erreichte mit der Schweizer Mannschaft Platz 8. Vor zwei Jahren war Natalie Pedrocchi, wie sie mittlerweile heisst, erneut in Olympischer Mission unterwegs. Als Sportproduzentin und Projektleiterin beim Schweizer Fernsehen SRF bestimmte sie mit ihrem Team, was auf den Bildschirmen in den Stuben der Nation aus Brasilien gezeigt wurde.

Natalie Pedrocchi war sowohl als Sportlerin als auch als SRF-Produzentin an Olympischen Spielen dabei.

Natalie Pedrocchi war sowohl als Sportlerin als auch als SRF-Produzentin an Olympischen Spielen dabei.

Fernsehen ist auch ein gutes Stichwort, wenn es um Fausto Santini und seine Olympiageschichte geht. Die Qualifikation für London 2012 schaffte er zwar nicht, dennoch war er während den Spielen fast täglich im Fernsehen zu sehen. Und zwar wie er den Big Ben hoch rennt. Der 400-Meter-Hürdenläufer gehörte zu einer ausgewählten Gruppe von Leichtathleten, die im Intro des Schweizer Fernsehens vorkamen, das vor jeder Sendung im Zusammenhang mit den Olympischen Spielen ausgestrahlt wurde.

Fausto Santini gehörte zu einer ausgewählten Gruppe von Leichtathleten, die im Intro der SRF-Sendungen zu London 2012 vorkamen.

Fausto Santini gehörte zu einer ausgewählten Gruppe von Leichtathleten, die im Intro der SRF-Sendungen zu London 2012 vorkamen.

Unterricht beim Olympiasieger

Von einem Olympiasieger unterrichtet zu werden – das kann nicht jeder von sich behaupten. Primarschüler in Geroldswil kamen in den 1980er-Jahren in diesen Genuss. Damals hiess ihr Schwimmlehrer Steve Genter. Er gewann 1972 in München mit der 4×200-Meter-Freistil-Staffel der USA in Weltrekordzeit Gold. Zum erfolgreichen Quartett gehörte auch ein gewisser Mark Spitz, der grosse Star der Spiele. Der Amerikaner holte sieben Mal Gold.

Steve Genter mit seinem Medaillensatz.

Steve Genter mit seinem Medaillensatz.

Bei dieser Rekordjagd war Genter sein härtester Konkurrent. Neben Team-Gold holte er über 200 Meter Freistil hinter Spitz die Silbermedaille. Und auch über 400 Meter Freistil holte Genter eine Medaille, die Bronzene. Nur wenige Jahre nach diesem Erfolg zog es ihn in die Schweiz. 1977 nahm Genter ein Angebot als Schwimmtrainer in Bern an. Über Zürich fand er schliesslich den Weg ins Limmattal, wo er neben seiner Schwimmlehrertätigkeit auch als Wasserballer in Dietikon im Einsatz war.

Grosseinsatz für Barcelona

Einen langen Atem kann man Ursula Bähr nicht absprechen. Den brauchte sie auch, um ihren Olympischen Traum wahr werden zu lassen. Zehn Jahre ihres Lebens widmete die Schlieremerin den Spielen von Barcelona 1992. Bereits Anfang der 1960er-Jahre zog es Bähr mit ihrem Ehemann nach Spanien. Da war sie Mitte zwanzig. Anfang der 1980er-Jahre wurde sie vom Unternehmer und Politiker Carlos Ferrer-Salat angefragt, ob sie mithelfen wolle die Olympischen Spiele nach Barcelona zu holen. Sie wollte und sorgte fortan dafür, dass die Besuche der Abgeordneten des Internationalen Olympischen Komitees perfekt organisiert waren.

Ursula Bähr half mit, die Olympischen Spiele nach Barcelona zu holen.

Ursula Bähr half mit, die Olympischen Spiele nach Barcelona zu holen.

Die Bemühungen trugen Früchte. Obwohl Paris als Favorit galt, erhielt Barcelona 1986 den Zuschlag. Für Bähr war die Mission Olympia damit aber noch nicht beendet. Denn sie wurde erneut von Ferrer-Salat kontaktiert. Wieder sagte sie Ja zu seinen Plänen. Und so baute sie den Meeting-Point für die olympischen Funktionäre auf.

Ohrwurm für die Athleten

Das Geroldswiler Industriegebiet ist weit vom Olympischen Glamour entfernt. Und doch wurde dort in einem kleinen Musikstudio ein Beitrag zu den Spielen 2008 in Pejing produziert. «Heart of Gold» heisst der Song. Geschrieben wurde er vom Musiker und Produzenten Maurizio «Maury» Pozzi. «Heart of Gold» war der offizielle Swiss Olympic Song für Peking.

Maurizio Pozzi schrieb den offiziellen Swiss Olympic Song für Peking.

Maurizio Pozzi schrieb den offiziellen Swiss Olympic Song für Peking.