Altersheime
Limmattaler Alterszentren spüren die zweite Coronawelle: Teilweise stocken sie ihr Personal auf

Während einige Institutionen den Mehraufwand noch mit ihren Angestellten bewältigen können, greifen andere auf zusätzliche Mitarbeiter zurück. Personalausfälle, unter anderem wegen Quarantäneanordnungen, führen zu Engpässen.

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«Die temporäre Aufstockung der Pflegeteams stellt sicher, dass das Personal die nötigen Ruhepausen erhält und die Mehrbelastungen durch die Pandemie auch über längere Zeit bewältigen kann», heisst es in der Mitteilung der Stadt Zürich.

«Die temporäre Aufstockung der Pflegeteams stellt sicher, dass das Personal die nötigen Ruhepausen erhält und die Mehrbelastungen durch die Pandemie auch über längere Zeit bewältigen kann», heisst es in der Mitteilung der Stadt Zürich.

Sandra Ardizzone

Mit den in die Höhe geschnellten Coronafallzahlen ist auch der Arbeitsaufwand in Alters- und Pflegezentren angestiegen. Zudem müssen sich vermehrt Pflegerinnen und Pfleger und weiteres Personal in Quarantäne oder Isolation begeben. Um diese Herausforderungen zu meistern, sind Stadtzürcher Alters- und Pflegezentren auf der Suche nach temporären Mitarbeitern, wie die Stadt diese Woche mitteilte. Im Limmattal scheint die Lage etwas entspannter: «Da wir den Aufwand mit unserem Personal bestreiten können, sind wir momentan nicht auf der Suche nach temporären Mitarbeitern», sagt zum Beispiel Susanne Stäuble, Leiterin der Administration im Urdorfer Alterszentrum Weihermatt. Allerdings spüren auch einige Limmattaler Alterszentren die Auswirkungen der Pandemie stärker und haben, teilweise präventiv, ihren Personalbestand ergänzt.

So etwa im Schlieremer Alterszentrum Sandbühl. «Um der aktuellen Situation vorzubeugen und unser Personal nicht zu überlasten, haben wir Pflegemitarbeiter in Teilzeitanstellung gesucht und gefunden», sagt Zentrumsleiter Martin Santschi. «So ist unser Bedarf an Personal abgedeckt, falls sich die Lage weiterhin zuspitzen sollte.» Zudem seien zwei dauerhafte Stellen für Pflegefachpersonen ausgeschrieben worden.

Das Personal nicht zu stark zu überlasten, ist auch ein Ziel der Stadtzürcher Alters- und Pflegezentren: «Die temporäre Aufstockung der Pflegeteams stellt sicher, dass das Personal die nötigen Ruhepausen erhält und die Mehrbelastungen durch die Pandemie auch über längere Zeit bewältigen kann», heisst es in der Mitteilung. Ausserdem könne so die Aufnahmekapazität sichergestellt werden. Die Mitarbeiter der Institutionen sorgen dafür, dass das Leben in möglichst gewohntem Rahmen weitergehe, organisieren und begleiten wo nötig Besuche, führen zahlreiche Gespräche mit Angehörigen und informieren, heisst es. Daher werden in den Alterszentren qualifizierte Pflegefachpersonen und Fachangestellte Gesundheit gesucht. In der Mitteilung schreibt die Stadt Zürich weiter, dass auch das Stadtspital Waid und Triemli zur Unterstützung temporäres Personal in verschiedenen Bereichen sucht, insbesondere diplomierte Pflegefachpersonen sowie Expertinnen und Experten Intensivpflege.

«Zurzeit sind 28 freiwillige Mitarbeiter für uns tätig», sagt Andreas Schlauch, Leiter des Alters- und Gesundheitszentrums Dietikon. «Die grosse Fülle unserer Aktivierungsangebote wie Spielnachmittage, Ausflüge oder der Besuchsdienst wären ohne diese Unterstützung gar nicht möglich und auch nicht bezahlbar.» Da aufgrund der Coronapandemie viele Überstunden beim Kernteam – vor allem dem Pflegepersonal – anfallen, greife man auf einen Pool an Mitarbeitern zurück, die im Stundenlohn angestellt seien. «Zurzeit braucht es aber auch Unterstützung durch Personal aus Temporärbüros, besonders beim Pflegefachpersonal», sagt Schlauch.

Auch der Zivilschutz kann zum Zug kommen

«Auf Vorrat Mitarbeiter zu rekrutieren, finde ich mit den herrschenden arbeitsmarktlichen Voraussetzungen nicht sinnvoll», sagt René Brüggemann, Leiter des Weininger Seniorenzentrums Im Morgen. Auf diese Weise könne man die Verteilung der Arbeitskräfte nicht einem situativen Bedarf anpassen. «Vorzuziehen wäre es, einen übergeordneten Pool zu schaffen, um zeitlich begrenzte Spitzen in Betrieben aufzufangen, in denen die Situation ausser Kontrolle geraten ist», sagt er.

Der Bestand an Mitarbeitern reiche in Weiningen aber für den normalen Betrieb aus, weshalb keine zusätzlichen Arbeitskräfte gesucht werden, sagt Brüggemann. «Wir hätten kaum Arbeit für zusätzliche Angestellte, ausser Corona würde in unserem Betrieb viele der Bewohner und Mitarbeiter infizieren», sagt er. «Sollte das Virus in einen Betrieb getragen werden und eskalieren, würde eine Verstärkung des Pflegeteams um ein oder zwei Personen allerdings auch keinen grossen Unterschied machen», räumt er ein. Bei Bedarf habe das Seniorenzentrum Im Morgen die Möglichkeit, den Zivilschutz aufzubieten, sagt er. Zudem seien Notfallkonzepte vorhanden, um mit einem verminderten Mitarbeiterbestand reduziert Leistungen aufrechterhalten zu können.

Personalausfälle führen zu Engpässen

Auch im Urdorfer Alterszentrum Weihermatt behalte man sich die Hilfe des Zivilschutzes vor, zum Beispiel zur Begleitung von Besuchern, sagt Stäuble. «Mit den Änderungen in den Abläufen aufgrund des Coronavirus leben wir mittlerweile seit Monaten. Da wir noch keine Fälle verzeichnen mussten, haben sich die Schutzmassnahmen für uns nicht gross geändert», sagt sie. Die Eingangskontrolle sei durch das Heimpersonal gewährleistet.

«Der Mehraufwand für die Pflege in Bezug auf Corona hält sich derzeit im Rahmen», sagt Andreas Grieshaber, Leiter des Alterszentrums am Bach in Birmensdorf. Dies aus dem Grund, dass noch keine Bewohner positiv getestet worden seien und die Besuche durch Angehörige auch von den Mitarbeitern der Hotellerie betreut werden. «Personalausfälle wegen Grippe, anderer Krankheiten oder Quarantäneanordnungen führen zwar zu Engpässen, wir müssen aber noch nicht auf temporäre Angestellte zurückgreifen», sagt er. Auf Vorrat seien aber bereits ausgetretene oder pensionierte Mitarbeiterinnen angefragt ­worden.

Anders sieht es bei der Spitex Birmensdorf-Aesch aus, die ebenfalls zum Alterszentrum am Bach gehört: «Die Leistungsnachfrage ist wegen kurzfristiger Spitalaustritte und eines Mehrbedarfs an Leistungen auf 120 Prozent gestiegen», sagt Grieshaber. Deshalb habe die Spitex Stellen ausgeschrieben und auch Mitarbeiterinnen gefunden.

Im Uitiker Pflegezentrum Im Spilhöfler stehe genug Personal für die Bewältigung des Aufwands zur Verfügung und sei man deshalb nicht auf der Suche nach temporären Mitarbeitern. «Unsere Angestellten reichen zum Glück gut aus», sagt Eva-Maria Meier, Leiterin Pflege und Betreuung. «Dies ist der aktuelle Stand im Pflegezentrum und wir wissen natürlich nicht, wie sich die Situation weiterentwickelt. Wir sind aber vorbereitet, auch schwierige Situationen zu bewältigen.»