Dietikon
Limmattalbahn-Gegner kandidiert: Schmidt will als Stadtpräsident das Wachstum beenden

Stoppt die Strassenbahnen, das Niderfeld und die Verdichtung – das will der neue Kandidat fürs Stadtpräsidium, Bernhard Schmidt.

David Egger
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Kiwic, Schmidt und Bachmann - Wer wird Dietiker Stadtpräsident?

Kiwic, Schmidt und Bachmann - Wer wird Dietiker Stadtpräsident?

AZ

Der parteilose Bernhard Schmidt hat gestern gegenüber der Limmattaler Zeitung seine Kandidatur als Dietiker Stadtrat und -präsident verkündet. Bekannt ist der 52-Jährige als Präsident des Komitees «Stoppt die Limmattalbahn – ab Schlieren».

Dieses hat im Juli eine kantonale Volksinitiative gegen die Limmattalbahn-Strecke zwischen den Bahnhöfen Schlieren und Spreitenbach eingereicht. Zudem trat der Ex-Lehrer Schmidt in den Jahren 2014, 2015 und 2016 zu Ersatzwahlen für die Dietiker Schulpflege an. Im dritten Anlauf klappte es: Seit Juni 2016 ist er Schulpfleger. Beruflich ist er seit 2011 als Leiter der Stadtzürcher Schule Grünau in Altstetten tätig.

Jetzt wird klar: Schmidt ist aus Prinzip gegen die aktuelle Entwicklung von Dietikon, der mit 27 000 Einwohnern fünftgrössten Stadt im Kanton. Er peilt den radikalen Kurswechsel an. «Wachstum ist nicht weiter die Lösung, sondern das Problem. Dieses Wachstum stiehlt uns unsere Gegenwart und Zukunft», heisst es im Positionspapier des Wachstumskritikers, der selber sechs Kinder hat.

So sieht das Anti-Programm aus

Seine sechs Ziele, auf die er einen Fokus legen will, lauten: keine Limmattalbahn, kein Doppelspurausbau der Bremgarten-Dietikon-Bahn, keine weiteren Hochhäuser, keine Verdichtung, keine weitere Verschuldung und einen absoluten Planungsstopp im Dietiker Niderfeld, wo die derzeitige Planung einen neuen Stadtteil vorsieht, der 2000 Einwohner und 3000 Arbeitsplätze bringen soll. «Ja, mein Positionspapier ist ein Anti-Wachstums-Programm», sagt Schmidt.

Er hat auch positiv formulierte Ziele. «Zuletzt sahen wir immer wieder, wie die Behörden die Bevölkerung nicht mehr ernst nehmen. Es gibt eine grosse Entfremdung, die von beiden Seiten mitverursacht wurde», sagt Schmidt. Er wolle erreichen, dass Behörden und Bevölkerung wieder konstruktiv zusammenarbeiten. Dafür müsse sich auch die Bevölkerung in Planungsfragen wieder stärker einbringen. «Dietikon und das ganze Limmattal haben das dringend nötig», sagt Schmidt.

Kritik am Wirtschaftssystem

Dazu gehöre auch, dass man sich keine von der Stadt Zürich ausgehenden Entwicklungen aufdiktieren lassen soll. Schmidt will, dass Dietikon die «Selbstbestimmung zurückgewinnt», weil nur diese Zufriedenheit bringe. Bei vielen Planungsfragen heisse es immer wieder, das Wachstum käme sowieso und man könne nichts dagegen unternehmen. «Das sehe ich anders. Die Agglomeration darf nicht mehr länger bevormundet werden», sagt Schmidt.

Beim Niderfeld müsse man zurück auf Feld eins und sich ganz bewusst überlegen, was Dietikon auf dem Niderfeld wirklich etwas bringen würde: «Ich weiss heute nicht, was uns der Stadtteil Limmatfeld gebracht hat, ausser mehr Verkehr.» Seine Kritik geht noch tiefer: «In unserem Wirtschaftssystem wäre ohne Verschuldung kein Wachstum möglich. Dieses System hat keine Zukunft. Es braucht neue Konzepte, die bisher erst in kleinen Kommunen ausprobiert wurden.»

Ein Linker ist er aber nicht: Die seien genauso auf das Wachstum angewiesen, um die Sozialwerke zu alimentieren, schrieb Schmidt 2015 in einem Leserbrief. Auch rechts und in der Mitte ist er nicht zuhause: Bei der Wahl 2014 stellte er fünf bürgerliche Kandidaten als unwählbar hin. Wo verortet er sich selbst? «Ich bin ein Sachpolitiker, dem Unabhängigkeit, Umweltschutz und das Wohl aller Menschen und zukünftigen Generationen am Herzen liegt», sagt Schmidt. Zu den Grünen passe er aber nicht, da diese bei den erneuerbaren Energien genauso auf Wachstum zählen würden wie alle anderen.

Steigt auch Romer in den Ring?

Schmidts Konkurrenz fürs Stadtpräsidium besteht bisher aus Roger Bachmann (SVP) und Anton Kiwic (SP). Für die sieben Stadtratssitze gibt es bisher zehn Kandidaten und keine Kandidatin. Davon sind vier Kandidaten bisherige Stadträte. Die SVP hat drei Kandidaten portiert, die CVP zwei und die SP, die FDP, die Grünen und die EVP je einen.

Womöglich hat das Volk aber eine noch grössere Auswahl: So trat Martin Romer letzte Woche aus der FDP aus, nachdem sie ihn nicht als Stadtratskandidat nominierte. Es wäre keine Überraschung, wenn er als Parteiloser antritt. Wahltag ist der 4. März 2018.