Limmatschwimmen

Limmatschwimmen: Tickets teurer als das Madonna-Konzert

Die Popularität des Plauschanlasses ist sprunghaft gestiegen.Archiv/mts

Die Popularität des Plauschanlasses ist sprunghaft gestiegen.Archiv/mts

Der Preis fürs Madonna-Konzert fiel unter jenen fürs Limmatschwimmen. Das liegt nicht nur am Kurszerfall der alternden Popkönigin, die am Samstag auftritt. Die Nachfrage nach dem Limmatschwimmen war riesig, aber nur 4200 dürfen mitmachen.

Der Preis für Tickets fürs Madonna-Konzert fiel gestern Nachmittag um 15 Uhr unter jenen fürs Limmatschwimmen. Das liegt nicht nur am Kurszerfall der alternden Popkönigin, die am Samstag im nicht ausverkauften Letzigrund auftritt.

Es liegt mindestens so sehr an der sprunghaft gestiegenen Popularität des Plauschanlasses auf dem Fluss, der gleichentags stattfindet. Nur einmal pro Jahr ist es erlaubt, sich von der Quaibrücke in die Letten-Badi treiben zu lassen. Das ist manchen bis zu 50 Franken wert – fast das Dreifache des regulären Preises.

Die Organisatoren des Limmatschwimmens sind vom eigenen Erfolg kalt erwischt worden. Als sie am Dienstag positiven Wetterbericht erhalten hatten, entschieden sie sich, den Vorverkauf wie gewohnt zu öffnen. Sie erwarteten aufgrund früherer Erfahrungen, dass die Nachfrage nur langsam anziehen würde. Aber diesmal kam alles anders: Schon am Nachmittag war die Hälfte der 4200 Tickets weg, und 24 Stunden später ging das letzte über den Tisch. «So etwas haben wir in all den Jahren noch nie erlebt», sagt Peter Deul vom Schwimmverein Zürileu, der Chef des Organisationskomitees.

Rätseln über die Gründe

Über die Gründe kann er nur spekulieren. Vielleicht liege es ja an den hervorragenden Wetteraussichten: strahlender Sonnenschein, 32 Grad an der Luft, 23 Grad im Wasser und keine starke Strömung, die einen gegen die Brückenpfeiler schlagen könnte. Das war in der Vergangenheit nicht immer so: Das Limmatschwimmen musste regelmässig abgeblasen werden.

Der Anlass zieht laut Deul nicht nur Teilnehmer aus der ganzen Schweiz an, sondern auch solche aus den Nachbarländern und sogar aus Übersee. Er ahnt, dass nun einige unglücklich sind, die dieses Jahr zu spät kamen.

Nachfrage kommt von überall her

Die Einträge in den Online-Börsen geben ihm recht: Die kleinen Dramen reichen von Deutschen, die extra angereist sind und nun mit leeren Händen dastehen, über Kinder mit Krokodilstränen in den Augen bis zu Frauen, die ihren halben Hausrat für ein Ticket hergeben wollen. Trotz allem bleiben die Organisatoren hart: Mehr als 4200 Personen können sie laut Deul nicht in die Limmat springen lassen. Grund sei das auf viereinhalb Stunden beschränkte Zeitfenster, während dem der Schiffsverkehr ruhe.

Auf der 2 Kilometer langen Strecke wird es zwar nie eng, wohl aber an den Ausstiegsstellen. Dort hat es in der Vergangenheit auch unter den gegebenen Beschränkungen schon lange Wartezeiten gegeben. Teilnehmer beschwerten sich unter anderem über ein Durcheinander und lange Schlangen bei der Kleiderrückgabe.

Zu einem Gerangel an den Ausstiegen könnte es kommen, falls sich dieses Jahr zu viele Leute ohne Ticket unter die Schwimmer mischen würden. Solche Trittbrettfahrer gibt es laut Deul immer. Das lasse sich kaum verhindern, obwohl die Polizei auf dem Fluss Präsenz markiert. Nulltoleranz gilt dagegen auf den Brücken: Dort sorgen Helfer dafür, dass niemand im Übermut ins Wasser springt und damit andere gefährdet.

Gegen einen zweiten Termin

Obwohl der Schwimmverein Zürileu dieses Jahr vermutlich auch die doppelte Anzahl Tickets losgeworden wäre, sieht er keinen Anlass, das Limmatschwimmen künftig auf zwei oder mehr Termine auszuweiten. «Einmal pro Jahr ist genug», sagt Deul und verweist auf den Aufwand, den seine Leute in freiwilliger Arbeit bewältigen.

Auch die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft bekundet wenig Interesse, den Fluss vermehrt den Schwimmern zu überlassen. Sie sei dazu verpflichtet, die Kurse der Limmatschiffe einzuhalten, heisst es auf Anfrage. Ähnlich ablehnend tönt es bei der Wasserschutzpolizei.

Wer illegal geht, zahlt 80 Franken

Diese Haltung könnte im Extremfall allerdings unerwünschte Nebenwirkungen zeitigen. Wenn sich nämlich das Missverhältnis von Angebot und Nachfrage auch in kommenden Jahren verschärfen sollte und die Preise fürs Limmatschwimmen auf dem Schwarzmarkt weiter steigen, könnten sie dereinst eine kritische Marke erreichen: 80 Franken – das ist die Höhe der Busse, mit der laut Stadtrichteramt rechnen muss, wer an einem der übrigen 364 Tage des Jahres ohne Erlaubnis in den Fluss springt. Ein Verhalten, dass sich ab diesem Moment finanziell auszahlen würde.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1