«Die meisten unserer Kinder wachsen in einer völlig kinderfeindlichen Umgebung auf», fällt Linard Bardill, zu Beginn seines Programms mit der Tür ins Haus. In seinem Bühnenprogramm «Verlust und Rückeroberung der Kindheit» erzählt und singt der Barde aus dem Bündnerland Geschichten aus dem Leben, meist aus der Perspektive eines Kindes.

Funktioniert der wohl bekannteste Kinderliedermacher der Schweiz auch vor einem erwachsenen Publikum? «Das müssen Sie die Erwachsenen selbst fragen. Ich glaube, dass ich ihnen etwas zu erzählen habe und dass sie auch zuhören», antwortet der ehemalige Theologieabsolvent mit der Abgeklärtheit des echten Bühnenprofis.

Freiräume erkämpfen

In der Schweiz bekannt ist Linard Bardill für seine Kinderlieder. Die Platten «Mis Zauberbett heisst Bernadett» und «nid so schnell Wilhelm Tell» verkaufen sich wie die sprichwörtlichen warmen Weggli. Eher unbekannt sind die Erwachsenenprogramme von Linard Bardill. Obwohl er schon seit Beginn seiner Karriere immer auf beiden Geleisen parallel fuhr, ist er für viele nur bekannt als der Kinderliedermacher aus Graubünden. Damit tut man dem mittlerweile 56-Jährigen unrecht.

Linard Bardill ist von dem, was er auf der Bühne erzählt, hundertprozentig überzeugt. Sein Thema sind Kinder und vor allem deren Entwicklung. Er erzählt von Erfahrungen mit seinen eigenen Kindern, von Beobachtungen und von seinen Rückschlüssen daraus. «Kinder brauchen mehr Anarchie», ist eine der Lösungsvorschläge von Linard Bardill. Die meisten Kinder wüchsen heute ohne Natur, ohne Fantasie und teilweise völlig überbehütet auf. «Kinder brauchen Räume, die sie sich erkämpfen müssen und in denen sie sich behaupten sollen. Wie gesagt, mehr Anarchie für unseren Nachwuchs», meint der Liedermacher und Geschichtenerzähler.

«Ich kannte Linard Bardill schon von einem anderen Erwachsenen-Konzert», erzählt Konzertbesucher Matthias Arn aus Geroldswil. Dem Jugendarbeiter gefiel vor allem die Mischung aus tiefsinnigen Texten und humorvollen Kinderliedern. «In meiner Arbeit als Jugendarbeiter erkenne ich viel von dem, was Linard Bardill auf der Bühne erzählt, wieder.» Er werde heute Abend nach Hause gehen und ein bisschen mehr über sich, seinen Beruf mit den Jugendlichen und das Leben ganz allgemein nachdenken, meint der Geroldswiler lachend.

«Wir sind zufrieden»

Organisiert hat das Konzert die Elternbindung rechtes Limmattal und somit auch Nancy Bänziger, die Mitglied des Vorstandes ist. «Wir sind über eine Veranstaltung im Aargau auf das Erwachsenenprogramm von Linard Bardill aufmerksam geworden», erzählt sie. Vorher hätten sie alle von der Elternbildung Linard Bardill nur als Kinderliedermacher gekannt. «Ich bin aber mehr als nur positiv überrascht. Linard Bardill macht das sehr gut. Wir sind zufrieden», meint Nancy Bänziger schmunzelnd.