Scriptum
Letzte Buchhandlung im Limmattal: Hier liest es sich wie zu Hause

Scriptum, die letzte Buchhandlung im Limmattal, zieht um und wird eine Wohnbuchhandlung – die erste ihrer Art in der Schweiz.

Kevin Capellini
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Schmökern gerne in neuen Büchern: Katja Jeggli, Inhaberin Corinne Frischknecht und Alessandra Barzotto.

Schmökern gerne in neuen Büchern: Katja Jeggli, Inhaberin Corinne Frischknecht und Alessandra Barzotto.

Kevin Capellini

Seit knapp drei Jahren ist die Dietiker Buchhandlung Scriptum die letzte verbleibende ihrer Art im gesamten Limmattal. Als eine Bastion der Literatur hält sie die Stellung und erfindet sich nun, nach fast 30 Jahren, nochmals neu. Denn am 20. Januar heisst es Lichterlöschen im bisherigen Geschäft, der Umzug auf die andere Strassenseite steht bevor. Dort, an der Schöneggstrasse 23, betreten Inhaberin Corinne Frischknecht und ihr Team Neuland. Sie eröffnen eine Wohnbuchhandlung, in der es nicht nur Bücher zu kaufen gibt. Und mit diesem Konzept eröffnen sie das erste Buchhaus der Schweiz.

«Im bisherigen Geschäft hatten wir einfach zu wenig Platz, hier können wir uns entfalten, ein grösseres Sortiment anbieten und somit auch unsere Zukunft sichern», sagt Frischknecht. Im neuen Geschäft, einer ehemaligen Wohnung, plant das Team rund um Frischknecht den Aufbau einer Wohnbuchhandlung. «In den verschiedenen Räumen der Wohnung haben wir Bücher, die jeweils zum Thema des Raums passen», sagt Verkaufsangestellte Alessandra Barzotto.

Viel Zeit und ein Kaffee

So gebe es ein Kinderzimmer, indem Kinderliteratur steht, ein Büro mit Lexika, Wörterbüchern und Reiseführern sowie ein Lesezimmer. «Dieses ist das Herzstück unseres Ladens und beherbergt die ganze Belletristik», so Frischknecht. Zudem würden sie auch versuchen, neue Artikel aus anderen Bereichen wie spezielle Gewürze, verschiedene Teesorten und erlesene Öle in das Sortiment aufzunehmen. «Wir möchten hier auch eine Lücke schliessen, indem wir einige Spezialitäten und hochwertige Geschenkartikel anbieten.» Auf etwas sind die Damen bei der Führung durch ihren neuen Laden besonders stolz: Das Wohn- und Esszimmer, das den Namen «Büchercafé» trägt.

«Es wird immer schwieriger aber wir glauben, das wir es schaffen. Wir sind vom Buch überzeugt, es ist unsere Passion, unser Leben.»

Corinne Frischknecht, Inhaberin Scriptum

Dort finden sich nicht nur Kochbücher und Literatur zu Haus und Garten, sondern auch eine gemütliche Couch und Stühle sowie ein langer Esstisch, an dem die Kunden bei einem Kaffee mit ihrem neuen Buch verweilen können. «Wir möchten, dass unsere Besucher Zeit haben, wenn sie zu uns kommen, und das wohnliche Ambiente bei uns geniessen können», sagt Frischknecht. Natürlich stünden die Türen aber auch jenen Leuten offen, die kein Buch kaufen möchten. «Bei uns kann man auch nur einen Kaffee trinken und ein Stück Kuchen essen, wie man das eben in einem normalen Kaffee auch macht. Bei uns liegen einfach noch zusätzlich Bücher zur Inspiration auf.»

Frischknecht denkt mit ihrem Team voraus und versucht, sich mit anderen Standbeinen besser zu verankern. «Vielen – gerade grösseren – Buchhandlungen läuft es heute nicht mehr optimal. Das Geschäft wird immer schwieriger, aber wir glauben, dass wir es schaffen. Wir sind vom Buch überzeugt, es ist unsere Passion, unser Leben.»

«Kleinere Buchhandlungen haben mehr Möglichkeiten, sich anzupassen und auf Entwicklungen einzugehen. Wir können zuversichtlich in die Zukunft blicken.»

Alessandra Barzotto, Verkaufsangestellte

So sei es zwingend notwendig, sich andere Optionen zu überlegen, wie man ein Buchhaus wieder attraktiver machen könne, sagt Frischknecht. «Dies versuchen wir mit dem Büchercafé, Spezialitäten und Geschenkartikeln.» Dass dieser neue Weg richtig ist, findet auch Mitarbeiterin Angela Barzotto: «Kleinere Buchhandlungen haben mehr Möglichkeiten, sich anzupassen und auf Entwicklungen einzugehen, als dies bei Grosshändlern der Fall ist. Wir können zuversichtlich in die Zukunft blicken.»