Dietikon
Leo Wundergut & die Jet Set Singers sorgen für Satire und exzellente Musik

Leo Wundergut & die Jet Set Singers boten Musik-Comedy vom Feinsten. DasPublikum im Kirchgemeindehaus Dietikon hörte sich drei verschiedene Versionen des «Ave Maria» an.

Konrad Stähelin
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Grosser Klamauk (v.l.): Benedetto Rubini, Leo Wundergut und Ernst Müller-Thurgau.

Grosser Klamauk (v.l.): Benedetto Rubini, Leo Wundergut und Ernst Müller-Thurgau.

Gänsehaut macht sich erst zum Ende breit. Die drei Sänger bieten als Supplement «Nessun Dorma», in der Luft liegt der Geruch des gerade erloschenen Feuerwerks. Danach ist endgültig Schluss. Alle klatschen heftig. Eine Frau erhebt sich sogar zur Ovation.

Christoph Blocher fehlte

150 Personen kamen am Mittwochabend ins Kirchgemeindehaus in Dietikon, um den national bekannten Künstler samt Entourage zu sehen: «Leo Wundergut & Jetset Singers». Die Anwesenden sollten ihr Kommen nicht bereuen.

Weisser Massanzug, Hornbrille, die Haare nach hinten gekämmt: Christian Jenny alias Leo Wundergut («Kein Schwein steckt mich an») haut schon optisch auf den Putz. Die Mitstreiter des Tenors: Der deutsche Bariton Ernst Müller-Thurgau, wenig gewandt und genau deswegen sympathisch. Und der Italiener Benedetto Rubini, Tenor. Ein dunkler Lockenkopf mit Dauergrinsen. Ein Pianist und ein Bassist untermalen den Gesang der drei. Die beiden Musiker nennen sich «Staatsorchester».

Wundergut moderiert zwei Stunden Klamauk in einem viertelstündigen Monolog an. «Auf der Gästeliste der ferngebliebenen VIPs: Christoph Blocher. Der konnte nicht kommen, weil er seine Socken wieder einräumen muss.» Weiter, dass seine Darbietungen an Beerdigungen besonders beliebt seien. Ein paar weitere Mätzchen. Einige sehr komisch, andere weniger. Dann endlich die Musik.

Erst der zweite Auftritt

Die ist hervorragend. Sinatras «My Way», drei verschiedene Versionen von «Ave Maria», «Vielen Dank für die Blumen». Wundergut nennt es sein Beerdigungs-Repertoire. Doch wer will solche Einlagen an einem Begräbnis? Sie sind viel zu humoristisch, wild, laut, abgedreht.

Wundergut und seine Jetset Singers sind seit zwölf Tagen auf Tournee, der Auftritt in Dietikon ist erst ihr zweiter. Bariton Müller-Thurgau litt an einer Kehlkopf-Entzündung, deswegen mussten Auftritte abgesagt werden. Immerhin, das Konzert in Aarau wird am 31. Mai nachgeholt.

Keine Struktur – und das ist gut so

Nach den Beerdigungs-Einlagen werden längst vergessene Perlen entstaubt. Es sind Interpretationen von «Yesterday» (Beatles), «Stayin’ Alive» (Bee Gees) oder «That’s Amore» (Dean Martin). Zwischen der Musik lassen die Sänger mal den Bassisten für ein Solo an den Bühnenrand treten. Mal schauspielern sie einen Sketch: Ein Italiener, ein Schweizer und ein Deutscher im EU-Parlament. Aber: Politisch ist anders, die Show ist Satire und Demonstration exzellenter Musik.