Der 15-jährige Emis möchte im Sommer eine Lehre als Detailhandelsfachmann beginnen. Die passende Lehrstelle hat er allerdings noch nicht. Mutig steht er im reformierten Kirchgemeindehaus Dietikon. Er ist einer von rund 150 Oberstufenschülern, die gestern Nachmittag am Lehrstellenmarkt der Bezirke Dietikon und Affoltern ihr Glück versuchen. Die Vorstellungsgespräche liegen noch vor ihm. «Ich freue mich auf schöne Gespräche», sagt er selbstbewusst. Dass er eine Lehre im Detailhandel machen will, weiss er schon länger. Denn: Ihm gefällt der Kundenkontakt.

Sami (15) hat sein Gespräch bereits hinter sich und ist erleichtert, dass er sein Tagesziel erreicht hat: Er bekam die Zusage für eine Schnupperlehre als Elektroinstallateur. «Mathematik hat mir immer Spass gemacht in der Schule. Darauf haben sie grossen Wert gelegt», sagt er.

15-minütige Vorstellungsgespräche

Ein Vorstellungsgespräch dauert an diesem Nachmittag rund 15 Minuten. Projektleiter Markus Eggler von der Berufsberatung biz Urdorf, dem Organisator des Anlasses, spricht von «Speeddatings». Dabei gehe es darum, dass sich die Jugendlichen und die Arbeitgeber gegenseitig kennenlernen. Er beobachtet dass das Interesse am Lehrstellenmarkt dieses Jahr sehr gross sei. «Die Jugendlichen machen einen gut vorbereiteten Eindruck», sagt er.

Dafür hat unter anderem Berufsintegrations-Experte Josef Müller gesorgt. Er bereitete Schüler aus drei Schulhäusern auf den Lehrstellenmarkt vort. Für ihn ist es wichtig, den Schülern zu zeigen, wie wertvoll sie für den Betrieb sind. Im Vorfeld hat er mit ihnen einige Vorstellungsgespräche durchgespielt. Müller ist vor Ort, um Jugendliche auch auf weniger gut bekannte Lehren hinzuweisen.

Noten massgebend

Arbeitgeber Rolf Hausmann von HR Technics ist zum zweiten Mal mit von der Partie und hat einen besonderen Gast mitgebracht: Leandro war vor einem Jahr in derselben Situation wie die Schüler, die sich nun als Elektroinstallateur bewerben. Der 16-Jährige hat das erste Jahr der Lehre erfolgreich hinter sich gebracht. «Ich bin hier, um das Eis zu brechen und den Bewerbern zu erzählen, wie es bei uns im Betrieb so zu und her geht», sagt er. Hausmann wird an diesem Tag etwa vier Gespräche führen. Er sagt er schaue schon auch auf das Auftreten. Für ihn seien aber die Mathematiknoten massgebend.

Auch Michele (15) erzählt, dass sich der Arbeitgeber im Gespräch vor allem für seine Noten interessiert habe. Er habe schon viele Bewerbungen verschickt und sieht den Lehrstellenmarkt als gute Gelegenheit, eine seiner Traumlehren in Angriff nehmen zu können: Logistiker, Automobil-Fachmann oder Detailhandelsfachmann. «Aber die drei Lehren sind halt sehr beliebt», sagt er. Nun hofft er auf eine Zusage.