Am 4. März stimmt der Kanton Zürich darüber ab, ob neu der Kantonsrat selbst den Lehrplan der Zürcher Volksschule in Kraft setzt. Heute tut das der neunköpfige, vom Kantonsrat gewählte Bildungsrat. So auch 2015, als dieser die Einführung des Lehrplans 21 vom Kindergarten bis zur fünften Primarschulklasse per Schuljahr 2018/2019 beschloss. Die sechste Klasse und die Sekundarschule ziehen 2019/2020 nach. Der Lehrplan 21 wird den 1991 eingeführten Volksschullehrplan ablösen.

Der grosse Wechsel wird viele Veränderungen mit sich bringen. Aber einiges bleibt auch gleich, versichert die Urdorfer Schulpflegerin Theres Seiler Brühwiler (EVP): «Die Beziehung zwischen Schülern und Lehrern ist auch künftig das A und O für gutes Lernen.» Eine der grössten Änderungen sind die neuen Fächer: Zum einen das Fach Berufliche Orientierung ab der achten Klasse, zum anderen das Fach Medien und Informatik ab der fünften Klasse. Vor allem Letzteres interessiert viele Eltern.

Bis zur sechsten Klasse vorbereitet

Die Umsetzung des Lehrplans 21 in Urdorf bis zur sechsten Klasse ist schon vorbereitet: An der Lektionenverteilung gibt es nur leichte Anpassungen. Die grosse Änderung besteht darin, dass im Unterricht neu das kompetenzorientierte statt das wissensorientierte Lernen im Vordergrund steht.

Alle Urdorfer Lehrkräfte, die in diesem Bereich unterrichten, haben schon entsprechende Weiterbildungen besucht oder besuchen sie noch bis zum Sommer.

Betreuungsdichte nimmt zu

So weit die Kindergarten- und Primarstufe. Inzwischen ist auch konkret, wie der Lehrplan 21 in Urdorf an der Sekundarschule umgesetzt werden soll: Die Schule setzt auf das sogenannte Lernlandschaften-Modell. Lernlandschaften sind grössere Räume, in denen jeder Schüler einen eigenen Arbeitsplatz hat, an dem er selbstständig lernt. Dabei stehen zwei Lehrkräfte unterstützend zur Verfügung. Sie führen auch persönliche Coaching-Gespräche, in denen das Lernverhalten und der Lernerfolg besprochen und neue Ziele gesetzt werden. So wird die Betreuungsdichte zunehmen, verspricht Seiler Brühwiler, die in der Schulpflege unter anderem für die Sekundarschule respektive das Schulhaus Moosmatt zuständig ist.

Dass mindestens zwei Lehrpersonen vor Ort sind, hat auch weitere Vorteile: «In den Lernlandschaften wird das Vier-Augen-Prinzip gelebt. Die Lehrpersonen können so die täglichen Herausforderungen gemeinsam angehen und sich wenn nötig ganz unkompliziert Unterstützung holen.»

Das Lernen in den Lernlandschaften wird zu Beginn der Sekundarschulzeit mindestens sechs Lektionen ausmachen, gegen Ende der Schulzeit sind es bis zu zehn. Im grösseren Rest der Zeit findet weiterhin der gewohnte Unterricht statt, in dem die Lehrer Wissen und Aufgabenstellungen vermitteln, auf deren Grundlage das selbstständige Lernen überhaupt erst möglich ist.

Eine halbe Million Franken

Mit dem neuen Modell werde auch besser auf schwächere Schüler und Hochbegabte Rücksicht genommen werden können, sagt Seiler Brühwiler. Damit das alles möglich ist, braucht es aber im Schulhaus Moosmatt auch räumliche Veränderungen. Das Bauprojekt, das die Schulpflege an der Sommer-Schulgemeindeversammlung zur Abstimmung bringen will, kostet rund eine halbe Million Franken. Insbesondere sollen einige Wände entfernt werden, um überhaupt genug grosse Räume zur Erstellung der sechs Lernlandschaften zu haben. «Dies wird aber nicht zu einer Abstimmung für oder gegen das Lernlandschaften-Modell», sagt Seiler Brühwiler.

Der Grund: Das Volksschulgesetz garantiert den Lehrern Methodenfreiheit. «Wir als Schulpflege haben das Lernlandschaften-Modell nicht diktiert. Die Lehrkräfte haben Schulen in Wädenswil und Herisau besucht, die das Modell bereits heute umsetzen. Und sie kamen begeistert zurück», erklärt Seiler Brühwiler. Sie macht aber kein Geheimnis daraus, dass auch sie das neue Modell befürwortet. «Ich sehe, wie die Lehrpersonen motiviert sind und wie sie mit neuem Schwung die Team- und Unterrichtsentwicklung angehen, um optimale Bedingungen zu schaffen», sagt Seiler Brühwiler.

Die Schule will auch den Eltern zeigen, wieso sich was ändert. Am Infoabend am 6. Februar um 19.30 Uhr im Singsaal Moosmatt wird Harry Koch referieren. Er ist an der Pädagogischen Hochschule Zürich Projektleiter für kompetenzorientiertes Lernen und den Lehrplan 21. Danach können die Eltern mit Urdorfern Kindergarten-, Primarschul- und Sekundarschulleitern diskutieren. Seiler Brühwiler moderiert den Abend.