Es gab eine Zeit, da waren Foodstände primär nette und praktische Ergänzungen an Festivals. Man verpflegte sich dort, wenn der Magen knurrte und auf den Bühnen gerade nichts Spannendes los war. Mit dem 1980 gegründeten Zürcher Theaterspektakel begann diese Rollenverteilung zu kippen: Das Zusammensitzen bei Speis und Trank aus aller Welt am Seeufer ist dort mindestens gleich wichtig wie die Theaterstücke und Gaukler-Shows.

In den letzten Jahren hat die Bedeutung des Essens an Festivals nun weiter zugenommen. Und so kommt es, dass gestern in Zürich gleich zwei Festivals begonnen haben, bei denen Essen und Trinken die Hauptsache ist: Das Street Food Festival auf der Stadionbrache Hardturm – und das auf die ganze Stadt verteilte Festival Food Zurich, dessen Zentrum sich auf dem Europaplatz beim Hauptbahnhof befindet. Das Zürcher Street Food Festival fand erstmals 2014 statt. Ähnliche Festivals haben sich in den letzten Jahren landauf, landab im kleineren und grossen Stil ausgebreitet. Jetzt haben etwa auch Aarau, Baden, Basel, Bern, Bellinzona, Biel, Lausanne, Langenthal, Lugano, Luzern, Olten, St. Gallen und Thun ihr Street Food Festival.

Food Zurich ist etwas jünger: Es wurde 2016 von Zürich Tourismus und der Gastro- und Hotelbranche lanciert. Letztes Jahr lockte es 75'000 Besucherinnen und Besucher an. An der diesjährigen Ausgabe sind über 400 Gastronomen und Kleinproduzenten beteiligt.

Essen als Lifestyle-Element

Der Erfolg solcher Food-Festivals zeigt: Essen ist für viele zu einem prägenden, teilweise identitätsstiftenden Lifestyle-Element geworden – und der Satz «Du bist, was du isst» zu einem geflügelten Wort mit vielschichtiger Bedeutung.

Eine dieser Bedeutungen lautet: Essen dient nicht nur der Nahrungsaufnahme. Es soll auch Spass machen. Davon zeugen die Street Food Festivals, bei denen man auch mit der Hand isst und strenge Tischmanieren eher nebensächlich sind.

Essen, wie es gegenwärtig an Festivals zelebriert wird, widerspiegelt ferner die Globalisierung. So bieten die Foodstände auf der Stadionbrache im Umkreis von 50 Metern die Wahl zwischen authentisch griechischem Essen, tibetischen gedämpften Teigwaren und Kumar Indian Food, um nur einige Angebote zu zitieren.

Das Trinken wird ebenfalls als Statement vermarktet: Natürlich gibts im grossen Zelt des Street Food Festivals eine Bar, an der das In-Getränk Gin in allen Varianten angeboten wird. Und gleich nebenan steht die Bierbar; hier gibts selbstverständlich nicht einfach Gerstensaft, sondern Craft Beer von Nah und Fern.

Selbermachen ist gefragt

Auch das Selbermachen steht hoch im Kurs. Das zeigt ein Blick ins Programm des auf 140 dezentrale Anlässe verteilten Festivals Food Zurich: Kurse, an denen man lernt, unter sachkundiger Anleitung Pasta herzustellen, waren rasch ausverkauft; ebenso der heutige Anlass, bei dem Kochbuch-Autorin Lauren Wildbolz mit ihrem Team zeigt, wie sie ein zehngängiges veganes Menu zubereitet. Auch der Salatsaucen-Mixkurs und der Macarons-Workshop morgen Samstag sind bereits ausverkauft.

Doch keine Angst, mit dem nötigen Kleingeld bleiben noch genug Gelegenheiten, um die Festival-Angebote auszukosten: Food Zurich dauert bis zum 26. Mai, das Street Food Festival gar einen ganzen Monat bis 16. Juni.