Nachdem das Zusammenarbeitsprojekt der Kehrichtverwertungsanlagen (KVA) von Dietikon, Buchs und Turgi gestorben ist, stellt sich noch die Frage, wieso sich der Dietiker Stadtrat gegen die Variante einer grossen gemeinsamen KVA in Dietikon ausgesprochen hat, die 200 000 Tonnen Kehricht jährlich verwertet hätte. Der Stadtrat hatte sich zwar auf den Richtplan berufen, der eine so grosse Anlage gar nicht vorsieht, sondern nur eine solche für 160 000 Tonnen. Aber der Richtplan ist jeweils nicht in Stein gemeisselt.

Zog es denn der Dietiker Stadtrat nicht in Betracht, beim Kanton eine Änderung des Richtplans anzuregen? «Das war zu keinem Zeitpunkt eine Option. Die Anlage muss regionsverträglich sein», sagte dazu Stadtpräsident Otto Müller (FDP) gestern. Auch das mögliche Wachstum im Limmattal werde keine Anlage in der Grösse von 200 000 Tonnen pro Jahr erfordern. «Der Kanton macht die Gesamtplanung und bestimmt die Kontingente der Verbrennung und weist diese den einzelnen Anlagen zu.

Grossanlage unerwünscht

Der Stadtrat hat sich mit dem Kanton zusammen gegen eine Grossanlage ausgesprochen», so Müller. Dietikon war nicht allein: Auch alle anderen angefragten Gemeinden wollten keine Grossanlage bei sich. Limeco-Geschäftsführer Patrik Feusi bedauert zwar den daraus folgenden Abbruch des Zusammenarbeitsprojekts.

Aber er sieht auch viel Positives in der Position des Stadtrats. Zu den 160 000 Tonnen im Richtplan sagt er: «Das ist die kleinste Grösse, mit der wir eine gute wirtschaftliche Zukunft planen können.» Daher freut es ihn, dass sich der Stadtrat hinter diese Zahl und die kantonale Planung stellt – ist doch diese Zahl die Jahreskapazität der neuen Dietiker KVA, die etwa 2030 die heutige KVA ersetzen soll. Sie ist auf dem heutigen Coop-Areal nebenan geplant (unter dem Vorbehalt, dass der Souverän dem Areal-Kauf zustimmt).

«Auf Generationen hinaus»

Aber was ist, wenn in weiter Zukunft dennoch eine noch grössere KVA nötig werden sollte, falls das Limmattal und die anderen Zulieferergemeinden der Dietiker KVA derart wachsen würden? Würde das Coop-Areal für einen weiteren Ausbau taugen? Dazu Feusi: «Das Areal wäre dafür genug gross. Wir verfolgen das Ziel, die Infrastrukturherausforderung auf Generationen hinaus zu lösen. Ich setze mich immer dafür ein, weit zu denken.»

Bester Beweis: Von Anfang an hat die Limeco auch den Alleingang ohne die Aargauer KVA als Option weitergeplant. Nun gilt es, den Kauf des Coop-Areals weiter voranzutreiben. Im Mai hat das Kontrollorgan der Limeco den Landkauf verabschiedet.

Abstimmungskampagne im April

Ab jetzt geht die Vorlage – also die erläuternden Berichte dazu – gestaffelt an die Exekutiven der Trägergemeinden. Danach folgen Parlamente und Rechnungsprüfungskommissionen. Die Abstimmungskampagne dürfte im April starten. Das Volk kann dann am 10. Juni den Startschuss für die KVA der Nachfolgegenerationen geben.

Feusi weist diesbezüglich darauf hin, dass der geplante Landkauf auch wegen der Dietiker Abwasserreinigungsanlage (ARA) nötig ist, die ebenfalls ihre Kapazitätsgrenze erreichen wird und deren Erweiterung am heutigen KVA-Standort zu liegen kommen soll. «Für den Kauf des Coop-Areals ist die neue KVA daher nur ein Faktor», hält er fest.