Am nächsten Sonntag wählt das Volk der Stadt Schlieren einen neuen Friedensrichter oder eine neue Friedensrichterin. Zur Verfügung stellen sich Adrian Leimgrübler (parteilos), Songül Viridén (GLP) und Janine Martí-Matt (parteilos). Kommt es schon im ersten Wahlgang zur Entscheidung? Wohl eher nicht – so lautet zumindest die Prognose, die am Freitag im Bruno-Weber-Park mehrfach zu hören war. Dort hatte sich der Schweizerische Verband der Friedensrichter und Vermittler zur Delegiertenversammlung getroffen.

Denn mit der Organisation der Versammlung war heuer der Zürcher Kantonalverband betraut. Das Organisationskomitee, zu dem mitunter auch die Dietiker Friedensrichterin Christa Maag (EVP) gehörte, entschied sich für den Weber-Park, wo man sich im Wassergartensaal versammelte, genau genommen also auf Spreitenbacher Boden.

Viele waren erstmals im Park

Es war gelebte Standortförderung: Die meisten ausserkantonalen Versammlungsteilnehmer haben diesen speziellen Ort noch nie gesehen. So war sich auch Pirmin Schwander (SVP), Schwyzer Nationalrat und Präsident der Nationalratskommission für Rechtsfragen, nicht sicher, ob er am richtigen Ort gelandet ist, als er sein Auto vor den Toren des Parks abstellte.

Der Dietiker Stadtpräsident Roger Bachmann (SVP) nutzte in seiner Begrüssung die Gelegenheit, die über 30 Anwesenden auf weitere Seiten seiner Stadt hinzuweisen, die die Auswärtigen nicht kannten. Sei das etwa die Erwähnung des tiefstgelegenen Schweizer Skilifts im Dietiker Röhrenmoos, die rund 150 Vereine, der neue Kulturort Gleis 21 oder, «für die Historiker unter Ihnen», die Inschrift «Dietikon» im Arc de Triomphe in Paris. Aber auch die Rechtsstreitigkeiten rund um den Bruno-Weber-Park liess Bachmann nicht unerwähnt: «In Ihrem Themenbereich, dem Recht, hat es hier oben viele Probleme, die man noch zu lösen hat.»

Der Dietiker Bezirksgerichtspräsident Stephan Aeschbacher (SP) freute sich ebenso darüber, dass die Versammlung im Limmattal stattfand. «Der Schweizerische Verband der Friedensrichter und Vermittler ist auch ein bisschen im Bezirk Dietikon entstanden, und das sage ich nicht ohne Stolz», sagte Aeschbacher mit Verweis auf die Schlieremer Friedensrichterin Eliane Graf, die den Verband 2004 mitgründete und heute, wie auch der Geroldswiler und Weininger Friedensrichter Enrico Denicolà, Ehrenmitglied und ehemaliges Vorstandsmitglied des nationalen Verbands ist.

Im Kanton Zürich üben die Bezirksgerichte die erstinstanzliche Aufsichtsfunktion über die Friedensrichterämter aus. Darum hat Aeschbacher die Friedensrichter in den Limmattaler Gemeinden schon mehrmals besucht. «Ich fühle mich Ihrer Arbeit besonders verbunden. Sie sind ein Erfolgsmodell», sagte er. So erledigten die Friedensrichter rund 65 Prozent der Fälle, ohne dass ein Gang vors Gericht nötig ist. Im Bezirk Dietikon liege die Quote sogar bei 77 Prozent. «Sie entlasten die Gerichte in ganz massgeblicher Weise. Und das notabene zu sehr moderaten Kosten, was auch im Interesse des Steuerzahlers ist», lobte Aeschbacher, ehe er sich herzlich bedankte. Seine Rede war ein deutliches Bekenntnis zur Institution der Friedensrichter.

Neue Zivilprozessordnung

Ehe das friedensrichterliche Stelldichein zum von der Stadt Dietikon gesponserten Apéro überging, führte der Verbandsvorstand unter der Führung von Präsident Stefan Brunner – er ist aus dem Kanton Luzern – durch die Versammlungstraktanden. Im abgelaufenen Jahr hat der Verband unter anderem eine neue Website aufgeschaltet. Zudem beteiligte er sich an der Vernehmlassung zur Revision der Schweizerischen Zivilprozessordnung. Nicht alles, was im neuen Gesetz vorgesehen ist, ist im Sinne der Friedensrichter. Der Verband sieht es daher als seine Aufgabe, in der Politik zu lobbyieren und sich mit anderen Interessengruppen zu vernetzen.

Da im Verbandsvorstand nicht alle Sitze besetzt sind, führte die Versammlung zudem eine Konsultativabstimmung durch. Die Mehrheit sprach sich für eine Statutenänderung im nächsten Jahr aus. Künftig sollen die einzelnen Kantonalverbände mehr als eine Person im nationalen Vorstand stellen dürfen. Der Kanton Zürich ist zurzeit mit Hans-Peter Kasper vom Klotener Friedensrichteramt im Vorstand vertreten.