Beim Betreten des Dietiker Stadthauses kündet noch nichts von der Verwandlung, die hier stattgefunden hat. Der suchende Blick fängt zunächst nur Altbekanntes ein: ein Büro hier, ein Büro da. Da erblickt man plötzlich – weit oben in der Luft – zwei knallbunt bemalte Würfel.

Ganz selbstverständlich hängen sie da, lustig und lockend über dem Treppenaufgang.
So hinaufgeführt, gelangt man in den Gemeinderatssaal, wo denn wirklich alles anders geworden ist. Zur Feier seines siebzigsten Geburtstages wurde René Gubelmann, seines Zeichens eines der kulturellen Flaggschiffe von Dietikon, dieser Saal zur Verfügung gestellt. Er hat ihn für eine Ausstellung seiner Werke genutzt: faszinierende Malereien und Skulpturen, die seine zweite Leidenschaft, die Musik, im Raum gleichsam unterstützen sollen. Frostig sind diese Werke nicht, obschon man hinter allen strenge Konstruktionsprinzipien vermuten darf.

Nein, diese Werke glühen geradezu vor Vitalität! Und nicht nur die Farben, die zur Lebensfreude regelrecht zwingen, tragen dazu bei. Belebend auch die Dynamik dieser Werke. Einige scheinen sich wirklich zu bewegen, aus dem Rahmen heraus und dem Betrachtenden entgegenzufallen; andere ziehen in sich hinein, entfalten über ihren Fluchtpunkt einen erstaunlichen Sog.

Selbstverständlich waren auch die Bilder mit den Tatzen zu sehen, jene Werke, für die Gubelmann einige Wildkatzen mobilisierte und sie mit bemalten Pfoten über seine Leinwände gehen liess.

Werke nehmen Leute gefangen

Die Leute erschienen zahlreich und waren angetan. «Ich bin besonders begeistert von diesen Farben», sagt Rosmarie Stalder, «von diesen so lebensfrohen Farben und den strukturierten, klaren Linien.» Sie bleibt lange vor einem Bild stehen, das vier eigentlich zweidimensionale Quader zeigt. Diese scheinen sich richtiggehend aus dem Rahmen herauszuschrauben. «Ich interessiere mich vor allem für Malerei, die Menschen als Sujet hat. Dieses Bild aber nimmt mich gefangen. Ich könnte mir vorstellen, es zu Hause aufzuhängen.»

Heidi Fasnacht kennt René Gubelmann schon lange, seit mehr als drei Jahrzehnten ist er ihr ein Begriff. «Meine Tochter ging bei ihm zum Xylofonunterricht», berichtet sie, «sie wollte fast nicht mehr damit aufhören.» Fasnacht interessiert sich besonders für das Gesamtkunstwerk. «Es ist wunderbar, wie diese zwei so unterschiedlichen Künste hier ineinander aufgehen.» Mit Hansruedi Hunter war auch ein Nachbar von Gubelmann zugegen. «Natürlich stand ich da in der Pflicht, zu kommen.» Hunter interessiert sich für die Übertragung, die stattfindet, wenn ein Medium in ein anderes übersetzt wird. Diese biete die Chance, die Botschaft hinter der Kunst noch zu verdichten und zuzuspitzen. «Nicht zuletzt finde ich es grossartig, einfach hier zu sein und profitieren zu können – von jemandem, der seine Sache sicht- und hörbar beherrscht.»