Dietikon
Kroatische Gemeinde feiert ihren Star

Bekannte verfolgten im Pfarreizentrum St. Agatha Bernarda Brunovic auf Grossleinwand am Eurovision Song Contest. Dass es schliesslich nicht gereicht hat, war für die Anwesenden keine Tragödie.

David Hunziker
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Keystone

Die entscheidenden drei Minuten: Bernarda Brunovic betritt die Bühne und trägt ihr Lied «Confidence» in Gegenwart eines riesigen Saal- und TV-Publikums vor. Derweil sitzen vor einer Grossleinwand in Dietikon gut hundert Menschen gebannt da und beobachten besonders genau, wie ihre Heldin die Herausforderung meistert. Sie haben sich im Saal des Pfarreizentrums St. Agatha zusammengefunden, um live dabei zu sein bei der grossen Entscheidungsshow des Schweizer Fernsehens in Kreuzlingen für die Teilnahme am Eurovision Song Contest.

Singen in der Kirche

Michael Gasic begrüsst die Anwesenden auf Kroatisch. Im Namen der Familie dankt er fürs Kommen. Die Sendung hat gerade begonnen und Sven Epiney läuft auf der Leinwand ins Bild. Im Saal befinden sich nur wenige, die kein Kroatisch verstehen. Viele sind Bekannte der Familie Brunovic und kennen Bernarda schon länger. «Immer, wenn sie kann, singt Bernarda bei uns in der Kirche», sagt Julijan Ivelic. Er ist so etwas wie ein Vorstandsmitglied der kroatischen katholischen Gemeinde in Dietikon, die er auf gut 500 Mitglieder schätzt. Viele der Mitglieder sind gekommen, um Bernarda zu unterstützen.

Doch nicht nur das: Im Foyer und im Saal sind neben verschiedenen Getränken ganze Paletten mit essbaren Köstlichkeiten ausgebreitet. Salzige und süsse Spezialitäten aus Kroatien sind im Überfluss vorhanden. Plötzlich stimmen ein Paar Männer bei der Bar ein Lied an, mehrstimmig und kroatisch. «Ein Weihnachtslied», ruft einer von ihnen. Die Stimmung ist gut, alle kennen sich. Neben der Kirche treffen sich auch einige der Männer regelmässig zum Fussball. Slavko Smolcic ist einer von ihnen. «Ich kenne Bernarda über ihren Vater Zeljko Brunovic, mit dem ich oft zusammenspiele», erzählt er.

Und auch der Nachbar ist gekommen. «Ich höre Bernarda nebenan immer proben und freue mich nun auf die Sendung», meint Vincenzo Santoro. «Obwohl ich sonst House höre, hat mich das Lied irgendwie berührt.» Er sei überrascht, wie locker Bernarda die Sache nehme, immerhin habe sie ihm erzählt, dass sie vor der Sendung von zwei bis sieben Uhr proben müsse.

Bernardas Lied «Confidence», das die heute Neunzehnjährige mit zwölf Jahren geschrieben hat, vermag viele tief zu bewegen. Für einige strömt es eine spirituelle Kraft aus. «Das Lied erzählt davon, dass man in jeder Lebenslage auf Gott vertrauen kann», erklärt Michael Gasic. Für ihr Alter betrachte sie die Dinge unglaublich ernsthaft, gar hochphilosophisch, meint er.

«Ihre Lebenskraft ist unglaublich», sagt auch Mato Zrno. Er hat mitgeholfen, den Anlass zu organisieren. Zrno nennt ein beeindruckendes Beispiel: «Obwohl sie blind ist, ist Bernarda mit ihrem Vater am Arm den Zürich Marathon gelaufen», erzählt er. Alle sind von der Gymnasiastin sichtlich beeindruckt.

Keine Tragödie

Die Jury in der Fernsehshow teilt die Begeisterung, es ist zu sehen, wie Bernarda sie mit ihrem Lied berührt hat. «Für die Schweiz wäre es taktisch klug, Bernarda zu wählen», meint nun Mato Zrno, «zahlreiche Stimmen aus dem Balkan wären der Schweiz sicher.» Für die andern Bands hat Zrno zu Recht wenig übrig: «Das ist Limonade», kommentiert er den Auftritt einer Band.
Nun heisst es vor allem warten.

Nach Bernardas Auftritt stehen viele auf und widmen sich wieder dem Buffet. Dass es schlussendlich nicht gereicht hat, ist keine Tragödie, Mato Zrno zuckt nur etwas mit den Schultern, als die Entscheidung bekannt wird. Der Anlass war auch so ein festliches Ereignis und schliesslich, meint Mato Zrno, «ist es bereits ein Erfolg, dass es Bernarda unter die letzten zwölf geschafft hat.»