Zürich/Volketswil
Kontroverse Kirche Scientology zieht aus der Stadt nach Volketswil

Die Scientologen verlassen die Freilagerstrasse in Albisrieden. Entstehen wird dort ein Areal mit Wohnungen und Gewerbe.

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Die Scientologen werben sehr offensiv um Mitglieder. Nun zieht der Zürcher Ableger nach Volketswil.

Die Scientologen werben sehr offensiv um Mitglieder. Nun zieht der Zürcher Ableger nach Volketswil.

Alessandro Della Bella/Keystone

Die Zürcher Scientology-Kirche zieht nach 20 Jahren aus dem Quartier Albisrieden. «Ab dem 30. November steht das Zentrum der Zürcher Scientology-Gemeinschaft neu in Volketswil», sagt Präsident Jürg Stettler dem «Tages-Anzeiger». Stettler fährt fort, dass die Scientologen gerne in der Stadt geblieben wären. Sie müssen nun aber in die Agglomeration ausweichen. «Da wir den Grossraum Zürich und die ganze Ostschweiz betreuen, hat die Lage Vor- und Nachteile», so der Präsident. «Es ist näher für alle Ostschweizer, weiter für Luzerner, aber insgesamt gut erreichbar, und man muss nicht mehr durch die ganze Stadt.» Der neue Standort biete «repräsentativere, übersichtlichere und neuere Räumlichkeiten». Insgesamt sind es 2000 Quadratmeter auf zwei Stockwerken.

Der Gemeindepräsident von Volketswil, Jean-Philippe Pinto (CVP) ist sich dessen bewusst, dass Scientology in seine Gemeinde ziehen wird. Ihm wurde zugesichert, dass Scientology keine Standaktionen in Volketswil durchführen wird. Seine Meinung zum Zuzug gibt Pinto allerdings nicht Preis. «Es gilt die Wirtschaftsfreiheit und es ist das Recht von Scientology, hier ihren neuen Standort zu haben.»

Zweitmeiste Infosekta-Anfragen sind zu Scientology

Meinungen zur Scientology-Kirche gehen stark auseinander. So sind bei der Beratungsstelle Infosekta gemäss ihres Jahresberichts 2019 die zweitmeisten Anfragen (mit 4%) zu Scientology. Zum Vergleich: Spitzenreiter ist die Gemeinschaft der Zeugen Jehovas (14%). Nach Scientology folgen ICF (2%) und die Anastasia-Bewegung (2%).

Ein Grund für das kontroverse Image von Scientology ist ihre offensive Missionsarbeit. Oft fallen Standaktionen in den Innenstädten auf. Letztes Jahr protestierten Aktivisten in Winterthur mit «Achtung Scientology Sekte»-Plakaten neben einem Stand der Organisation. Scientology meinte gemäss eines Berichts von «Tele Top», dies sei «diskriminierend».

Volketswil ist «keine Lösung für immer»

In der Vergangenheit kam es auch schon zu Protesten wegen Eröffnungen von Scientology-Kirchen. So in Basel, wo Scientology 2015 in einen Neubau, eine Art Tempel mit 4600 Quadratmetern Fläche, zog. Neben einem medialen Echo löste der Einzug auch Verunsicherung im Quartier aus.

Stettler meint, dass Volketswil «keine Lösung für immer» sei: «Längerfristig möchten wir immer noch ein eigenes Gebäude.» Dies könnte allerdings noch Jahre brauchen. Scientology wurde im Kanton Zürich vor 46 Jahren gegründet, mittlerweile zählt die Gemeinschaft ihm zufolge ungefähr 2000 Mitglieder.

Das Gebäude an der Freilagerstrasse geht am Dienstag an die Eigentümerschaft. Diese plant für das Areal 2,5 bis 3,5 Zimmer-Wohnungen und Gewerbeflächen, wie auch ein Gastrobetrieb. Spätestens im Jahr 2022 soll es zur Erstvermietung kommen.