Die 18 Mädchen und Jungen stehen in der Turnhalle im Kreis und imitieren mit ihrem Zeigefinger eine Biene, die um ihren imaginären Döner fliegt. Dazu wird gesummt und mit der anderen Hand auf dem Bauch die Atmung überprüft. Was auf den ersten Moment ziemlich merkwürdig aussieht, entpuppt sich als Aufwärmübungen für den Impro-Theater-Kurs.

Es ist einer von 18 Kursen, die während der Projektwoche den Schülerinnen und Schülern des Schulhaus Reitmen angeboten werden. Im Fokus der ersten Projektwoche ReitmenArt steht die Sprachförderung. «Da wir eine Quims-Schule sind, lag dieses Thema eigentlich nahe», sagt Denise Gerstl, Schulleiterin der Sekundarschule. Der Begriff Quims steht für Qualität in multikulturellen Schulen. Das Programm fördert in Schulen mit ausgeprägt multikultureller Zusammensetzung nebst der Sprache auch schulische Leistung und soziale Integration.

Primarlehrerin Ursula Welti ist eine von zwei Quims-Beauftragten des Schulhauses Reitmen und hat die Projektwoche mitorganisiert. «Die Lehrpersonen bestimmten selbst, was für einen Workshop sie anbieten. Zuerst mussten sie sich aber für eine Altersklasse entscheiden», sagt sie. So gibt es etwa für die Gruppe der Kindergartenkinder, Erst- und Zweitklässler andere Kurse als für die Sechstklässler und die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe. «Aus den Workshop-Angeboten durften die Kinder drei Kurse auswählen, die sie speziell interessieren, und mussten ihnen eine Priorität zuteilen», sagt Welti. «Wir knobelten dann ein wenig und so konnten fast alle ihren favorisierten Kurs besuchen.»

Spontane Reaktionen gefordert

Die 12-jährige Selma Sharif hat das Impro-Theater zwar als ihre zweite Wahl angegeben, zufrieden ist sie mit dem Workshop aber trotzdem. «Was ich hier gelernt habe, kann ich auch im echten Leben gebrauchen. Es kann immer etwas passieren und dann muss man eben improvisieren», sagt die Sechstklässlerin. Von dem ist auch Babak Taham überzeugt. Der Primarlehrer und seine Stellenpartnerin Jessica Notter bieten das Impro-Theater an. «Was die Kinder hier vor allem lernen, ist Selbstvertrauen zu haben», sagt Taham. Am Anfang brauche es ein wenig Zeit, bis die Kinder aus sich herauskommen. Auch dachten einige, dass ein normales Theater geübt und aufgeführt würde. «Die Schülerinnen und Schüler studieren aber nur kurze Szenen ein, die beim Aufführen dann von Anweisungen unterbrochen werden. Auf diese müssen sie spontan reagieren und die Anweisungen umsetzen», sagt Taham.

Mit verschiedenen Gangarten wird die Körperhaltung trainiert.

Der Primarlehrer hat früher oft in Laientheatern mitgespielt und will seine Erfahrungen weitergeben. Auch wenn eine Woche eine relativ kurz Zeit sei, um grosse Fortschritte zu erzielen, können die Schülerinnen und Schüler auf jeden Fall etwas für sich mitnehmen. «Ich habe gelernt, wie wichtig eine richtige Atmung und eine gute Körperhaltung sind», sagt der 14-jährige Marco Aleardi.

Am Freitagnachmittag präsentieren die verschiedenen Gruppen, was sie während der Projektwoche geübt oder hergestellt haben. «An dem öffentlichen Anlass sind Familie, Freunde und alle sonstig Interessierten willkommen», sagt Gerstl. Für sie zählt aber der friedliche und hilfsbereite Umgang der Kinder untereinander viel mehr, als die Endprodukte. Dem stimmt auch Welti zu: «Das Engagement und das soziale Verhalten der Schülerinnen und Schüler sind ausgezeichnet.»