Bei der Limmattaler Zeitung haben sich besorgte Dietiker Eltern gemeldet, weil in der Schule Luberzen total 13 Lehrpersonen gekündigt haben. Auch in einer Dietiker Facebook-Gruppe entbrannte deswegen eine Diskussion. Sind die Löhne zu tief, die Kinder zu schwierig, geht es um Burnouts oder ist am Ende der Lehrplan 21 schuld? Die Limmattaler Zeitung hat bei Schulvorstand Reto Siegrist (CVP) nachgefragt.

Er bestätigt, dass 13 Lehrpersonen der Schule Luberzen per Ende Schuljahr aufhören. Ins Verhältnis mit der Gesamtzahl der Luberzen-Lehrkräfte gesetzt, entspreche dies einer Kündigungsrate von 23 Prozent. «Das ist hoch», räumt Siegrist ein. Zugleich erklärt er, wie es zu dieser Zahl gekommen ist. Von den 13 Kündigungen erfolgten 11 bis zum 30. März, dem ordentlichen Kündigungstermin für Lehrpersonen. 2 weitere Kündigungen kamen kurzfristig hinzu. In den Austrittsgesprächen nannten die Lehrer die Gründe für die Kündigungen, diese sind der Schule respektive der Stadt Dietikon also bekannt. Siegrist legt sie auf Anfrage der Limmattaler Zeitung offen:

  • 3 Lehrpersonen gehen in Pension.
  • 2 Lehrpersonen gehen auf grosse Reisen, was sich nicht mit einem fixen Job in der Schweiz vereinbaren lässt.
  • 1 Lehrperson, die seit 25 Jahren in der Schule Luberzen arbeitet, will nochmals etwas anderes sehen und hat deshalb eine neue Herausforderung ausserhalb Dietikons angenommen.
  • 1 Lehrperson zügelt aus privaten Gründen nach Basel und gibt darum die Stelle in Dietikon auf und muss so keine lange Pendelstrecke auf sich nehmen.
  • 2 Lehrpersonen der Schule Luberzen sind privat ein Paar geworden und haben sich darum entschieden, an neuen, getrennten Arbeitsorten zu arbeiten.
  • 4 Lehrpersonen gaben als Kündigungsgrund die Schulleitung an.

Der letzte von Siegrist angeführte Punkt wirft Fragen auf. Gibt es einen Konflikt zwischen einer Minderheit der Lehrkräfte und der Schulleitung? Dazu Siegrist: «Die beiden Luberzen-Schulleitungen sind seit 2016 respektive 2017 im Amt. Die beiden Schulleiter machen einen guten bis sehr guten Job. Die Leitung der Schulabteilung der Stadt Dietikon und ich stehen voll und ganz hinter diesen Schulleitern.» Das heisst: Es gibt zwar unterschiedliche Auffassungen. Auf der einen Seite stehen die Stadt, die Schulleitung und die grosse Mehrheit der Lehrer in der Schule Luberzen. Und auf der anderen Seite stehen 4 Lehrpersonen, die es mit der neuen Schulleitung nicht so gut können und die nun gekündigt haben. «Das ist wie in jedem anderen Unternehmen: Wo es einen neuen Chef gibt, passt er nicht allen Angestellten und es gibt ein paar Kündigungen. Das ist meistens auch gut so», sagt Siegrist, der 25 Jahre berufliche Führungserfahrung hat; er arbeitet als Geschäftsführer bei einer Vorsorgestiftung. Angesichts dieser Umstände spricht Siegrist statt von einem «Problem» lieber von einer «Erneuerung» in der Schule Luberzen.

Der Schulvorstand nennt zudem weitere Zahlen. So hat das Luberzen diesen Sommer mit 23 Prozent die höchste Fluktuationsrate aller Dietiker Schulen, also den höchsten Anteil an Kündigungen. Die Dietiker Schule mit der tiefsten Fluktuationsraten diesen Sommer komme hingegen auf einen Wert von 6 Prozent. Im Schuljahr 2017/2018 hätten diese Zahlen zwischen 8 und 17 Prozent betragen, im Jahr davor zwischen 8 und 16 Prozent. In den Auswertungen sehe man klar, dass die Schulen mit den tiefsten Fluktuationsraten jene sind, bei denen die Schulleitungen schon am längsten konstant am Werk sind.

«Alle Stellen wieder besetzt»

«Persönlich finde ich, dass wir in der Schule Dietikon aktuell in gewissen Schuleinheiten eine zu hohe Fluktuation haben. Diesen Umstand will die Schule korrigieren», sagt Siegrist. So steht in den Legislaturzielen der Schulpflege: «Die Schule Dietikon ist als attraktiver und nachhaltiger Arbeitgeber bekannt.» Die Kündigungsrate könnte einer der Indikatoren sein, um das Erreichen dieses Ziels zu überprüfen, erklärt Siegrist. Noch sei aber nicht definitiv beschlossen, mit welchen Messgrössen die Zielerreichung überprüft werden soll.

Klar ist: Eltern müssen sich keine Sorgen machen, dass es im Luberzen bei Schulbeginn im August zu wenig Lehrkräfte hat. «Alle Stellen im Schulhaus Luberzen konnten bereits wieder besetzt werden», sagt Siegrist. Es ist ein Umstand, der für die Schulleitung sprechen könnte.