Jahresrückblick
Kloster-Rotwein ist heuer Mangelware

Wegen der Kirschessigfliege konnte Kellermeister Roland Steinmann nur rund die Hälfte der Trauben brauchen.

Sophie Rüesch
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Gute Miene zum bösen Spiel: Viel zu lachen hatte Kellermeister Steinmann heuer wegen der Kirschessigfliege nicht.

Gute Miene zum bösen Spiel: Viel zu lachen hatte Kellermeister Steinmann heuer wegen der Kirschessigfliege nicht.

Chris Iseli

Es war ein himmeltrauriges Weinjahr für Roland Steinmann. Der Kellermeister des Klosters Fahr will auch rückblickend nichts beschönigen: «Zum Davonlaufen wars», sagt er, und fasst den diesjährigen Wümmet mit «Trauben am Boden, Moral am Boden» zusammen.

Schuld daran ist ein winziges Viech: die Drosophila suzukii, auch Kirschessigfliege genannt. Seit 2011 wütet sie in der Schweiz, doch noch nie war der Befall so schlimm wie heuer. Auch im Kloster ist die Bilanz verheerend: Rund die Hälfte der Trauben sind dem Schädling zum Opfer gefallen, der das süsse Fruchtfleisch in nach Essig stinkenden Matsch verwandelt. Von den rund 40 Tonnen Trauben, die an den klostereigenen Reben in Weiningen und Unterengstringen wuchsen, landeten letztlich nur rund 20 im Weinkeller; das ergibt etwa 14 000 Liter Wein. Und das in einem Jahr, das aufgrund des günstigen, weil nassen Wetters gut 25 000 Liter hergegeben hätte — wäre nicht die Kirschessigfliege gewesen.

Kaputte Trauben, mühsame Lese

Denn diese machte nicht nur einen grossen Teil der reifen Früchte für die Kelterung unbrauchbar. Auch die Lese gestaltete sich ungleich mühsamer als üblich: Um zu retten, was noch zu retten war, mussten Steinmann, die Nonnen und deren Helfer jede Traube einzeln auf faule Beeren abtasten — «wirklich eine unsägliche Sisyphusarbeit», erinnert sich Steinmann. «Ich kann den Helfern gar nicht genug dafür danken.»

«Ganz schlimm» traf der Fliegenbefall die frühen Rotweinsorten Regent, Dornfelder und Zweigelt, etwas weniger den Blauburgunder. Nur der Riesling-Silvaner wurde weitgehend verschont. Mit solchen Tatsachen konfrontiert, musste der Kellermeister erfinderisch werden. Zuerst einmal entschied er sich, die besonders stark betroffenen Sorten zur Hälfte hängen zu lassen. «Lieber weniger Flaschen machen, dafür diese gut.» So machte er aus einem Teil der roten Trauben in der Not Federweissen und Rosé, die beide «ziemlich gut werden dürften». Rotwein hingegen ist im Klosterkeller heuer Mangelware.

Hoffen auf kalten Winter

Damit sich all das nächstes Jahr nicht wiederholt, hofft Steinmann auf einen kalten, trockenen Winter, der die Kirschessigfliegen-Population zumindest etwas dezimieren könnte — und auf eine Strategieänderung der zuständigen Ämter, welche die Gefahr «völlig verschlafen» hätten. «Wenn man erst dann spritzen darf, wenn der Wurm schon aus der Beere kommt, ist das natürlich ein Witz», sagt er. 2015 müsse alles getan werden, um den Schädling schon im Sommer auf so tiefem Niveau zu halten, dass er im Herbst nicht derartigen Schaden anrichten kann. Sonst wartet auf den Kellermeister auch im nächsten Jahr eine Weinlese zum Davonlaufen.