Unterengstringen/Würenlos
Kloster Fahr: Die Nachbarschaft ist in Stein gemeisselt

Vor zehn Jahren wurde das Kloster Fahr offiziell Teil von Würenlos und Unterengstringen bekam über Nacht einen neuen Nachbar. Dadurch wurde eine schweizweite Sonderstellung aufgehoben.

Sandro Zimmerli
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An einem Festakt wurde der Grenzstein am 1. Januar 2008 von der damaligen Aargauer Ständerätin Christine Egerszegi enthüllt.

An einem Festakt wurde der Grenzstein am 1. Januar 2008 von der damaligen Aargauer Ständerätin Christine Egerszegi enthüllt.

André Albrecht

Es war einiges los an jenem Neujahrstag 2008 im Kloster Fahr. Mehr als üblich. An jenem 1. Januar wurde Geschichte geschrieben. Und das wollten sich die vielen Leute nicht entgehen lassen. Das im zürcherischen Limmattal gelegene Kloster war nun offiziell Teil von Würenlos. Aus Unterengstringen und der Aargauer Gemeinde waren über Nacht Nachbarn geworden.

Mit dem Anschluss des Klosters Fahr an Würenlos wurde eine schweizweite Sonderstellung aufgehoben. Denn seit der Gründung des Kantons Aargau 1803 war das Fahr diesem zugeordnet, gehörte aber gebietsmässig zu keiner Gemeinde. Erst die Aargauer Kantonsverfassung von 1980 schob diesem Zustand einen Riegel. Darin wurde festgehalten, dass alle Aargauer Gebiete einer politischen Gemeinde des Kantons zugeordnet sein müssen. Bis diese Vorgabe in die Tat umgesetzt wurde, dauerte es allerdings noch mehr als zwei Jahrzehnte.

Am 6. Dezember 2007 wurde die Zugehörigkeit des Klosters zu Würenlos schliesslich besiegelt und damit das Dekret aus dem Jahr 1932 aufgehoben, das bislang das Rechtsverhältnis zwischen Fahr und dem Aargau regelte. In der Klosterkirche unterzeichneten Kirchen- und Behördenvertreter die dafür notwendigen Verträge, die am 1. Januar 2008 in Kraft traten. Zum einen war das ein Zusammenarbeitsvertrag zwischen Würenlos, Unterengstringen und dem Kloster, zum anderen ein Staatsvertrag zwischen den Kantonen Aargau und Zürich. Darin ist etwa geregelt, dass die Unterengstringer Feuerwehr für das Kloster zuständig ist und dafür von Würenlos entschädigt wird.

Funktionierendes Miteinander

In weiten Teilen wurde zwischen Fahr, Unterengstringen und Würenlos vertraglich festgehalten, was an sich schon seit Jahrzehnten gelebt wurde und gut funktionierte, wie der Würenloser Gemeindeschreiber Daniel Huggler sagt. So erbrachte die Gemeinde Unterengstringen bereits zuvor gewisse kommunale Dienstleistungen für das Kloster. Die dafür notwendigen Vereinbarungen traf sie allerdings direkt mit Fahr.

Demgegenüber war das Kloster verwaltungsmässig ohnehin bereits seit über 100 Jahren der Gemeinde Würenlos zugeordnet. Geregelt war diese Zuständigkeit in einem Vertrag zwischen der Finanzdirektion Aargau und der Gemeinde Würenlos von 1893. Dort wurde festgehalten, dass die Gemeinde Würenlos verpflichtet ist, für das Kloster Fahr all jene amtlichen Verrichtungen zu erbringen, welche das Gesetz vorschreibt und die von jeher schon ausgeübt worden waren. Die Bewohner im Fahr nahmen unter anderem ihre politischen Rechte schon vor 2008 in der Gemeinde Würenlos wahr – die Schwestern freilich erst seit der Einführung des Frauenstimmrechts im Jahre 1972.

«Zu Unstimmigkeiten ist es in diesen zehn Jahren nie gekommen.»

Daniel Huggler, Gemeindeschreiber Würenlos

«Die stärkste Veränderung, die der Anschluss des Klosters Fahr an Würenlos mit sich brachte, war die Tatsache, dass Unterengstringen damit zu einer Nachbargemeinde wurde», sagt Huggler denn auch. Bis heute pflege man eine freundnachbarschaftliche Beziehung. Die Zusammenarbeit sei angenehm. «Zu Unstimmigkeiten ist es in diesen zehn Jahren nie gekommen», so Huggler. Dem pflichtet auch Unterengstringens Gemeindepräsident René Rey bei. «Die Zusammenarbeit funktioniert reibungslos», sagt er.

Das spürt man auch im Kloster. «Wir sind drei Parteien, die gut miteinander zusammenarbeiten», sagt Priorin Irene. Durch den Anschluss an Würenlos sei das Zusammengehörigkeitsgefühl zur Gemeinde noch verstärkt worden. Zu Unterengstringen habe man durch die geografischen Gegebenheiten schon immer eine gewisse Nähe gehabt. «In den letzten zehn Jahren ist etwas zusammengewachsen», sagt die Priorin. Und so habe sich bewahrheitet, was am 1. Januar 2008 bei der Enthüllung des Grenzsteins gesagt worden ist. Der Stein symbolisiere nicht das Trennende, sondern das Verbindende.