Dietikon

Kiwic tritt im zweiten Wahlgang fürs Stadtpräsidium an, Illi legt sich noch nicht fest

Anton Kiwic und Heinz Illi. Treten wirklich beide für das Dietiker Stadtpräsidium im zweiten Wahlgang an?

Anton Kiwic und Heinz Illi. Treten wirklich beide für das Dietiker Stadtpräsidium im zweiten Wahlgang an?

Anton Kiwic (SP) kandidiert gegen Roger Bachmann (SVP) als Stadtpräsident. Heinz Illis (EVP) Pläne bleiben offen. Die SP setzt mit der Ankündigung der Kandidatur Illi und die EVP unter Druck, die Kandidatur zurückzuziehen. Sie müssen entscheiden zwischen eigenen Ambitionen und grösseren Chancen, Bachmann als Stadtpräsident zu verhindern.

Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte. Gilt dieses Sprichwort auch bei der Wahl des Dietiker Stadtpräsidenten? Gestern wurde bekannt, dass Anton Kiwic (SP) seine Kandidatur nicht zurückzieht und im zweiten Wahlgang gegen Roger Bachmann (SVP) antritt. Damit setzt er Heinz Illi (EVP) unter Zugzwang. Denn mit einer Einigung würde das Mitte-links-Lager seine Chancen vergrössern, Bachmann am 22. April gefährlich zu werden. Dieser war im ersten Wahlgang am Sonntag unerreichbar. 1384 Stimmen vereinte er auf sich. Kiwic und Illi lagen mit 882 respektive 790 Wählern deutlich zurück. Auf dem vierten Platz fand sich mit 689 Stimmen der parteilose Limmattalbahn-Gegner Bernhard Schmidt wieder, der aber die Wahl in den Stadtrat verpasste und deshalb nicht mehr für das Präsidium wählbar ist.

Wer kann Roger Bachmann den Sieg noch streitig machen?

Wer kann Roger Bachmann den Sieg noch streitig machen?

Gespräche, ob sich einer der beiden Kandidaten zurückziehen soll, fanden Anfang Woche zwischen EVP und SP statt. Sie sind aber gescheitert. Kiwic, dessen erneute Kandidatur durch die SP-Parteiversammlung am Mittwochabend einstimmig beschlossen wurde, sagt: «Das hat wohl auch historische Gründe. Die SP war in Dietikon in den vergangen 30 Jahren oft der Schuhlöffel für die bürgerlichen Parteien. Und ohne Gegenleistung wollten unsere Mitglieder das wohl nicht mehr.»

Ein Neuling als Präsident

Wichtig sei auch der Wunsch nach Erneuerung gewesen: «Die Zeit für einen Neuanfang ist günstig, weil FDP und SVP zusammen nur noch zwei Sitze haben. Der eigentliche Neuanfang kann aber nur erfolgen, wenn das Präsidium in den Händen von jemandem ist, der bisher dem Stadtrat nicht angehörte», sagt Kiwic, der gerade neu in den Stadtrat gewählt wurde. Illi gehört der Exekutive seit 2006 an, Bachmann seit 2014.

Zu den Gesprächen mit der EVP sagt Kiwic: «Offenbar hatte man bei der EVP das Gefühl, dass ich für Mitte-Wähler als Linker nicht wählbar sei, obwohl ich ja am rechten Rand der SP politisiere.»

Anton Kiwic (SP): «Es kam auf jede Stimme an »

Anton Kiwic (SP) direkt nach der Wahl am Sonntag: «Es kam auf jede Stimme an »

Während die SP gestern Vormittag eine Medienmitteilung herausgab, in der Kiwics Kandidatur verkündet wurde, hüllt sich die EVP-Spitze um Illi noch in Schweigen. Gestern Mittag wurde angekündigt, dass spätabends nach der Parteisitzung informiert wird. Kurz vor Sitzungsbeginn hiess es dann, dass man zu dieser Angelegenheit nun doch noch nichts sagen könne. Auf Anfrage wurde dann kurz vor Redaktionsschluss mitgeteilt, es sei noch nichts entschieden. Zu den Gesprächen mit der SP wollte man sich bei der EVP vor der Entscheidung nicht äussern.

Haben Sie mit einem zweiten Wahlgang gerechnet, Herr Illi?

Heinz Illi direkt nach der Wahl vom Sonntag: "Haben Sie mit einem zweiten Wahlgang gerechnet?"

Die EVP muss sich zwischen zwei Szenarien entscheiden, die beide nicht unbedingt angenehm sind. Nummer 1: Illi tritt an. Er und Kiwic nehmen sich gegenseitig Stimmen weg und machen so Bachmann eventuell zum Stadtpräsidenten. Nummer 2: Die EVP versammelt sich hinter Kiwic. Damit geht sie selbst leer aus, vergrössert dafür aber die Chance, dass Bachmann nicht Stadtpräsident wird.

Nur 23 Stimmen zur Nichtwahl

Kiwic schaffte es bei der Stadtratswahl am Sonntag nur knapp in die Exekutive. Ihn trennten nur 23 Stimmen vom parteilosen Bernhard Schmidt und damit von der Nichtwahl. Er war der Stadtrat, der mit dem schlechtesten Resultat gewählt wurde. Trotzdem ist er überzeugt, dass er gute Chancen hat Stadtpräsident zu werden. «Ich setze auf den Aufwärtstrend, den ich momentan erlebe. Wenn die Stadtratswahlen zwei Wochen früher gewesen wären, hätte ich 200 Stimmen weniger geholt.» Zum Zeitpunkt seiner Nominierung hätte ihn kaum jemand ausserhalb der eigenen Parteibasis wählen wollen. «Jetzt haben wir noch sechs Wochen bis zum zweiten Wahlgang. Das erste Resultat ist nur ein Zwischenresultat», sagt Kiwic. Seinem Status als Underdog ist er sich aber offenbar bewusst: «Roger Bachmann ist in der Favoritenrolle. Wir müssen im Wahlkampf während den nächsten sechs Wochen alle Register ziehen.»

Roger Bachmann (SVP): «Das gute Resultat stimmt mich zuversichtlich für den zweiten Wahlgang»

Das sagte Roger Bachmann (SVP) am Sonntag: «Das gute Resultat stimmt mich zuversichtlich für den zweiten Wahlgang»

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