Die grauen Wolken hängen tief über Urdorf. Die bemalten Betonfiguren auf dem Pausenplatz der Schule Weihermatt liegen verlassen da. Punkt 11.30 Uhr hört man eine leise Sirene im Innern des Schulhauses. Es dauert kaum eine Minute, bis die ersten Kinder in Zweierreihe Hand in Hand auf den Pausenplatz strömen. Klasse für Klasse treten sie, begleitet von ihren Lehrpersonen, aus dem Schulgebäude in den Regen hinaus. «Meine Socken werden ja ganz nass», sagen einige Schüler. Sie halten sich an ihren Kameraden fest und hüpfen über den Platz. Als sie den Brandalarm hörten, fanden sie keine Zeit, sich ihre Schuhe im Schulzimmer zusammenzusuchen.

Um 11:34 braust die Feuerwehr mit ihren Einsatzfahrzeugen an. Sie fahren die Autodrehleiter an der Seite des Gebäudes aus und stellen ein weisses Zelt für die Einsatzleitung auf dem Pausenplatz auf. «Das oberste Gebot ist, dass die Kinder, Lehrpersonen und Besucher alle heil aus dem Haus kommen», sagt Thomas Bollinger, Kommandant der Urdorfer Feuerwehr. Er überwacht den Übungseinsatz auf dem Schulgelände. Diesen hat er gemeinsam mit Schulleiter Michael Gerber aufgrund des von der Schule erarbeiteten Evakuationskonzepts konzipiert.

Bei Amok im Schulzimmer bleiben

«Es ist besonders schwierig, dafür zu sorgen, dass die Kinder ruhig bleiben», sagt Gerber. Das sei insbesondere dann wichtig, wenn es wirklich brenne. Um einer Panik vorzubeugen, müssen die Kinder im Falle eines Alarms im Klassenzimmer Zweierreihen bilden. Währenddessen sprechen die Lehrpersonen ab, welche Klasse zuerst den Stock verlässt. Im Schulhaus gibt es zwei verschiedene Alarme: den Brandalarm und den Amokalarm. Doch Letzterer darf nicht zu Übungszwecken gebraucht werden. Im Falle eines Amoks müssten die Kinder im Zimmer bleiben und mittels Zetteln, die sie an die Fenster halten, mit der Aussenwelt kommunizieren. Die Evakuation im Brandfall hingegen kann gut geübt werden. Ende Februar fand bereits eine Trockenübung ohne Alarm statt. An dieser konnten die Kinder schon das Verhalten im Falle eines Feuers trainieren.

Evakuation der Schule Urdorf Weihermatt

Evakuation der Schule Urdorf Weihermatt

Trotz Regenwetter: Die Schülerinnen und Schüler verlassen das Schulhaus in Richtung Turnhalle. 

«Einige Abläufe konnten bereits verbessert werden», sagt Bollinger. Beispielsweise wurden die Kinder aufgefordert, nur zügig zu gehen und nicht zu rennen. Denn ein Unfall beispielsweise auf der Treppe vor dem Schulhaus würde das Ganze nur unnötig erschweren. Die Kinder wissen genau, wohin es geht. Sie betreten die Turnhalle und sitzen Klasse für Klasse auf den Hallenboden. «Darf man hier nun mit den Schuhen rein?», fragt ein Schüler. Doch lange bleibt nicht Zeit zum Überlegen, so betritt er die Halle und setzt sich gemeinsam mit seinem Schulkollegen vor die Sprossenwand. Die Lehrer stehen daneben. Sie händigen die ausgefüllte Klassenliste dem Einsatzleiter der Schule aus, welcher sogleich den Einsatzleiter der Feuerwehr über den Status informiert.

«Es gibt schnell viel Rauch»

Was aus der Sicht der Feuerwehr schwierig ist, ist einerseits, dass das Gebäude verwinkelt ist und andererseits, dass die Kinder schnell verraucht werden können. «Die Brandlast ist nicht allzu gross, aber es gibt sehr schnell viel Rauch», sagt Bollinger. Ein brennender Papierkorb reiche da schon, um einige Kubikmeter Luft mit Rauch zu füllen.

Der Brand in einem Schulhaus ist ein sehr schlimmes Szenario, das sich niemand wünscht. «Wenn sich das in der Schule ereignen würde und wir kein Konzept hätten, wäre das sehr schlecht», sagt Bollinger. Deshalb hat er mit dem Schulleiter in den vergangenen Monaten das Sicherheitskonzept überarbeitet und die Übung vorbereitet. Künftig soll es immer wieder eine solche Evakuationsübung geben, wenn auch nicht immer die Feuerwehr mit dem ganzen Aufgebot dabei sein müsse.

Der Alarm war zu leise

Der Lärmpegel in der Turnhalle steigt mit jeder Klasse, die den Raum betritt, weiter an. Schliesslich sitzen 245 Kinder im Raum. Das heisst für die Einsatzleitung: Es sind alle da. Der Schulleiter nimmt das rote Megafon zur Hand. «Ihr habt das super gemacht», gratuliert er den versammelten Kindern. Sie werden nach der Evakuationsübung in den verdienten Mittag entlassen. Die Lehrpersonen haben noch eine Rückbesprechung. «Die Alarmierung müssen wir uns noch ansehen», sagt Gerber. Für einige war sie zu leise. Es sei eines jener Dinge, die man während einer Übung erkenne und dann anpassen könne. «Wenn ich nun Bilanz ziehe, war die Evakuationsübung ein voller Erfolg», sagt Feuerwehrkommandant Bollinger.