Justiz
Keine Einsicht: Mörder von Urdorf bleibt weiter in Haft

Im Jahr 1990 hat ein heute 62-jähriger Mann nach einem Einbruch in Urdorf einen Menschen erschossen. Dafür sitzt er noch heute ein – zu Recht, wie das Verwaltungsgericht festhält.

Patrick Gut
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KEYSTONE/STEFAN MEYER

«Lehrer erschossen – wegen TV-Gerät» titelte der «Blick» im Juni 1990. Ein Religionslehrer und ein Buchdrucker waren in Urdorf um vier Uhr früh von Scheibengeklirr geweckt worden.
Sie ertappten zwei Einbrecher auf frischer Tat. Diese hatten die Scheibe der Eingangstüre eines Radio- TV-Geschäfts eingeschlagen und waren gerade dabei, einen 3200-fränkigen TV-Apparat zu ihrem Auto zu schleppen. Mit zwei Handfeuerwaffen schossen sie auf ihre beiden Opfer. Dabei ermordeten sie den Religionslehrer und verletzten den Buchdrucker schwer.

Das Geschworenengericht verurteilte im November 1993 einen der Täter – den damals 38-jährigen Mazedonier – wegen vollendeten und versuchten Mordes zu einer «lebenslänglichen Zuchthausstrafe». Ausserdem verpflichteten sie den Beschuldigten, 135 000 Franken Genugtuung zu bezahlen.

Rekurs abgelehnt

Im Juni 2005 – also nach 15 Jahren Haft – hätte der Mörder frühestens bedingt entlassen werden können. Das Amt für Justizvollzug lehnte dies jedoch ab. Die letzte Verfügung gleichen Inhalts stammt vom April 2016. Dagegen erhob der Mazedonier Rekurs bei der Direktion der Justiz und des Innern. Die Justizdirektion wies diesen ab.

Der Mann zog den Entscheid ans Verwaltungsgericht weiter. Dieses hat die Vorinstanz bestätigt, wie aus einem eben publizierten Urteil hervorgeht. Es kommt zum Schluss, dass dem Täter keine günstige Prognose gestellt werden könne. Das aber wäre eine der Voraussetzungen für die bedingte Entlassung.

Keine Einsicht

Ungünstig auf die Prognose wirkt sich das Vorleben des Mörders aus. Zwischen 1979 und 1990 verbrachte er bereits sechs Jahre in der Schweiz im Strafvollzug. In die Schweiz war er wiederholt illegal eingereist. Laut Urteil verfügt er also über massive kriminelle Energie und ist unbelehrbar. Erschwerend kommt hinzu, dass sich der Mann keiner Therapie unterziehen wollte. Inzwischen hat er seine Tat zwar gestanden, daraus könne man aber nicht «auf eine Auseinandersetzung mit den Taten und eine Einsicht in deren Unrecht schliessen», wie es im Urteil heisst.

Dass der Mann für die Rückkehr in sein Heimatland spare, anstatt Wiedergutmachungszahlungen zu leisten, erwecke zudem Zweifel an seiner bekundeten Reue. Die Prognose wird zusätzlich durch zwei jüngere Vorfälle belastet: Im August 2015 kam es zu einem tätlichen Übergriff auf einen Mitarbeiter der Strafanstalt. Ein knappes Jahr später zeigte der Mann Aggressionen gegenüber einem Mitinsassen.