Bühnen-Tipps
Kasperli, Marionetten und Märchen: Vorhang auf für das Limmattaler Theater

Herbstzeit ist Theaterzeit. Ob Kasperli oder sagenhafte Märchen - die Bühnen im Limmattal bieten für jung und alt mitreissende Unterhaltung. Die Stadt Dietikon ist kulturell besonders aktiv.

Daniel Diriwächter
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Szenen aus «Comedia Zap» im Dietiker Stadtkeller (oben), «Liebesküsse aus Moskau» der Waldegg-Bühne (links) und das Kasperlitheater von Monika Schmucki in Dietikon. DIR/ZVG

Szenen aus «Comedia Zap» im Dietiker Stadtkeller (oben), «Liebesküsse aus Moskau» der Waldegg-Bühne (links) und das Kasperlitheater von Monika Schmucki in Dietikon. DIR/ZVG

Daniel Diriwächter

Nur noch wenige Wochen, dann hebt sich der Vorhang: Die Spielbühne 99, so der Name des Theatervereins Weiningen-Fahrweid, wird im Quartier- und Tagungszentrum Föhrewäldli die Komödie «Es esch ned alles Gold was glänzt» aufführen. «Seit 18 Jahren studieren wir jedes Jahr ein neues Stück ein», sagt Jeannette Schärer, Vorstandsmitglied des Vereins. Gedanken über einen Misserfolg liegen ihr fern: «Die Menschen im Limmattal interessieren sich sehr für Theater. Der Saal ist immer gut gefüllt und zum Teil schon ganz ausgebucht.»

Laiengruppen wie die Spielbühne99 erfreuen sich in der Region grosser Beliebtheit. Die Spielbühne Urdorf etwa wurde bereits 1973 gegründet und bringt jedes Jahr ein Stück im Embri-Saal auf die Bühne; laut Präsident Walter Riedle besuchen jährlich gegen 3000 Besucher die Aufführungen. Sein 30-Jahr-Jubiläum feierte jüngst das Theater 8903 aus Birmensdorf. «Eine Produktion benötigt viel Energie und Leidenschaft», sagt Präsidentin Hildegard Rüttimann, die auch Gründungsmitglied des Vereins ist. Die letzten Aufführungen im Gemeindezentrum Brüelmatt lockten viel Publikum an. Auch die 1990 gegründete Waldegg-Bühne in Uitikon füllt jeweils mehrmals den grossen Saal im Üdiker Huus. «Unser Publikum stammt hauptsächlich aus der Region», so Präsident Alfred Wismer.

Daniel Diriwächter

Das Publikum will lachen

In Dietikon überzeugt das Kolpingtheater sein Publikum. Ihre Stücke werden im Pfarreizentrum St. Agatha aufgeführt. «Wir freuen uns auf unser 40-Jahr-Jubiläum im nächsten Jahr», sagt Ensemble-Mitglied Daniel Stillhart. Gespannt darf man auf die neue Produktion der Theatergruppe Aesch sein, die seit 1981 besteht. Nachdem in diesem Jahr mangels Schauspielerinnen und Schauspieler keine Aufführung stattfinden konnte, ist die Freude gross, dass nun die Proben für 2018 beginnen.

Alle genannten Theatervereine ausser der Spielbühne99 eint, dass die Spielzeiten in der ersten Jahreshälfte angesetzt sind und dass sie Lustspiele aufführen, vorzugsweise im Dialekt. «Die Leute wollen lachen», sagt Stillhart. Das bestätigt auch Wismer: «Wir führen aber keine reinen Schenkelklopfer auf. Viel eher spielen wir Stücke mit britischem Humor», sagt er.

Kasperlibühne Kasperlibühne

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Der Keller als Bühne

Die Stadt Dietikon ist kulturell besonders aktiv und bietet eine Bühne für professionelle Theaterschaffende: «Mit dem städtischen Stadtkeller verfügen wir über einen wunderbaren Raum, der sich hervorragend für Veranstaltungen von Kleinkunst eignet», sagt Simone Neff, Präsidentin des Vereins «TheaterDietikon», der 1990 gegründet wurde. Das Herbstprogramm setzt auf Wortkünstler wie die Slampoetin Lara Stoll oder den Kabarettisten Nico Semsrott. «Wir denken, dass wir ein intelligentes, philosophisches und unterhaltsames Programm zusammengestellt haben», sagt Neff. Der Verein wird finanziell von der Stadt unterstützt.
Fest etabliert ist auch die Theateria der beiden Theaterpädagogen Heidi Christen und Stefan Baier. Seit 1998 betreiben sie ihr Kleintheater in Dietikon. Ende Jahr steht ihr neues Lieder- und Geschichtenprogramm «TriOhhh! – goccia d’amore» am Start. Das Paar arbeitet zudem eng mit dem Verein «TheaterDietikon» zusammen; die Premiere findet im Stadtkeller statt.

Der Nachwuchs spielt mit

Christen und Baier engagieren sich auch für den Nachwuchs. So bietet sie beispielsweise interessierten Kindern zwischen acht und zwölf jedes Jahr eine Theaterwoche an. Nicht nur für Schauspieler, sondern auch für junge Besucher wird einiges geboten. Die Kasperlibühne von Monika Schmucki in Dietikon gilt seit 2012 als Ort, an dem Puppenträume wahr werden. «Das Management nebst dem Spielbetrieb erfordert viel Zeit und Kraft, aber ich gehe nach wie vor in meiner Arbeit auf», sagt Schmucki. Wenn auch der Kasperli ihr «Star» ist, so sei ein gutes Stück auch für Erwachsene sehenswert, so Schmucki.

Das gilt auch für die Marionettenbühne Unterengstringen, die 1972 gegründet wurde. «Unsere Stücke richten sich an junge und ältere Kinder», sagt Irene Ramseyer, Präsidentin des Vereins. Marionetten sind ihre grosse Leidenschaft: «Sie erwachen beim Spiel zum Leben». Ihr Verein könne sich über mangelndes Publikum ebenfalls nicht beklagen, aber es werde zunehmend schwerer, neue Puppenspieler zu gewinnen. «Freude am Spielen und an den Puppen ist Voraussetzung, alles Weitere lässt sich lernen.»

Aktuelle Bühnen-Tipps

- Spielbühne 99: «Es esch ned alles Gold was glänzt», ab 20. Oktober, Restaurant Föhrewäldli, am 22. Oktober findet eine Aufführung für Menschen mit Handicap statt.

- TheaterDietikon: Nico Semsrott mit «Freude ist nur ein Mangel an Information 3.0», 27. Oktober, Stadtkeller, 20 Uhr Kasperlibühne: «E luschtigi Söifonie mit Kasperli», nächste Aufführung Samstag, 7. Oktober, 14.30 Uhr

- Marionettenbühne Unterengstringen: «Sagen hafte Märchen für Erwachsene» mit Esther Brüngger, Donnerstag, 26. Oktober, 20 Uhr

Männer sind gefragt

Auch die Laiengruppen müssen fleissig für sich werben. Das bestätigt Philippe Stucki, Ensemble-Mitglied und Autor der Theatergruppe Aesch, aus Erfahrung: «Vor über 20 Jahren war ich persönlich das jüngste Mitglied auf der Bühne. 2018 werde ich es nochmals sein», sagt er. «Man ist nie zu alt, um Theater zu spielen», sagt Wismer von der Waldegg-Bühne. Eine Produktion sei aber sehr zeitintensiv, was viele von einem Engagement abhalten könne. Obwohl sein Ensemble mittlerweile in einer optimalen Zusammensetzung funktioniere, stellt er fest, dass sich weniger Männer als Frauen für das Theaterspielen interessieren. Diese Erfahrung machte auch die Präsidentin der Theatergruppe Birmensdorf: «Es dürfen sich ruhig mehr Männer melden», so Rüttimann. Der Applaus wäre ihnen gewiss.