Karate-EM
Karate-Kid Sahin scheidet in den Viertelfinals aus

Murat Sahin kämpfte wie ein Löwe. Doch in den Viertelfinals der Karate-EM scheiterte der Basler am vierfachen Weltmeister aus Aserbaidschan – und das gleich doppelt.

Von Andreas Fretz aus Kloten
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Die Sekunden zerrannen, und Murat Sahin musste tatenlos zusehen. Im Augenblick der Ohnmacht entledigte sich der Basler seiner Ausrüstung. Zuerst flogen die Handschuhe, dann Gurt und Brustpanzer. Die Heim-EM war vorbei. Der 29-Jährige hatte gekämpft wie ein Löwe, scheiterte aber am vierfachen Weltmeister Rafael Agajew. Und das gleich doppelt. Zuerst unterlag er dem Mann aus Aserbaidschan in den Viertelfinals nach Verlängerung. Hätte Agajew seinen nächsten Kampf gewonnen, hätte Sahin in der Hoffnungsrunde nochmals in den Medaillenkampf eingreifen können. Doch Sahin musste zuschauen, wie der Weltmeister vom Vize-Weltmeister geschlagen wurde.

Kampfeswille brachte nichts

Die Enttäuschung sass tief beim besten Schweizer Karateka der Gegenwart. «Ich habe alles richtig gemacht, aber Agajew ist erfahren und liess nur wenig Chancen zu.» 1:1 stand es nach drei Kampfminuten, die Verlängerung entschied Agajew mit 1:0 denkbar knapp zu seinen Gunsten. In wenigen Sekunden platzte Sahins grosser Medaillentraum. Dutzende Athleten und Trainer aus aller Welt spendeten Sahin Trost, klopften ihm anerkennend auf die Schulter. Allein es half nichts. «Das Mitleid macht mich nur noch trauriger», sagte Sahin.

Dabei hatte er toll gekämpft, gewann seine erste Begegnung in der Kategorie bis 75 kg mit 6:4 und den zweiten Kampf mit 7:2. Die Zuschauer in der gut gefüllten Klotener Eishockey-Arena tobten. Und Sahin genoss es, spielte mit den Emotionen und dem Publikum. Doch nach dem Viertelfinal war da nur noch Leere. «Mein Ziel war der Final», sagte Sahin, «es gibt keine zweite Chance.» Dabei ist Sahins fünfter Platz aller Ehren wert.

Die Auslosung spülte ihn in den stärksten Pool. Der Weltmeister, der Vize-Weltmeister und drei Europameister waren in Sahins Gruppe. «Sahin zeigte eine Top-Leistung, er ist an der Weltspitze dran», sagte sein Coach Daniel Humbel. Der Aargauer ist Chef Leistungssport des Schweizer Verbandes und coachte Sahin auf dessen speziellen Wunsch. «Wir harmonieren gut», sagte Sahin, «immer wenn Humbel mich coacht, bin ich erfolgreich.» Diesmal wollte es nicht sein. Vielleicht auch, weil Sahin zwischen seinem zweiten Kampf und dem Duell gegen Agajew nur drei Minuten Pause hatte. «Die mentale Anspannung war gross, in der Verlängerung verlor Sahin die Lockerheit», sagte Humbel.