Urdorf

Kantonsschule Limmattal startet Klima-Projekt

Cyril Kuhn, Müslüm Sen und Damla Talay aus der Klasse W6b (Schwerpunktfacht Wirtschaft) helfen beim Aufbau fleissig mit.

Mit Beeten in Gewächshäusern wollen Schüler und Lehrer den Erwärmungs-Effekt untersuchen.

Die Biologie-Fachschaft und die Schülerinnen und Schüler der Kantonsschule Limmattal nehmen am Klima-Projekt «Klimagarten 2085» teil. Es wird untersucht, wie ein Garten in der Schweiz in Zukunft aussähe, wenn sich die Klimaszenarien des internationalen Klimarates bewahrheiten würden. Die Kantonsschule Limmattal in Urdorf ist eine von sechs Schweizer Schulen, die sich beteiligen.

Die Schülerinnen und Schüler starteten am Mittwoch den Aufbau zweier Gewächshäuser. Unterstützt wurden sie dabei von Alex Hediger, Leiter des Hausdienstes, und seiner Truppe. Fünf Beete werden erstellt: Je zwei kommen in die Gewächshäuser und eines wird unter freiem Himmel platziert. Die Beete werden dann mit Kompost aufgefüllt und bepflanzt.

Eines der Gewächshäuser wird 3 Grad Celsius über der mittleren Tagestemperatur in Urdorf warm sein. Das andere 6.5 Grad Celsius darüber. Dazu wird ein Beet pro Gewächshaus zweimal und ein zweites dreimal pro Woche bewässert. So können die Schülerinnen und Schüler auch die Auswirkungen der Wasserknappheit auf die Pflanzen untersuchen. Die Biologie- und Chemie-Schwerpunktklassen werten die Daten im Verlauf des Experiments aus.

Schüler helfen freiwillig mit

Das Projekt, initiiert von der Universität und ETH Zürich und der Universität Basel, wurde von der Biologielehrerin Ingrid Wenk Siefert an die Kantonsschule Limmattal geholt. Sie und Paul Muller, Lehrer für Wirtschaft und Recht, übernehmen gemeinsam dessen Koordination. Gemeinsam mit ihren Klassen werden sie das Experiment begleiten und im Unterricht thematisieren. Man könne das Experiment von verschiedenen Blickwinkeln aus betrachten, findet Muller.

«Für unser Fach ist die Klimafrage auch wichtig. Wir diskutieren zum Beispiel die Umweltsteuer im Unterricht», sagt er. «Solche Fragen machen das Projekt auch für die Schüler mit Wirtschaftsfokus interessant», sagt Muller. Und fügt hinzu: «Zum nachhaltigen Wirtschaften gehören auch die Überlegungen und Erkenntnisse aus solchen Projekten.»

Für die Umsetzung braucht es freiwillige Helferinnen und Helfer. Dafür können sich die Kantischüler auf einer Liste eintragen. «Dieses Projekt rennt offene Türen ein», sagt Wenk Siefert. Gerade jetzt, wo der Klimawandel unter Jugendlichen rege diskutiert wird, sei so ein Experiment förderlich. Das finden auch die Schüler, beispielsweise Nina Barandun. Die 17-Jährige ist Vizepräsidentin der Schülerorganisation der Kantonsschule Limmattal. «Mit diesem Projekt können wir die Auswirkungen der Klimaerwärmung veranschaulichen – wir sehen nicht nur Zahlen, wie sonst immer», sagt sie.

Was erwarten die Beteiligten vom Experiment? «Ich finde es grundsätzlich wichtig, dass das Thema nicht unter den Teppich gekehrt wird. Wir müssen uns damit befassen», sagt der Biologielehrer Raphael De Moliner. Was letztlich beim Experiment herauskomme, sei schwierig abzuschätzen. «Es gibt sicher Pflanzen, die sich dem wärmeren Klima anpassen können», sagt der 17-jährige Schlieremer Kantischüler Tobias Hefti.

«Schüler investieren viel Zeit»

Viele der Schülerinnen und Schüler, die beim Aufbau vor Ort waren, haben auch an den Demonstrationen und den Klimastreiks der vergangenen Monate teilgenommen. Jetzt investieren sie ihre Freizeit in ein Schulprojekt. «Ich finde es toll, dass unsere Schüler ihr Engagement nicht nur durch Demonstrationen und die damit verbundene Abwesenheit zeigen», sagt Anna-Katherina Holenweg Peter, Fachvorständin der Biologie an der Kantonsschule Limmattal. Es sei spürbar, dass ihnen das Thema wirklich am Herzen liege.

Das Anliegen, sich künftig mehr mit der Umwelt zu befassen, wird in einer von zwei Schülern des Gymnasiums gegründeten Klimagruppe verdeutlicht. Simon Leisinger und Tobias Hefti möchten durch die Gruppe den Dialog mit der Schulleitung anregen. «Wir wünschen uns, dass das Thema nicht nur vereinzelt im Unterricht besprochen wird. Sondern in Blöcken, wo wir auch die Zeit haben, uns intensiver damit auseinanderzusetzen», sagt Leisinger.

Ingrid Wenk Siefert ist stolz auf das neue Projekt und ihre Schüler. Der erste Schritt ist getan, die Gewächshäuser stehen. «Die Schülerinnen und Schüler haben mit grossem Einsatz bis abends gearbeitet – freiwillig und in ihrer Freizeit», sagt die Biologielehrerin.

Nach den Frühlingsferien werden die Pflanzen gesetzt. Bis zum Sommer läuft das öffentlich zugängliche Experiment. Am 3. Juli werden die Gewächshäuser wieder abgebaut.

Autorin

Michelle Panza

Michelle Panza

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