Ich gebe es zu: Ich bin bekennender Limmattaler. In anderen Kantonen werde ich allerdings nicht als solcher wahrgenommen. Denn kaum sind einige Worte über meine Lippen gekommen, bin ich der, der aus dem Züribiet kommt. Also der Zürcher. Genauso ist es wohl in längst vergangenen Tagen zur Namensgebung gekommen. Irgendjemand wechselte seinen Wohnort, er zog zum Beispiel von Schlieren ins Bündnerland, und schon war er für alle der Zürcher. Und hiess schliesslich so.

Auch das Geschlecht Berner ist bestens bekannt. Es gibt ja sogar einen Fussballer mit diesem Namen. Den Namen Basler gibt es ebenfalls zuhauf. Denken Sie nur an die spitzzüngige Patti. Oder dann an Pius Schwizer, diesen Spitzenreiter, dessen Ahnen wohl aus der Innerschweiz stammen.

Der Name und der Wohnkanton stimmen also in der Regel nicht überein. Herr und Frau Schaffhauser zum Beispiel wohnen irgendwo, aber in den meisten Fällen nicht mehr in der Nähe des Rheinfalls. Trotzdem wird im nördlichsten Kanton mit Sicherheit mit Argusaugen beobachtet, was die, die diesen Namen tragen, in der Welt draussen so treiben. Denn man möchte stolz sein. Die Schlagzeile «Cécile Schaffhauser erhält den Friedensnobelpreis» würde wohl eher goutiert als «Nepomuk Schaffhauser hat den Mord gestanden». Die Träger eines Kantonsnamens werden häufig als eine Art Botschafter der alten Heimat verstanden. Und dieser alten Heimat macht man gefälligst alle Ehre und sicher keine Schande.

Können Sie sich vorstellen, was im Anschluss an das letzte Eidgenössische Schwingfest in Estavayer im Zigerschlitz los war? Man war auf einen Schlag nicht mehr Kanton, sondern Königreich. Denn Glarner war nicht mehr einfach ein kommunes Geschlecht, nein, es war eines, das dank dem Schwingerkönig Matthias in den Hochadel aufgestiegen war.

Der riesige Stolz hält vermutlich bis heute an. Von Linthtal bis Näfels trägt man immer noch eine unendlich breite Brust zur Schau. Zu Recht, wie ich meine.

Was dieses absolute Hochgefühl nun aber leider etwas trübt, sind die unangebrachten Äusserungen dieses anderen Glarners. Und man fragt sich nördlich des Walensees schon, ob es möglich ist, jemandem den Namen zu entziehen.