Nationalratswahlen

Kampfjets, Hüppen und Cyberkriminalität: Vier Limmattaler Kandidierende sprechen Klartext

Sprachen am Podium im Dietiker Stadthaus: Thomas Hardegger (SP), Kerstin Camenisch (SP), Moderator David Egger, Janine Vannaz (CVP) und Josef Wiederkehr (CVP).

Sprachen am Podium im Dietiker Stadthaus: Thomas Hardegger (SP), Kerstin Camenisch (SP), Moderator David Egger, Janine Vannaz (CVP) und Josef Wiederkehr (CVP).

Thomas Hardegger (SP), Kerstin Camenisch (SP), Janine Vannaz (CVP) und Josef Wiederkehr (CVP) diskutierten am Montagabend an einem Podiumsgespräch im Dietiker Stadthaus.

966 Zürcherinnen und Zürcher wollen in der neuen Legislatur die Bevölkerung im Nationalrat vertreten. 32 Listen wurden eingereicht. Dem Kanton Zürich stehen 35 Sitze zu. «Ich bin mir sicher, dass keiner von Ihnen auf dem letzten Platz landen wird», sagte David Egger, Chefredaktor der Limmattaler Zeitung, am Montagabend im Gemeinderatssaal im Dietiker Stadthaus zu Kerstin Camenisch (SP), Janine Vannaz (CVP), Thomas Hardegger (SP) und Josef Wiederkehr (CVP).

Die vier Kandidierenden aus dem Limmattal sprachen an der Podiumsdiskussion, die von Egger moderiert wurde, über Raumplanung, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Sicherheitsfragen und darüber, wie stark Kultur gefördert werden soll. Organisiert wurde der Anlass von der CVP Bezirk Dietikon und der SP Limmattal. Zum Einstieg wollte Egger aber ganz andere Dinge von den Kandidierenden wissen. Zum Beispiel, ob Thomas Hardegger die Hardegger Hüppen selber noch gerne isst oder ob er sie so satt hat, dass er sie darum lieber als Wahlkampf-Geschenk verteilt.

Der Vater des in der Fahrweid aufgewachsenen Politikers hatte die gleichnamige Süssgebäck-Firma 1950 gegründet. Unterdessen gehört sie zur Firma Hug. «Die Hüppen sind eine schöne Erinnerung an meine Kindheit. Ich bin stolz auf das, was mein Vater aufgebaut hat und verteile die Hüppen deshalb gerne», sagte Hardegger, der in Rümlang lebt, wo er unter anderem als Gemeinderat und Gemeindepräsident wirkte. Der ehemalige Kantonsrat ist der einzige der vier Kandidierenden, der bereits im Nationalrat sitzt.

Bei der Dietiker Gemeinderätin und Co-Präsidentin des Kulturhauses Gleis 21, Kerstin Camenisch, erkundigte sich Egger, was schwieriger sei: «Die Wahl von Politikern oder von Künstlern?» Für Camenisch ist klar: «Die Künstler. Sie sind farbenfroher und frecher. Ich wünschte, in der Politik wäre das auch so.» Am Ende brauche es aber in beiden Bereichen die Richtigen. Ob sie so gut singen könne wie ihre Tochter, wurde die Aescher Sozial- und Kulturvorständin Janine Vannaz gefragt. Ihre Tochter Desirée hatte es im Mai ins Finale von «Dietikon sucht das Singtalent» geschafft. «Nein», gab Vannaz zu. «Obwohl meine Tochter, als sie klein war, im Kindergarten erzählte, dass ihr Mami gut singen könne.»

Noch stehen alle Bäume im Garten

Da Kantonsrat Josef Wiederkehr in Dietikon an der Limmattalbahn-Strecke wohnt, wollte Egger wissen, ob bei ihm im Garten noch alle Bäume stehen. «Ja, unsere Bäume sind noch alle da. Meine Kinder haben den Plausch, die Baustelle zu beobachten», gab der Präsident des Dietiker Industrie- und Handelsvereins zur Antwort. Zur Debatte standen an diesem Abend aber vor allem ernstere Themen. So etwa die Raumplanung. «Im Kanton Zürich ist man sich weitgehend einig, dass das Wachstum zu 80 Prozent in den urbanen Regionen und Agglomerationen und nur zu 20 Prozent in den ländlichen Gebieten erfolgen soll», sagte Wiederkehr. Damit seien aber nicht alle Gemeinden zufrieden. Dem stimmte Hardegger zu: «Viele ländliche Gemeinden wollen eine Industriezone, ein Villenquartier und ihr eigenes Einkaufszentrum. Das geht nicht.» Die kommunale, kantonale und nationale Raumplanung sei schlecht koordiniert. Dem widersprach Vannaz, die selbst in einer kleinen Gemeinde wohnt. «Aesch hat 2018 aufgrund des neuen Quartiers Heligenmatt-Feltsch 500 Neuzuzüger erhalten, darunter viele Familien. Wir haben nur Positives erlebt, weil wir im Vorfeld gut organisiert haben.»

Aus dem Vollen schöpfen konnte Camenisch beim Thema Kulturförderung. «Es gibt nie genug Geld für Kultur. Sie ist gesellschaftsbildend und überbrückt Grenzen.» Den Nutzen der Kultur solle man auf zwischenmenschlicher Ebene messen, gab Vannaz zu verstehen. Dazu erwähnte sie das Beispiel der Aescher Bibliothek, die als Begegnungsort dient. Schade sei, dass Gemeinden nicht verpflichtet seien, Kulturangebote zu finanzieren, wandte Hardegger ein. «Das macht Kultur zu einem Privileg, und das ist falsch. Allen Personen sollte der Zugang zu Kultur gewährleistet werden.» Darum setze er sich für das kantonale Musikschulgesetz ein, das jedem Kind eine musikalische Grundausbildung ermöglichen soll. Wiederkehr tat indes kund, dass es ihn störe, dass der Kanton vornehmlich grosse Kulturhäuser unterstütze, aber kleinere Institutionen vergesse.

Cyberkriminalität und Luftangriffe

Uneinig waren sich die Kandidierenden darüber, wie die Sicherheit der Bevölkerung sichergestellt werden soll. Wiederkehr und Vannaz begrüssen Investitionen in Kampfjets und in die Armee. «Wenn die Polizei die Sicherheit nicht mehr garantieren kann, müssen wir auf unsere Armee zurückgreifen können», so Wiederkehr. Anderer Meinung war Hardegger: «Dass die Schweiz sich verteidigen muss, ist klar. Kampfjets sind aber auf den Angriff ausgerichtet.» Das stehe der humanitären Tradition der Schweiz entgegen. Camenisch betonte, dass die Gefahren heute andere seien. «Wir müssen in Friedensstiftung in Krisengebieten investieren und uns um Cyberkriminalität kümmern», sagte sie.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wurde ebenso diskutiert. «Vor allem für junge Familien braucht es Fremdbetreuung, die bezahlbar ist», so Vannaz. Es könne nicht sein, dass etwa studierte Frauen, die arbeiten wollen, zu Hause bleiben. «Der Wirtschaft geht damit viel verloren.» Es braucht ein Umdenken, fand auch Camenisch. «Man muss Männer stärker in die Pflicht nehmen, Vaterschaftsurlaub und Elternzeit einführen.» Hardegger forderte mehr Frauen in Führungspositionen. Für Wiederkehr war klar: Dafür müsse man das Interesse an technischen Berufen auch bei Mädchen wecken. «Ein Umdenken braucht es bereits in der Schule.»

Autor

Sibylle Egloff

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