Üetliberg
Kampf um den Üetliberg

Legalisiert der Kantonsrat die illegalen Bauten auf dem Uto Kulm? Soll das Engagement des innovativen Hoteliers auf Uto Kulm, Giusep Fry, belohnt werden? Am Montag fällt der Kantonsrat erste Entscheide.

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Alfred Borter

Das Traktandum des Kantonsrats tönt unspektakulär: «Teilrevision des kantonalen Richtplans, Kapitel Landschaft, Uto Kulm» heisst es in der Geschäftsliste. Aber der Antrag der Regierung, das Areal mit dem Hotel Uto Kulm von der Landwirtschafts- in die Erholungszone umzuteilen, birgt Zündstoff.

Während die von Hotelier und Besitzer Giusep Fry während Jahren zusätzlich erstellten Anbauten wie die verglaste Süd- oder die Rondoterrasse in einer Landwirtschaftszone nichts zu suchen haben und, wie bereits ein illegal erstellter Kiosk, entfernt werden müssten, besteht die Chance, dass diese Bauten in einer Erholungszone nachträglich bewilligt werden könnten.

Der Kampf um die Frage, was nun recht und billig sei, tobt schon seit Jahren, nun treten die Kämpen zum entscheidenden Kampf an. Im Kantonsrat jedenfalls ist mit einer derart grossen Debattierfreudigkeit zu rechnen, dass gleich eine Doppelsitzung angesetzt worden ist.

Zwei Konfliktparteien

Dabei stehen sich vor allem zwei Konfliktparteien gegenüber. Da sind vor allem SP und Grüne, die es nicht tolerieren, dass Fry während Jahren teils unter gütiger Mithilfe von Stallikon, auf dessen Boden das Hotel samt Restaurant steht, sein Imperium immer weiter ausbaute, auch gegen geltendes Recht. SP und Grüne unterstützen dabei den Verein Pro Üetliberg, der in erster Linie als Opponent zu Frys permanenten Expansionsschritten hervorgetreten ist.

Auf der andern Seite steht die SVP, die voller Lob ist für den Wirt, der aus einem altväterischen Restaurant samt Hotel einen modernen, florierenden Betrieb gemacht hat. Die Umwandlung war nicht zuletzt einem Zugeständnis des Kantons zu verdanken, wurde ihm doch erlaubt, zur Einrichtung eines Seminarbetriebs die Gebäudefläche um rund 30Prozent zu vergrössern. Damit sei aber genug, liess ihn der Kanton wissen. Aber Fry baute weiter.

Nutzungskonflikte

Und die Konflikte nahmen zu. Der Verein Pro Üetliberg machte nicht bloss geltend, dass illegal Bauten erstellt worden seien, er reklamierte auch, dass immer mehr Autofahrten unternommen würden, etwa um Gäste abzuholen. Er machte publik, dass sich Hotelgäste auch gerne mal per Helikopter zum Gipfel fliegen liessen, und Opposition regte sich auch, als Fry kurzerhand eine grosse Fläche hinauf dem Gipfelpunkt mit Liegebetten versah, damit Filmfreaks die von ihm angebotenen Filme in einem Open-Air-Kino nächtlicherweile liegend ansehen konnten. Auch dass er den Aussichtsturm, der ebenfalls in seinem Besitz ist, mit Lichterketten ausstattete und damit dem Berg ein völlig neues Gepräge gab, löste Protest aus.

Lösung der Konflikte

Geht es nach dem Willen der Regierung, will er, wenn der Kantonsrat die Benennung des Uto Kulms als Erholungsgebiet genehmigt hat, daran gehen, diese Nutzungskonflikte mithilfe eines kantonalen Gestaltungsplans, eines Beleuchtungs- und eines Verkehrskonzepts sowie eines Nutzungsvertrags mit dem Wirt zu regeln.

Politik und Justiz

Die Kantonsratskommission für Planung und Bau ist der Meinung, die öffentlichen Interessen müssten so gewahrt werden, dass neben dem Wanderweg und dem Ausflugsrestaurant sowie der Erhaltung von Tier- und Pflanzenwelt auch ein «dauernd öffentlich zugänglicher und grosszügiger Aussichtspunkt» gesichert sein soll, es sei ein «Waldpflegekonzept» zu erstellen, man müsse den «archäologischen Fundstätten» Sorge tragen und die «Einhaltung der Schutzziele des BLN-Gebietes» sei zu gewährleisten (das Gebiet steht im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung).

Die FDP will, dass zusätzlich das Areal des Restaurants bei der Bergstation der Üetlibergbahn in die Richtplanänderung aufgenommen wird. SP und Grüne wollen verhindern, dass die illegal erstellten Bauten bestehen bleiben, SP, Grüne und GLP wollen ausserdem den Autoverkehr auf 3000Fahrten im Jahr beschränken und Helikopterlandungen verbieten. Weitere Anträge zeichnen sich ab.

Bemerkenswert ist überdies, dass der politische Entscheid, wie es auf dem Üetliberg weitergeht, nicht unbedingt auch umgesetzt wird; denn auch die Gerichte sind involviert.

Möglicherweise ist es am Ende das Bundesgericht, das bestimmt, was rechtens ist und was nicht.