Der Beschrieb des Einjährigen Berufkrauts liest sich wie der Steckbrief eines Schwerverbrechers. So besiedle der invasive Neophyt mit einer enorm hohen Samenmenge jede Lücke und verdränge auch seltene einheimische Pflanzen, heisst es in einer Mitteilung des Strickhofs von 2016. Der Strickhof ist eine Abteilung des Amtes für Landschaft und Natur der Baudirektion des Kantons Zürich, die als Kompetenzzentrum für Bildung und Dienstleistungen in Land- und Ernährungswirtschaft dient. «Das Einjährige Berufkraut stellt eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die heimische Flora dar. Um die biologische Qualität von extensiv genutzten Flächen zu erhalten, muss es bekämpft werden», schreibt die Abteilung weiter.

Zusätzlich erinnert sie, dass laut Direktzahlungsverordnung invasive Neophyten in Biodiversitätsflächen bekämpft und ihre Ausbreitung verhindert werden müssen. Ein übermässiger Anteil an Problempflanzen könne zum Ausschluss aus der landwirtschaftlichen Nutzfläche und somit auch von der Beitragsberechtigung führen. Dass diese Ankündigung bei einigen Bauern in den Limmattaler Gemeinden für rote Köpfe sorgte, bestätigen die Leiter dreier Ackerbaustellen, welche die Rolle eines Verbindungsglieds zwischen den Landwirten und dem kantonalen Landwirtschaftsamt übernehmen.

«Die Bauern waren sehr aufgebracht»

«Sobald ich davon erfuhr, informierte ich die Aescher Landwirte. Auch habe ich sofort die wenigen Pflanzen ausgerissen, die an öffentlichen Orten wuchsen», sagt Christoph Gysel, der in Aesch die Ackerbaustelle leitet. In der Gemeinde gab es nur einzelne Bauernhöfe, auf denen das Einjährige Berufkraut wucherte. Die zuständigen Bauern wurden auch gleich aktiv. «Denn wenn es sich einmal festgesetzt hat, kann es bis zu fünf Jahre gehen, bis es restlos ausgerottet ist», sagt er. Mittlerweile seien die meisten Befallsherde unter Kontrolle, wobei die Bekämpfung der Pflanze eine dauerhafte Aufgabe bleibe. Die Art und Weise, wie der Kanton mit dem Problem auf die Landwirte zuging, beurteile er nicht als vorbildlich. «Die Bauern, auch jene, die es nicht direkt betraf, waren sehr aufgebracht.» Von kantonaler Seite sei sehr spät etwas gegen die invasiven Pflanzen unternommen worden. «Dann gleich mit einer Kürzung der Direktzahlungen zu drohen, ist schon eine Frechheit», sagt Gysel. Auch wenn das Einjährige Berufkraut gebietsfremd ist und ausgerottet oder zumindest eingedämmt gehöre, ist er der Überzeugung, dass andere schädliche Pflanzen genauso dringend bekämpft werden sollten. «Gerade das Jakobs-Greiskraut ist wegen seiner Giftigkeit für die Tiere viel gefährlicher.»

Jede einzelne Pflanze muss ausgerissen werden

In Urdorf habe sich das Einjährige Berufkraut vor allem auf Naturschutzflächen verbreitet, sagt Ackerbaustellenleiter Hanspeter Huber. Auch bei den Landwirten in seiner Gemeinde sei der Frust gross gewesen, als mögliche Kürzungen der Direktzahlungen angekündigt wurden. «Ihnen stösst vor allem sauer auf, dass sie in die Pflicht genommen werden, während auf Wiesen neben Nationalstrassen oder Bahngleisen zu wenig oder zu spät etwas gegen das Einjährige Berufkraut unternommen wurde.» Huber versteht den Unmut der Bauern. Jede einzelne Pflanze müsse mitsamt Wurzeln ausgerissen werden und dazu kämen noch andere invasive Neophyten, die bekämpft werden müssen. «Das bedeutet einen enormen Aufwand für die bewirtschaftenden Landwirte solcher Grundstücke.»

Dies merkt auch Daniel Müller in Weiningen. «Es gibt gewisse Flächen, da ist die Pflanze zu einem Problem geworden», sagt der Leiter der Ackerbaustelle. Die betroffenen Bauern seien deshalb intensiv mit Jäten beschäftigt. «Um invasive Neophyten nachhaltig zu bekämpfen, muss man ständig dranbleiben.» Auch er ist der Meinung, dass dies bei Flächen, die von öffentlicher Hand bewirtschaftet werden, nicht immer der Fall sei. So verbreite sich das Kraut auch über solche Wiesen und lande dann auf den Feldern der Landwirtschaftsbetriebe. «Damit bleibt das Problem, wie so vieles, am Ende bei den Bauern hängen. Das ist ein wenig schade», sagt Müller.

Die angedrohten Kürzungen würden den Druck auf die Landwirte verstärken, rigoros gegen die schädliche Pflanze vorzugehen. Deshalb wünscht sich Müller, dass auch die Gemeinde und der Kanton ihrer Aufgabe nachkommen. Denn nur wenn alle ihren Beitrag leisten, könne man in der Bekämpfung des invasiven Neophyten erfolgreich sein.