Niemand sah voraus, dass Manuela Stiefel (FDP) das Handtuch werfen würde. Gestern aber gab die Finanz- und Liegenschaftsvorsteherin und Kandidatin fürs Schlieremer Stadtpräsidium bekannt, dass sie sich für einen zweiten Wahlgang nicht zur Verfügung stellt, obwohl sie am vergangenen Sonntag mit 977 Simmen das beste Resultat holte und ihren Konkurrenten Markus Bärtschiger (SP) um 160 Stimmen distanzierte.

Wie weiter? Markus Bärtschiger liegt derzeit mit Grippe im Bett und liess gestern ausrichten, dass er die neue Situation so nicht analysieren wolle. «Nach einer erfolgten Analyse und Gesprächen werde ich mich entscheiden, ob ich an einem zweiten Wahlgang teilnehme», so Bärtschiger. Bereits nach Bekanntgabe von Stiefels Entscheid liess SP-Präsident Walter Jucker jedoch verlauten, dass sich Bärtschiger, nach seinem Wissenstand, für den zweiten Wahlgang vom 10. Juni erneut aufstellen lasse.

«Ausgangslage ist suboptimal»

Wer sich Bärtschiger dann noch in den Weg stellt, ist offen, wie die Nachfrage bei den verbleibenden Stadträten zeigt. So wurde Stiefel von den bürgerlichen Parteien Schlierens (BPS) bestehend aus SVP, FDP, CVP und EVP unterstützt. Das Parteibündnis kann nun nicht irgendeinen neuen Kandidaten portieren. Zur Wahl zum Stadtpräsidenten sind nur bereits gewählte Exekutivmitglider zulässig. Stiefels Parteikollegin und langjährige Schulvorsteherin Bea Krebs hält sich bedeckt, was ihre Pläne angeht. «Auch für mich kam Stiefels Entscheid sehr überraschend und es müssen nun erst Abklärungen getroffen werden», sagt sie. Es sei jedoch ein offenes Geheimnis, dass es ihr als Schulpräsidentin sehr gut gefalle, so Krebs, die selber im vergangenen Jahr die Ausbildung zur Sekundarlehrerin abgeschlossen hat.

Auch Werkvorstand Stefano Kunz (CVP) verrät noch nichts. Er müsse nun erst Gespräche mit dem CVP-Vorstand und seiner Familie führen. Er gibt jedoch zu bedenken, dass die Ausgangslage suboptimal sei. «Es ist nie perfekt, wenn man in einen bestehenden Wahlkampf eingreifen muss.» In jüngster Vergangenheit erlebte dies Schlieren 2010, als Christian Meier gegen den späteren Stadtpräsidenten Toni Brühlmann-Jecklin im ersten Wahlgang antrat und unter den Erwartungen abschnitt. Im zweiten Wahlgang wurde er durch den damaligen Bauvorstand Jean-Claude-Perrin (SVP) ersetzt. «Damals hat sich gezeigt, dass es schwierig ist, erst für den zweiten Wahlgang aufgestellt zu werden und trotzdem siegreich zu sein», so Kunz. Damit er sich für eine Kandidatur entscheide, müssten sehr viele Faktoren stimmen. «Was schwierig sein dürfte. Fest steht jedoch, dass ich Manuela Stiefels Entscheid ausserordentlich bedaure.»

Und Christian Meier? «‹Nei, kä Luscht› auf das Stadtpräsidium», sagt der Stadtpräsidiumskandidat von 2010. Ihm sei es im Sozialdepartement, dem er derzeit vorsteht, sehr wohl.

Wittert Kriesi seine Chance?

Der neu in den Stadtrat gewählte Pascal Leuchtmann (SP) wird sich kaum seinem Parteikollegen Bärtschiger in die Quere stellen, was nur noch einen möglichen Kandidaten übrig lässt: Andreas Kriesi (GLP). Erst am vergangenen Sonntag wurde er in die Schlieremer Exekutive gewählt und verdrängte damit den bisherigen SVP-Sicherheitsvorstand Pierre Dalcher.

Auf Anfrage sagt auch Kriesi, dass ihn Stiefels Rückzug überrascht habe und dass er sich erst Gedanken über eine mögliche Kandidatur machen werde. «Vor nächster Woche werde ich keinen Entscheid fällen», sagt er.