Frauenfussball Limmattal

Juniorinnen-Fussball im Aufschwung: In Schlieren gehören die Fussballerinnen bereits fest dazu

Gut 100 Spielerinnen trainieren auf dem Sportplatz Zelgli. Die Juniorinnenabteilung gehört zu den grössten im Kanton Zürich. Die besten Talente können sich für das Frauenteam in der Nationalliga B empfehlen.

Frauenfussball boomt. Die besten Fussballerinnen der Welt kämpfen zurzeit in Frankreich um den Weltmeistertitel und brechen dabei viele Rekorde. Die besten Limmattaler Juniorinnen spielen auf dem Sportplatz Zelgli. Der FC Schlieren hat eine der grössten Jugendabteilungen im Kanton Zürich aufgebaut. «Bei uns sind beide Geschlechter absolut ebenbürtig integriert», sagt Daniel Kneubühl, der sechs Jahre als Leiter Juniorinnen amtete und sich seit Kurzem auf die Ausbildung der jüngsten Mädchen im Verein fokussiert. Gut 100 Juniorinnen gehen für Schlieren auf Torjagd – von den Jüngsten, die mit vier Jahren in die «Girls Soccer School» eintreten, bis zu den Ältesten, die als B-Juniorinnen kurz vor dem Übertritt zu den Frauen stehen. Die besten unter ihnen haben die Aussicht, sich für das erste Frauenteam in der Nationalliga B zu empfehlen.

Frauenfussball hat in Schlieren Tradition. 1979 gründete eine Gruppe von Mädchen das erste weibliche Team in Schlieren und im Limmattal. 2008 und 2011 gelang den Schlieremerinnen sogar der Aufstieg in die Nationalliga A. Länger als eine Saison am Stück konnten sie sich aber nicht in der höchsten Spielklasse halten. Der Talentnachschub aus den eigenen Reihen geriet über die Jahre ins Stocken, was bei den Frauenteams zu Kaderproblemen führte. Nachdem 2013 nur noch die D-Juniorinnen mit zwölf Mädchen übrig waren, holte der FC Schlieren Daniel Kneubühl mit einem Fünfjahresvertrag ins Boot, um den eigenen Mädchennachwuchs längerfristig wieder auszubauen. «So ein klares Ja zum Juniorinnenfussball gibt es selten von einem Verein», sagt Kneubühl.

Eigene Teams für die Jüngsten

Das zeigt sich auch im regionalen Vergleich. Bei einigen Limmattaler Teams spielen gar keine Frauen oder Mädchen, andere haben nur vereinzelte Teams und befinden sich erst im langsamen Aufbau. Der FC Schlieren dagegen will junge, weibliche Talente ausbilden und an ein hohes Level heranführen. Um Mädchen bereits früh zu fördern, hat Schlieren vor zwei Jahren als einer von 13 Clubs im Kanton die «Girls Soccer School» eingeführt. Bei dem Förderprojekt des Fussballverbands Region Zürich geht es darum, dass fünf- bis neunjährige Mädchen dass Fussballspiel untereinander erlernen können. In vielen Vereinen spielen junge Mädchen bei den Knaben mit. «Die Toughen können bei den Jungs zwar schnell Fortschritte erzielen, aber für die meisten Mädchen ist es viel motivierender, untereinander zu spielen», sagt Kneubühl.

Die 15- bis 17-jährigen B-Juniorinnen haben mit dem zweiten Team in der 2. Liga und mit den Nati-B-Frauen viele Möglichkeiten, um sportlich weiterzukommen. «Die Spielerinnen der ersten Mannschaft dienen den jüngeren Mädchen auch als Vorbilder», sagt das langjährige Vereinsmitglied Patrizia Dreyer, die im Sommer 2018 ihre aktive Fussballkarriere beendete. Sie kennt die 40-jährige Geschichte der Schlieremer Fussballfrauen bestens. 26 Jahre trug sie das blaugelbe Trikot und gab ihr Wissen viele Jahre als Juniorinnentrainerin weiter. «Viele Spielerinnen der zweiten Mannschaft habe ich früher als Juniorinnen selbst trainiert. Das ist schön zu sehen», sagt die 34-Jährige. Sie verfolge die Entwicklung der Juniorinnen mit Freude und hoffe, dass mit etwas mehr Zeit noch einige den Sprung bis ganz nach oben schaffen.

Auch Daniel Kneubühl zieht nach gut sechs Jahren ein erstes positives Zwischenfazit: «Ich bin fest davon überzeugt, dass wir mit unserer Juniorinnenabteilung beide Frauenteams stärken können.» Deshalb ist er optimistisch, dass die Frauen in der Nationalliga B künftig nicht mehr gegen den Abstieg kämpfen müssen, sondern sich eher nach oben orientieren.

Die Nachwuchsarbeit habe schon einige Talente hervorgebracht. Zur neuen Saison stossen vier Abgängerinnen der B-Juniorinnen zum zweiten Team. Eine davon ist Joëlle Schönenberger. Neben ihrer Spielerkarriere ist die 17-Jährige auch als Assistenztrainerin für die Ea-Juniorinnen tätig und verantwortlich für die Vereinswebsite. Für den Verein stehen nämlich nicht nur die Fähigkeiten auf dem Platz im Fokus. Man versuche gezielt, Spielerinnen im Verein einzubeziehen und sie etwa als Trainerinnen oder für andere Ämter zu gewinnen, so Kneubühl.

Schönenberger stiess vor sechs Jahren zum Verein, nachdem eine Kollegin sie überredete, gemeinsam ein Training zu besuchen. «Ich bin froh, dass sie mich überzeugt hat. Die Stimmung zwischen den Spielerinnen ist super und ich habe viel gelernt.» So kam es, dass sie sich nach einigen Jahren selbst dafür interessierte, ihr Wissen weiterzugeben. Erste Erfahrungen als Trainerin sammelte sie bei der «Girls Soccer School». In der kommenden Saison begleitet sie die D-Juniorinnen als Assistenztrainerin. «Es macht mega Spass und es ist sehr motivierend, dass die jungen Spielerinnen zu einem aufschauen», sagt sie.

«Der Sport ist viel ehrlicher»

Kneubühl und Dreyer sprechen beide davon, dass der Frauenfussball in den letzten zehn Jahren von der erhöhten Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit profitiert habe. «Es ist toll, dass Frauenfussball mittlerweile auch im Fernsehen übertragen wird», sagt Dreyer. Auch die Fussballverbände auf nationaler und kantonaler Ebene haben es sich auf die Fahne geschrieben, Frauenfussball aktiv zu fördern. Das zeigt sich auch an der Anzahl Spielerinnen: So zeigt eine Auswertung des Kantons Zürich, dass die Anzahl Mädchen im Vereinsfussball innert sechs Jahren von 3000 auf fast 5000 gestiegen ist.

Auch Kneubühl fühlt sich dem Frauenfussball mittlerweile stark verbunden. «Der Sport ist viel ehrlicher. In 15 Jahren habe ich noch nie eine Schwalbe erlebt», sagt er. Obwohl sein Vertrag letztes Jahr ausgelaufen ist, hat er beim FC Schlieren noch viel vor. 150 Nachwuchsspielerinnen wünscht er sich im Verein. «Wenn wir die grösste Juniorinnenabteilung im Kanton haben, habe ich mein Ziel erreicht.»

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