Die Jungfreisinnigen hätten genug davon, dass "immer nur geschwatzt" werde und wollten nun handeln, sagte Parteipräsident Andri Silberschmidt in Zürich vor den Medien.

Ziel sei ein mehrheitsfähiges Volksbegehren, dass Chancen an der Urne habe. Entsprechend formuliert seien die vier Initiativ-Varianten, die der Vorstand den Parteimitgliedern an einem Parteikongress gegen Ende Juni zur Diskussion vorlegen werde.

Allen vier Varianten gemeinsam ist die Angleichung des Rentenalters für Männer und Frauen. Die beiden Maximalvarianten sehen innerhalb von sechs Jahren eine Erhöhung des Rentenalters für alle auf zunächst 66 Jahre vor. Danach soll das Rentenalter flexibel bleiben und wenn nötig automatisch angehoben werden.

Koppelung an Lebenserwartung oder Finanzlage

Bei einer Variante soll das Rentenalter an die Lebenserwartung gekoppelt werden. Steigt diese, soll auch das Pensionsalter steigen, so die Idee einer Altersvorsorge-Arbeitsgruppe der Jungpartei. Die andere Maximalvariante sieht eine Koppelung des Rentenalters an die Finanzierungslage des AHV-Fonds vor.

In beiden Fällen soll die AHV zwar zusätzlich mit einem Mehrwertsteuer-Prozent gespiesen werden. Dank dieser Zusatzfinanzierung sollen beide Systeme dann aber auf längere Zeit hin nachhaltig funktionieren.

Eine weitere Variante sieht lediglich die Erhöhung des Rentenalters auf 66 Jahre vor, ohne eine anschliessende Flexibilisierung. Diese Lösung wäre laut der Arbeitsgruppe nicht nachhaltig. Die Jungpolitiker rechnen ihr aber grössere Erfolgschancen bei der Stimmbevölkerung zu.

Als vierten Vorschlag schliesslich präsentierten die Jungfreisinnigen eine Minimalvariante. Hier soll vorerst nur das Rentenalter der Frauen angehoben werden, und zwar auf das heutige Rentenalter der Männer von 65 Jahren. Eine nachhaltige Lösung soll erst später mit einer zweiten Initiative angestrebt werden.

«Sozial und arbeitsmarktverträglich»

Allen Varianten gemeinsam ist die Erhöhung des Rentenalters in kleinen Schritten von wenigen Monaten in jedem Jahr. Die Reform soll so "sozial und arbeitsmarktverträglich" umgesetzt werden. Zudem sollen Versicherte im Fall der flexiblen Varianten spätestens fünf Jahre vor der Pensionierung deren genauen Zeitpunkt erfahren.

Die Auswahl an Ideen lege der Parteivorstand auf Wunsch der Kantonalpräsidenten vor, erklärte Silberschmidt. Diese hätten eine breite Diskussionsgrundlage gewünscht. Darum sei der Vorstand von der ursprünglichen Absicht abgerückt, nur einen Vorschlag zu unterbreiten. Er persönlich favorisiere eine nachhaltige Lösung.

Welche der Varianten schliesslich als Volksbegehren lanciert wird, entscheidet der Parteikongress, zu dem alle Mitglieder der Jungpartei eingeladen sind. Ziel sei es, möglichst bald eine Initiative kommunizieren zu können, sagte der Parteipräsident. "Wir wollen im Sommer Unterschriften sammeln".