Oberengstringen
Jugendliche inszenieren bühnenreife Träumereien in Oberengstringen

«Was ist Liebe?» Rund um diese Kernfrage inszenieren Schülerinnen und Schüler unter professioneller Leitung ein Theaterstück. Viele Jugendliche packen auch persönliche Gefühle in ihr Schauspiel.

Gioia Lenggenhager
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«Warum sind Reiche arrogant?» «Wieso gibt es so viel Leid auf dieser Welt?» «Gibt es Liebe auf den ersten Blick?» «Funktionieren Freundschaften zwischen Mann und Frau?» Das Theater basiert auf den vielen Fragen und Gedanken, die 16 Jugendliche der Schule Allmend im Wahlfach Theater zusammengetragen haben. «Zirkus unserer Träume» nennen sie ihr Stück. Annina Sonnenwald, Regisseurin des Theaterprojekts, hat die losen Gedankenstränge und Textfragmente der Jugendlichen bis zur Bühnenreife bearbeitet. Seit Anfang des Schuljahres im August leitet die Schauspielerin die Inszenierung des Jugendtheaters.
Die Frage «Was ist Liebe?» liege dem Stück zugrunde, sagt Sonnenwald. Durch Ausprobieren und Improvisieren seien Szenen zu den Themen Ausgrenzung, Sexualität, Angst und Sehnsucht entstanden. Die Ausschnitte aus jugendlichen Träumen und Träumereinen kommen als zusammengewürfelte Sequenzen auf die Bühne. «Wir wollten, dass das Theater, das wir mit den Jugendlichen einstudieren, auch jugendliche Themen behandelt», sagt Yasmin Wenger, zuständig für die Choreografie und Regieassistenz. Sonnenwald stimmt zu: «Jugendliche beschäftigen sich intensiv mit Themen wie Liebe, Aggression, Gewalt, Krieg, Ungerechtigkeit, Einsamkeit, Ablehnung. Diesen Gedanken wollen wir Platz geben.» Die Ideen und Bilder stammten darum grösstenteils von den Schülern selber.
Dass ihrer Kreativität freien Lauf gelassen wird, motiviert die Jugendlichen. Die 15-jährige Anna Wild: «Ich bin viel selbstsicherer geworden. Nach den Proben fühle ich mich frei und fröhlich». Chris Palatsidis schätzt die Teamarbeit im Theaterprojekt. In seiner Lieblingsszene darf der 15-Jährige aus vollem Hals «James, James, meine Haare stehen in Flammen!» von der Balustrade schreien. Die Rolle von James, die Verkörperung des Todes, wird von Cyrill Weiss umgesetzt. «Zwar hätte ich manchmal lieber eine fröhlichere Rolle, doch so kann ich alles rauslassen, was man sonst nicht darf», sagt der 16-Jährige.
Gespannt auf das Echo
«Versucht, nicht lachen! Und jetzt nochmals: laut und deutlich!» Sonnenwald geniesst die Arbeit mit den Jugendlichen. «Die unmittelbare Kraft und Unbedingtheit ihrer Gedanken begeistern mich», sagt die Regisseurin. «Der Reiz meiner Arbeit ist es, die Kraft und Aggression der Jugendlichen in Bühnenpräsenz und Energie zu übersetzen und in das richtige Licht zu rücken.»
Mustafa Gürbüz begleitet seine Mitschüler am Piano. Er vertont die Szenen live am Klavier mit selbst komponierten Stücken. Zum ersten Mal wird er sein Werk öffentlich aufführen. «Natürlich bin ich sehr nervös, aber ich bin auch wahnsinnig gespannt darauf, wie meine Musik und das Theater bei dem Publikum ankommt», sagt Mustafa. Auch Sonnenwald und Wenger erwarten die Reaktion der Oberengstringer Bevölkerung mit Spannung. Denn das Stück stelle unangenehme Fragen, decke Gefühle auf, provoziere. «Meine Motivation ist es, Bilder und Szenen zu finden, deren Zauber die Spieler und das Publikum gleichermassen bewegt», sagt Sonnenwald.