Historischer Schatz
Josef Hinder (†87) hat unglaubliche 23'000 Fotos über Dietikon zusammengetragen - eine Auswahl

Der kürzlich verstorbene Josef Hinder hat sich während gut 40 Jahren in der Kommission für für Heimatkunde engagiert und in dieser Zeit für das Ortsmuseum Dietikon eine rund 23'000 Fotos umfassende Sammlung zusammengetragen. Ein schier unglaublicher Schatz.

Sandro Zimmerli
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Historische Dietiker Fotos
9 Bilder
Josef Hinder (1930-2017) Josef Hinder wuchs in Hombrechtikon auf. Von von 1954 bis 1992 war er in Dietikon als Lehrer tätig.
Als das Ortsmuseum ein Privathaus war Diese Dorfansicht von Dietikon stammt aus dem Jahr 1930. Im Vordergrund links ist das heutige Ortsmuseum, die ehemalige Villa Strohmeier an der Schöneggstrasse 20, zu erkennen. Sie wurde 1927 vom Bankier Walter Strohmeier erstellt. Die Familie galt als die reichste im Dorf. Zum Anwesen gehörten ein grosser Garten und ab 1947 auch ein Tennisplatz. 1968 wurde die Villa von der Stadt erworben. Seit 1978 befindet sich das Ortsmuseum darin. Dieses war zuvor während 20 Jahren im Brenn-, Schwenk- oder auch Färberhüsli genannten Häuschen an der oberen Reppischstrasse 16 beheimatet.
Der Bus verbindet die Limmatufer Im Dietiker Fotoarchiv finden sich viele Bilder zum Verkehr. Etwa dieses, das anlässlich der Eröffnung des Busbetriebes Dietikon–Geroldswil–Oetwil Ende der 1940er-Jahre gemacht wurde. Durch die Buslinie wurden damals auch Geroldswil und Oetwil an den öffentlichen Verkehr angeschlossen. Auf der Limmattalstrasse, welche die beiden Gemeinden rechts der Limmat verbindet, verkehrten in diesen Jahren durchschnittlich 19 Motorlastwagen, 110 Autos, 14 Fuhrwerke 180 Motor- und Fahrräder sowie 86 Fussgänger pro Tag. Sie wurde deshalb von vier auf sechs Meter verbreitert.
Zwei Fotos, der selbe Standort... Eine Reihe von Aufnahmen im Archiv wurden vom selben Standort aus gemacht. Dank ihnen lassen sich die Veränderungen im Stadtbild eins zu eins beobachten. Diese Aufnahme zeigt im Vordergrund das Haus an der Zürcherstrasse 49 um 1930.
 Dieses Foto wurde 1990 von Josef Hinder aufgenommen.
Eine Feier darf nicht fehlen Feste und Bräuche gehören zu einer Gemeinde. Das ist auch in Dietikon nicht anders. Im Fotoarchiv des Dorfmuseums finden sich daher Aufnahmen von verschiedenen Anlässen, die in den letzten etwas mehr als 100 Jahren stattfanden. Dieses Bild stammt von 1967 und zeigt einen Kinderumzug anlässlich des Dorffestes.
Gärtnerei wich Alterszentrum Im Jahr 1938 standen an der Bremgartnerstrasse 39 noch Gewächshäuser. Sie gehörten der Gärtnerei A.Schmid. 1966 wurde dort Alters- und Gesundheitszentrum Ruggacker erstellt. Dies, nachdem eine langjährige Suche nach einem geeigneten Platz für eine solche Einrichtung durch einen Beschluss des Grossen Gemeinderates 1960 endlich ein Ende hatte. Damals wurde der Kauf der Liegenschaft samt Umschwung von 4325 Quadratmetern genehmigt. Der Preis betrug 592 525 Franken. Danach ging es rasch vorwärts. Eine Baukommission wurde eingesetzt und ein Architekturwettbewerb lanciert, der Anfang 1963 abgeschlossen war.
Aus dem Alltag eines Bauerndorfs «Ein altes Haus an der Söigass» lautet der Archiveintrag zu diesem Foto. Die Aufnahme des Gebäudes an der Kirchstrasse 7 dürfte um das Jahr 1880 entstanden sein. Sie ist damit eine der ältesten, die in der Sammlung des Ortsmuseums zu finden ist. Dietikon war zu jener Zeit noch ein Bauerndorf und zählte lediglich 1687 Einwohner. Der Gemeinderat bestand damals noch aus fünf Mitgliedern.

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AZ

Die Schränke sind voll. Im Ortsmuseum Dietikon lagert ein Archiv, das seinesgleichen sucht. Rund 23'000 Fotos sind dort fein säuberlich nach Strassen und Orten abgelegt. Die frühesten Aufnahmen stammen noch aus dem 19. Jahrhundert, die jüngsten wurden erst kürzlich gemacht. Ein Grossteil der Fotos aus den letzten vier Jahrzehnten hat der am 4. Oktober im Alter von 87 Jahren verstorbene Josef Hinder geschossen. Gut 40 Jahre lang war er Mitglied der Kommission für Heimatkunde und hat in dieser Zeit die Veränderungen Dietikons mit seiner Kamera festgehalten. Zudem hat er das Archiv um Tausende Aufnahmen aus längst vergangenen Zeiten ergänzt.

Aus der Not eine Tugend gemacht

In der Sammlung befinden sich unter anderem auch rund 800 Bilder aus dem Firmenarchiv des Ingenieurbüros SWR Infra AG mit Sitz in Dietikon. Die Firmengründer Robert Sennhauser, Karl Werner und Hans Rauch hatten es sich zur Aufgabe gemacht, den Zustand und die Entwicklung der Stadt zu dokumentieren. 2013 hat das Ingenieurbüro die Aufnahmen dem Ortsmuseum übergeben. Darunter befinden sich auch Luftaufnahmen von Dietikon. Sie stammen von Karl Werner, der ein leidenschaftlicher Pilot war.

Grundlage für das gewaltige Archiv bildete ein Schulheft. Als Primarlehrer unterrichtete Hinder unter anderem auch Heimatkunde. Er musste jedoch schnell feststellen, dass es zu Dietikon kein vernünftiges Lehrmittel gab. Deshalb begann er Daten über die Gemeinde zu sammeln und in das Heft einzutragen. Zudem stellte er eine einfache Dia-Sammlung mit Kommentar zusammen. Denn ihm war bewusst, dass er den Schülerinnen und Schülern mit Bildern die Entwicklung Dietikons näher bringen konnte als durch blosse schriftliche Daten.

Damit nicht nur Hinders Schüler in den Genuss der Dia-Sammlung kamen, wurde sie so überarbeit, dass sie jedem Schulhaus zur Verfügung gestellt werden konnte.

Nach seiner Pensionierung 1992 widmete sich Hinder seiner Leidenschaft noch intensiver. Die zur Verfügung stehenden Bilder zog er zuerst auf Karton auf, nummerierte sowie beschriftete das Material und erstellte eine Kartei. Ab 1995 begann Hinder schliesslich, alle Daten im PC zu erfassen und so leicht wiederauffindbar zu machen.

Archiv wird geschätzt

Bis heute wird das Archiv rege genutzt, sei es von Vereinen, Institutionen oder Privaten. Der grösste Teil der Sammlung umfasst Fotos von Strassenzügen und Gebäuden. Aber auch die Entwicklung des Bahnhofs Dietikon ist umfangreich dokumentiert. Ergänzt wird das Archiv durch Aufnahmen von Anlässen, wie etwa der 900-Jahr-Feier von Dietikon oder vom traditionellen Chlauseinzug.

Im Laufe der Jahre wurde Hinder zur Anlaufstelle verschiedenster Fragen über die Stadt. Oft wurde er darum gebeten, Vorträge zu halten. Privatpersonen brachten ihm alte Fotos mit, die er dann ebenfalls in sein Archiv aufnahm. Er selber war aber auch jede Woche in der Stadt unterwegs. Seinem aufmerksamen Auge entging nicht einmal die kleinste Veränderung.