Kürbisausstellung
Jetzt kommen die Araber und Chinesen — die Kürbisausstellung ist ein Erfolg gewesen

Instagram-Influencer lieben die Juckerfarm in Seegräben. Besonders während der Kürbis-Saison. Der letzte Sonntag geht als Rekordtag in die Geschichte der Juckerfarm ein. So viele Besucher hatte der Hof noch nie an einem Bettag, wie Martin Jucker von der Farm berichtet. Und dieser spezielle Feiertag gehört generell zu den bestbesuchten Tagen des Hofs im Jahr, so die Sonne scheint.

David Kilchör
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Der Tourismus auf dem Juckerhof wird immer internationaler.

Der Tourismus auf dem Juckerhof wird immer internationaler.

Seraina Boner

Speziell an dieser Besucherflut: Die Juckers haben keinerlei Werbung für die aktuelle Kürbisausstellung gemacht. Keine Eröffnung. Keinen Schnitzevent. Kein Kürbiswiegen und keine Kürbisregatta. Wer nicht selber hingeht, weiss eigentlich gar nicht, dass da Kürbisskulpturen stehen.

Doch dank Social Media weiss man es eben doch. Derzeit kursiert auf Facebook und Instagram allerorts eine Rolling-Stones-Zunge aus Kürbissen. Die Juckers selber müssen dazu gar nichts beitragen. «Diese Kanäle arbeiten kostenfrei für uns. Das ist die effizienteste Werbung, die man sich vorstellen kann», sagt Martin Jucker.

Standort und Konzept eine Art glücklicher Zufall

Natürlich seien Skulpturen wie die Zunge perfekt für die sozialen Medien geeignet. «Aber als wir 1997 mit unseren Ausstellungen starteten, gab es dieses Phänomen noch nicht. Dahinter steckt kein Kalkül», so Jucker. Natürlich habe man sich den Trends angepasst. Aber letztlich sei doch der Standort und das Konzept eine Art glücklicher Zufall. Denn Seegräben sei ganz generell ein Hotspot für die sozialen Medien, ist Jucker überzeugt. Auch ohne Kürbisse erscheine die Aussicht über den See mit Blick auf die Voralpen immer wieder auf allen Kanälen. «Das hat eine extrem touristische Wirkung.»

Dazu kommen Stars, die den Hof in den vergangenen Jahren besucht hatten und von denen Bilder in den sozialen und auch nationalen Medien erschienen. Zuletzt war Popstar Pink in Seegräben, postete auf Instagram mehrere Fotos und markierte darauf die Juckerfarm. «Wollten wir einen solchen Post bei ihr kaufen, müssten wir einen Millionenbetrag in die Hände nehmen.» Stattdessen erhielt der Hof Gratiswerbung – und das war nicht das erste Mal. Schon Roger Federer, Helene Fischer und Sängerin Adele waren zuvor in Seegräben aufgetaucht.

Diese weltweite Präsenz des kleinen Dorfs im Oberland hat Folgen. «Wir stellen eine spürbare Zunahme von Touristen aus dem asiatischen und arabischen Raum fest», sagt Jucker. Das könnte ihm zufolge mittelfristig neue Verkehrsprobleme auslösen. Der Knackpunkt ist in jenem Fall die Sprache. Diese Touristen könnten die Schilder und Strassennamen nicht lesen, sagt Jucker. Und so irrten sie mit ihren Mietautos im Dorf herum, landeten irgendwann vor der Barriere am Hofeingang, würden dort ihre Kinder abladen und weiter herumkurven. «Wir haben bereits mehrere solche Situationen gehabt. Das sind nur Einzelfälle und noch nicht schlimm. Aber wenn das zunimmt, könnte es schwierig werden.»

Grundsätzlich habe der Hof kein Interesse am internationalen Tourismus. «Wir verstehen uns als Naherholungsgebiet.» Doch ändern könne man an solchen Strömen nichts. Kanton und Gemeinde hätten beschlossen, dass das Land an jener Stelle öffentlich bleiben müsse. «Also kann es jeder betreten – egal, woher er kommt.»

Gemeindepräsident Marco Pezzatti (FDP) sagt, der Gemeinderat stelle die Zunahme der von Jucker genannten Tourismusgruppen ebenfalls fest. Allerdings glaubt er nicht, dass dieser Umstand den sozialen Medien zuzuschreiben ist – eine grosse Präsenz von Seegräben im Allgemeinen sei nicht zu erkennen. Pezzatti: «Einzig wahrzunehmen ist, dass die Juckerfarm diese Kanäle sehr aktiv bespielt.» Er sieht andere Gründe hinter den neuen Besuchern aus dem asiatischen und arabischen Raum. «Die Zunahme hat auch damit zu tun, dass die Juckerfarm in den Zürcher Hotels, respektive über Zürich Tourismus, beworben und den Gästen als Ausflugsziel vorgeschlagen wird.» Insbesondere bei asiatischen Reisegruppen sei der Hof teils fest in der Route eingeplant.

Jucker entgegnet, dass er diese Theorie letztes Jahr mit dem Direktor von Zürich Tourismus besprochen habe. «Er hat klar gesagt, dass diese Zunahme unmöglich auf ihre Aktivitäten zurückzuführen sei. Zudem sind wir dort seit dem Jahr 2000 immer gleich vertreten.»

Gemeinderat verzichtet auf Massnahmen

Für den Gemeinderat ist indes klar: Momentan sind keine konkreten Massnahmen für spezifische Touristengruppen notwendig. «Zumal die relevanten Signalisationen – also Fahr- und Parkierungsverbot – internationale Signaturen sind», so Pezzatti. Der Gemeinderat verfolge jedoch generell das Ziel, möglichst viele Besucher auf den öV umzulenken und damit eine Entspannung beim Individualverkehr zu erreichen. Zu diesem Zweck – unter anderen – ist die Gemeinde übrigens auch selber auf den sozialen Medien aktiv. David Kilchör

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