Bezirksgericht Horgen

Jetzt ist Tom offiziell ein Mann: Gericht heisst neue Personalien von Transsexuellem gut

Jährlich behandelt das Bezirksgericht Horgen etwa ein bis drei Gesuche für eine Änderung des Geschlechtseintrages im Zivilstandsregister. (Symbolbild)

In einem zweiten Anlauf gibt das Bezirksgericht Horgen nach und gestattet einem transsexuellen Mann die Änderung des Geschlechtseintrags im Zivilstandsregister.

Der 21-jährige Tom (Name von der Redaktion geändert) ist jetzt offiziell ein Mann. Das Bezirksgericht Horgen hat seinem Gesuch für einen Geschlechtseintrag im Zivilstandsregister im zweiten Anlauf stattgegeben. Geboren wurde Tom als Mädchen, er realisierte aber während seiner Gymizeit, dass sein biologisches Geschlecht nicht seiner Identität entspricht. Seit fast zwei Jahren lebt er als Mann und nimmt Testosteron. Er fühlt sich gut.

Um die Geschlechtsangleichung auch offiziell zu machen, müssen die Personalien im Zivilstandsregister von weiblich zu männlich geändert werden. Im April 2018 reichte Tom beim Bezirksgericht Horgen ein Gesuch ein. Er legte eine medizinische Bestätigung bei, in welcher bei ihm eine Geschlechtsdysphorie, also eine Geschlechtsidentitätsstörung, diagnostiziert und psychiatrisch bestätigt wird.

Auch ohne Operation ist Wechsel möglich

Das Bezirksgericht Horgen lehnte das Gesuch mit der Begründung ab, dass keine «sehr weit fortgeschrittene Angleichung an das andere Geschlecht, wie diese rechtlich vorausgesetzt sei, geprüft werden könne», wie es in dem Beschluss heisst. Das Bezirksgericht bezog sich auf ein Bundesgerichtsurteil aus dem Jahr 1998, wonach ein nicht mehr rückgängig zu machender Wechsel des Geschlechts zu beweisen sei. Tom akzeptierte dieses Urteil nicht. «Obwohl ich noch keine geschlechtsangleichende Operation hatte, ist der Namenswechsel für mich sehr wichtig», sagt er. Er zog den Fall weiter ans Zürcher Obergericht, welches das Gesuch an das Bezirksgericht Horgen zur Neubearbeitung zurückwies.

Das Obergericht berief sich auf einen Entscheid des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Strassburg, wonach medizinische Behandlungen – sowohl Hormonbehandlungen wie auch operative Eingriffe – nicht eine Voraussetzung sein dürfen, um die Geschlechtsidentität einer Transgender-Person anzuerkennen.

Das Obergericht habe in seinem Rückweisungsentscheid unter anderem auf den Strassburger Entscheid Bezug genommen, bestätigt Meret Herger, die leitende Gerichtsschreiberin am Bezirksgericht Horgen. Es habe infrage gestellt, ob die bisherige Praxis der Gerichte, die sich auf das alte Bundesgerichtsurteil stützten, noch haltbar sei.

Ein bis drei Gesuche pro Jahr in Horgen

Das Bezirksgericht hat Toms Gesuch diesen Frühsommer zum zweiten Mal bearbeitet und diesmal gutgeheissen. Der Entscheid, der nicht begründet wurde, ist rechtskräftig. Jährlich behandelt es etwa ein bis drei Gesuche für eine Änderung des Geschlechtseintrages im Zivilstandsregister. Eine Statistik gibt es nicht.

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