Die Bilder stapeln sich im kleinen Atelier von Robin Fessel. Hier, im Keller des Yoga-Studios seiner Frau an der Urdorfer Feldstrasse, sind schon viele Kunstwerke entstanden. Einige davon wird der freischaffende Künstler und Innenarchitekt ab Donnerstag im Rahmen der Ausstellung «Real Surprising» im Urdorfer Gemeindehaus der Öffentlichkeit präsentieren.

Urdorf, wo Fessel mit seiner Familie wohnt, war für ihn so etwas wie eine Rückkehr. Denn er wurde in Uitikon Waldegg geboren, bevor es ihn nach Zürich verschlug, dann London, New York, zurück nach Zürich und schliesslich wieder in die Heimatregion, nach Urdorf.

Dass er Künstler werden will, wusste er schon lange. Irgendwann in seiner Kindheit habe er den Entschluss gefasst, erzählt der 41-Jährige. Der Bub, der gerne zeichnete, stellte sich das Künstlerleben als frei, farbig und kreativ vor. Ganz so einfach wurde es dann aber nicht. Damals habe ihm ein Vorbild gefehlt, an dem er sich auf seinem Werdegang zum Künstler hätte orientieren können, sagt er: «Ich hatte auch nie das Gefühl, dass man an mein Talent als Künstler glaubt.»

Neben dem Zeichnen entdeckte er in seiner Jugend eine weitere Leidenschaft: das Tennisspielen. «Auf einmal wollte ich Künstler und Tennisspieler werden», so Fessel. Er habe sich einige Jahre zerrissen gefühlt, irgendwo zwischen dem Bild des disziplinierten Sportlers und dem des Bohème-Künstlers. Vorderhand setzte sich die Kunst schliesslich durch, auch wenn er bis zum heutigen Tag viel Zeit auf dem Tenniscourt verbringt.

Das erste Mal Bestätigung

Ein wichtiges Schlüsselerlebnis ereignete sich beim Besuch eines künstlerischen Vorkurses in Olten, als er das erste Mal Bestätigung in seiner künstlerischen Tätigkeit erfuhr. «Endlich sagte mir jemand, dass ich wirklich Talent habe und mir das nicht nur einbilde», erzählt er.

Ende der 1990er-Jahre absolvierte Fessel die «Parsons School of Design» in New York. Im Jahr 2004, inzwischen lebte und arbeitete er wieder in Zürich, wurde er mit der Leitung eines grossen Projekts in den Bereichen Kunst am Bau und Signaletik betraut, im Rahmen der Olympischen Winterspiele 2006 in Italien. Die zwei Jahre lang dauernde Arbeit mit verschiedenen Designern, Architekten und Ingenieuren förderte in ihm den Entschluss zutage, ein technisches Hochschulstudium zu absolvieren. «Ich hatte begonnen, Räume als Kunstwerke zu betrachten, etwas, das mich heute besonders stark umtreibt», so Fessel.

Seither arbeitet er sowohl als Innenarchitekt als auch als Künstler, wobei für ihn die Symbiose von beidem im Vordergrund steht. Er will die beiden Aspekte zusammenbringen, wie er sagt. «Als Künstler will man ausbrechen, als Architekt ist die Ordnung wichtig», erklärt er. «Die Menschen halten sich gerne am Perfekten fest, die Kunst fordert einen da heraus.» Er sei zunehmend bestrebt, etwas von diesem «Ausbrechen» der Kunst in die Innenarchitektur hinüberzunehmen und die Möglichkeiten auszuloten. Ein Prozess, für den er auch auf die Offenheit und Bereitschaft seiner Kunden angewiesen ist, woran es derzeit in der Schweiz noch etwas mangle, wie er feststellt.

Vorwiegend abstrakte Malerei

In der Ausstellung im Gemeindehaus Urdorf steht seine vorwiegend abstrakte Malerei im Vordergrund. Früher, so Fessel, habe er mehr naiv figurativ gemalt. «Diese Bilder erzählten sehr kindliche, naive Geschichten.» Einerseits war der Schritt hin zur abstrakten Malerei eine Befreiung von den Zwängen, etwas Bestimmtes darstellen zu müssen. Andererseits sei damit auch etwas von diesem kindlich-naiven Moment verloren gegangen, sagt er. «Heute empfinde ich mich in dieser extrem sachlichen Welt drin», sagt er. «Ich kann mir aber gut vorstellen, dass das Kindliche irgendwann mal wiederkommt.»

Denn die eigene Entwicklung sei nie abgeschlossen. «Es geht immer weiter. Jedes Bild ist eine neuerliche Auseinandersetzung mit sich selbst, die auch mal wehtun kann. Daran wachse ich sowohl als Künstler wie auch als Mensch.»

«Echt überraschend»: Unter dem Titel «Real Suprising» – zu Deutsch: echt überraschend – stellen vom 26. Oktober, bis zum 17. November 2017 neben Robin Fessel noch drei weitere Urdorfer Kunstschaffende eine Auswahl ihrer Werke im Gemeindehaus aus. Die warmen und träumerischen Landschaftsmalereien von Susanne Kunz laden dabei genauso zum Eintauchen ein wie die sinnlichen Bildwelten von Christian Koch, die von Engeln, Frauen und Schnorchlern bevölkert wird. Der zwölfjährige Künstler Dionisiy Bachmann zeigt zudem mit seinen digitalen Animationen, wie Kunst auch im Computer entstehen kann. Vernissage: Morgen, 18 Uhr.