Dietikon

Jackpot: Schweizer Spielautomaten-König verlässt Bezirksgericht als dreifacher Gewinner

Peter Schorno und Vertreter des Dietiker Statthalteramtes standen sich gestern im Bezirksgebäude in Dietikon gegenüber.

Das Dietiker Statthalteramt hat dem Tüftler Peter Schorno wegen der Jetons, die für seine Spielautomaten erhältlich sind, eine Busse aufgebrummt. Sie werteten diese als verbotenen «Warengewinn». Diesen Entscheid zog er nun vors Bezirksgericht.

Peter Schorno kennt die Spielautomatenbranche in- und auswendig. Der heute 69-Jährige hatte einst den äusserst erfolgreichen «Super Cherry» entwickelt, der in zahlreichen verrauchten Beizen stand. Mit seinem Unternehmen Golden Games, das gemäss Firmenangaben über 100 Mitarbeiter hat, behauptet sich der Tüftler seit über 35 Jahren auf dem schwierigen Markt.

Der Schweizer Spielautomaten-König hat dabei auch den Wandel mit- und überlebt, den das Spielbankengesetz 2005 brachte. Damals wurden die Glücksspielautomaten aus den Bars und Restaurants verbannt, sie dürfen seither nur noch in Casinos aufgestellt werden. Ausserhalb dieser konzessionierten Spielstätten sind nur sogenannte Geschicklichkeitsautomaten erlaubt.

Ein solcher, ein «Sputnik Multi 2» in der Version 1 a, führte dazu, dass Schorno gestern beim Dietiker Bezirksgericht antraben musste. Im Januar 2018 hatten Zollfahnder eine Limmattaler Diskothek durchsucht. Sie gingen einem Verdacht auf Fleischschmuggel nach und stiessen dabei auf einen Spielautomaten. Die avisierte Kantonspolizei wollte den Automaten im Februar abholen, doch war dieser an der Wand befestigt. Ende Mai kehrte die Polizei zurück und versiegelte das von Golden Games stammende Spielgerät.

Ein kleiner Jeton als Warengewinn

Das Dietiker Statthalteramt brummte Schorno eine Busse von 250 Franken auf. Es berief sich auf das kantonale Unterhaltungsgewerbegesetz. Dieses verbietet es, dass bei Spielautomaten «gegen Leistung eines Einsatzes Geld- oder Warengewinne abgegeben werden».

«Sputnik Multi 2» ermöglicht es, dass Spieler eine Pause einlegen können. Für die noch offenen bezahlten oder zuvor gewonnen Spiele erhalten sie eine Marke, mit der sie später an Schornos Gerät weiterspielen. Das Dietiker Statthalteramt wertete diese Weiterspielmarken nun als verbotenen «Warengewinn».

Für Schorno ein unverständlicher Entscheid: Die Jetons liessen sich ja nicht umtauschen, sie könnten einzig für das Gerät verwendet werden. Aus diesem Grund hatte er den Strafbefehl auch angefochten und den Fall vor den Einzelrichter gebracht.

Schornos Verteidiger hatte gleich zu Beginn der Verhandlung Entscheide anderer Statthalterämter eingereicht. Typengleiche Geräte seien schon in den Bezirken Horgen, Winterthur, Dielsdorf und Pfäffikon angeschaut und geprüft worden, sagte er. «Alle kamen zum Schluss, dass es sich bei den Weiterspielmarken um keinen Warengewinn handelt.» Die Verfahren seien eingestellt und die Automaten wieder frei gegeben worden.

Die anwesenden Vertreter des Dietiker Statthalteramtes hielten dennoch an ihrem Strafbefehl fest, wie sie nach einer Sichtung der Dokumente sagten. Es habe sich noch keine gerichtliche Instanz im Kanton Zürich damit auseinandergesetzt, ob Sputnik erlaubt sei oder nicht, begründeten sie.

Keine Beweise, kein Vorsatz, kein Gewinn

In seinem Plädoyer forderte der Verteidiger, dass Schorno gleich aus drei Gründen freizusprechen sei. Erstens lägen gar keine verwertbaren Beweise vor, die eine Verurteilung rechtfertigen würden. Denn die Polizei habe die Disco betreten, ohne über einen Hausdurchsuchungsbefehl zu verfügen. Zweitens sei seinem Mandanten kein Vorsatz nachzuweisen, der hier für eine Bestrafung Voraussetzung wäre. Da die Spielbankenkommission den Automaten abgenommen habe und angesichts der früheren Statthalter-Entscheide habe Schorno «nicht ahnen können, dass das Dietiker Statthalteramt seine Geräte als illegal betrachten würde».

Und drittens sei der Jeton, der einzig zum Weiterspielen berechtige, überhaupt kein Warengewinn. «Mit der Marke kann man nicht handeln.» Und würde «Sputnik Multi 2» verboten, dann müssten auch gleich alle Automaten entfernt werden, an denen man mit einem Greifarm Plüschtiere gewinnen könne. «Ein Plüschtier ist mehr Ware als ein Jeton.»

Einzelrichter Bruno Amacker kam am Ende zu einem klaren Freispruch. Für die Durchsuchung hätte die Polizei einer Bewilligung bedurft, gab er dem Verteidiger Recht. Angesichts der anderen Statthalter-Entscheide hätte sich Schorno auch auf einen Verbotsirrtum berufen können, führte Amacker weiter aus. Und den Jeton taxierte er ebenfalls nicht als Warengewinn.

Denkbar sei, dass ein Wirt im Einzelfall ein Jeton gegen Geld oder ein Bier eintausche. Doch dieser Fall liege hier nicht vor; eingeklagt sei einzig die Weiterspielmarke als Warengewinn, sagte der Richter.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1