Findeldinger

Ja oder nein

Martin von Aesch ist Autor und Musiker. Er lebt in Schlieren.

Martin von Aesch über seinen inneren Zwist, wenn es ums Abstimmen geht.

Ob Sudoku, Bimaru oder anspruchsvolle Kreuzworträtsel: egal. Ich löse alles. Oder versuche es zumindest. Aber auch Spielen gegenüber bin ich nicht abgeneigt. So gehöre ich zwei Runden an, die sich regelmässig treffen. In der einen wird gejasst, was das Zeug hält. Die andere pflegt dieses unendlich spannende chinesische Spiel mit Namen Mah-Jongg.

Und immer, ob beim Rätseln oder beim Spielen, gehts mir um das Eine: ums Gewinnen. Ich gebs zu: Ich bin ein bisschen angefressen. Nicht, dass ich nicht verlieren könnte. Denn ich habe längst erkannt, dass Niederlagen dazugehören. Dass eine mögliche Niederlage jedes Spiel auf ein anderes Spannungsniveau hebt.

Nun zeichnet mich aber noch eine andere Eigenschaft aus: Ich bin in vielen Themen so was wie ein Querdenker, vertrete also Meinungen, die nicht immer dem Mainstream entsprechen. Was unter dem Strich bedeutet, dass ich häufig der Minderheit angehöre. Doch das stört mich nicht. Ganz im Gegenteil.

Diese beiden Eigenschaften bringen mich aber ganz schön in die Bredouille, wenn ich an den Urnengang vom kommenden Sonntag denke. Denn auf der einen Seite möchte ich gewinnen, also zu den Abstimmungssiegern – sprich: zur Mehrheit – gehören. Und dies wäre klar der Fall, wenn ich bezüglich der beiden Bundesvorlagen streng nach meiner Gesinnung stimmen würde. Denn gemäss Umfragen wird zweimal ein Ja resultieren.

Auf der anderen Seite stellt sich die Frage, ob ich, um meiner Querdenker-Mentalität zu genügen, zweimal ein Nein einlegen soll. Sie müssen zugeben: eine schwierige Entscheidung, die ich denn auch nicht auf die leichte Schulter nehme.

Zum Glück bin ich mit diesem Dilemma nicht allein. Denn ich stelle fest, dass dieselbe Zerrissenheit durch die ganze Politlandschaft geht. Haben Sie auch bemerkt, wie viele Parteien erst dem einen Lager angehörten, dann aber, aus welchen Gründen auch immer, ins andere wechselten? Dieses Hin und Her beruhigt mich ungemein, weil ich spüre, dass die in Bern es sich auch nicht leicht machen. Doch vielleicht haben die Angehörigen der beiden Räte ja einfach realisiert, woher der Wind weht und möchten wegen der anstehenden Wahlen im Herbst nicht mit abgesägten Hosen dastehen. Wer weiss.

Ich für meinen Teil habe mich beim Schreiben dieser Zeilen entschieden. Ich werde dem neuen Waffengesetz zustimmen, weil ich so vielleicht verhindern kann, dass in Bern weiterhin mit grossem Kaliber auf Spatzen geschossen werden kann.

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