Irgendwie kommen sie immer runter

Am verrücktesten Wettbewerb des Limmattals, dem Crazy Slide in Dietikon, massen sich sieben Teams in Kreativität und Waghalsigkeit.

Cynthia Mira
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Auf dem Dietiker Rapidplatz nahmen am Wochenende jeweils zwei Personen in selbst­ gebauten Schlitten Platz und sausten mitten in der Nacht eine rund zehn Meter hohe Schanze hinunter. Was zunächst gefährlich klingt, ­entpuppte sich einmal mehr als äusserst unterhaltsam – für Zuschauer und Teilnehmer gleichermassen. In der Vergangenheit wurde das aussergewöhnliche Schlittenrennen Crazy Slide im Rahmen der Schneebar im Gaswerk in Schlieren ausgetragen. Nun zeigte sich: Auch in Dietikon macht der Anlass eine gute Figur.

In diesem Jahr wurde der Crazy ­Slide für das Weihnachtsdörfli Limmatzauber nach Dietikon geholt. Sieben Teams flitzten den 25 Meter langen Abhang hinunter. Das Ziel: Wenn immer möglich heil unten ankommen und dabei eine gute Show abliefern. Eine Jury bewertete die Darbietung der Teams. Spontan wurde auch Besucherin Lea Schibli zum Jurymitglied ernannt. Sie vertrat die Stimme aus dem Publikum.

«Die Rampe ist etwas weniger steil als in Schlieren»

Oliver Korn und Valentino Widmer gehören mit ihren verrückten Ideen fast schon zum Inventar des Anlasses. Sie nahmen schon mehrmals teil. «Wir hatten letztes Jahr schon die Kostüme bereit, aber das Rennen fand schliesslich gar nicht statt», erzählte Korn. Bei dieser Ausgabe waren die beiden 27-Jährigen als die Computerspielhelden Super Mario und Luigi unterwegs. Kurz nach 23 Uhr waren sie nicht mehr ganz nüchtern, als ihr Schlitten beim Aufprall gegen die Strohballen am Ende der Route in zahlreiche Einzelteile zersplitterte. «Zum Glück habt Ihr mehrere Leben zur Verfügung», scherzte der Moderator Gege Klemp in Anlehnung an die Videogames. «Der Schaden ist kein Problem, wir haben für das zweite Rennen Ersatzteile auf Lager», meinte Korn. Die Teams starteten nämlich am Freitag und Samstag und mussten daher Durchhaltewillen an den Tag legen.

Mit dem neuen Austragungsort im Herzen des Limmatfeld-Quartiers zeigte sich Korn zufrieden: «Die Rampe ist zwar etwas weniger steil als jene in Schlieren, aber wir haben dafür einen kürzeren Heimweg nach Gerily Hills», lachte er. Wer mit dieser Ortsangabe nicht vertraut ist, dem sei hier geholfen: Damit ist der höher gelegene Teil von Geroldswil gemeint.

Das Bett blieb vertikal im Schnee stecken

Besonders amüsant war die Fahrt des Duos HC Träumer: Anstatt mit dem umfunktionierten Bett ins Ziel zu fliegen, kippte das Gestell nach vorne und blieb vertikal im Schnee stecken. Die beiden Piloten Lukas Dittli und Stefan Meier landeten somit lachend im Stehen. Zahlreiche Zuschauer hielten diese Fahrt jubelnd auf Video fest.

Auch der Dietiker Stadtrat Anton Kiwic (SP) liess sich das Spektakel nicht entgehen und fieberte an vorderster Front mit den Teilnehmern mit. Ebenfalls waren zum Beispiel Gemeinderat Peter Metzinger (FDP) und der Dietiker Fraktionschef der SVP, Konrad Lips, vor Ort. Er sei zum ersten Mal an diesem Anlass und habe sich zuerst im Chalet ein Fondue gegönnt, erzählte Lips. «Es ist wirklich ein Spass, den Piloten zuzusehen. Der Weg mit dem Shuttlebus, den man in Schlieren auf sich nehmen musste, war mir immer etwas zu umständlich.»

Für einen perfekten Auftritt und von dicken Nebelschwaden umhüllt, starteten Kevin Welti und Pascal Schlapp im Namen der Dietiker Feuerwehr. Ihr zusammengeschweisster Schlitten hielt dem Aufprall mit den Strohballen stand und die Männer erhielten grossen Szenenapplaus.

Was hingegen passiert, wenn US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un zusammenarbeiten, führte das sechste Team eindrücklich vor. Mit dem Gesicht voran tauchten Severin Wyssling und Alain Joss direkt und unsanft in den Schnee ab. Beim Anblick einer solchen Bruchlandung ist es sehr erstaunlich, dass es in all den Jahren nicht zu ernsthaften Verletzungen kam. In früheren Ausführungen des Wettbewerbs brach sich etwa ein Teilnehmer die Hand. Ein anderer schlug sich bei einer waghalsigen Aktion einen Zahn aus.

Zum Schluss gab es ein paar ausgestopfte Muskeln

Kyra Lätsch und David Vogel liessen nach einer erfolgreichen Landung ihre mit Watte ausgestopften Muskeln spielen. «Die sind nicht echt, das gibt Abzug», kritisierte Dragqueen und Jurymitglied Gossipa aus Spreitenbach.

Etwas gar in Schieflage geriet kurz zuvor das Duo Robin Rinner und David Wassmann. Den Schluss des Rennens machte aber das Frauenpower-Team Tüüfelsair. «Wir haben durch das Geschäft meines Vaters Zugang zu dieser Badewanne erhalten», erzählte die 22-jährige Martina Schmid und zeigte auf ihren Schlitten. «Der wird schon halten», meinte ihre Teamkollegin Nicole Koller. Das tat er auch. Der Spass an der Sache stand allen Teilnehmenden und dem Publikum ins Gesicht geschrieben.