Der Unterrichtsraum im Keller des Hauptgebäudes der Kantonsschule Limmattal in Urdorf war bald schon übervoll. Selbst als der Bildungsexperte Emil Wettstein sein Einführungsreferat zu verschiedenen Bildungs- und Ausbildungsmöglichkeiten schon begonnen hatte, drängten weitere Besucher vom Gang in den Raum. Die Veranstaltung «Gymi und Lehre – beide Wege führen zum Erfolg» hatte das Berufsbildungsforum des Bezirks Dietikon schon vor einem Jahr durchgeführt – allerdings war der Andrang damals deutlich kleiner.

Horizontalwechsel heute einfacher

Wie im Titel angekündigt, betonte Wettstein in seiner Einführung die Gleichwertigkeit der beiden Pfade in die Berufswelt. Gegenüber früher seien horizontale Wechsel – also zum Beispiel der Übertritt von der Lehre an die Universität oder vom Gymnasium an eine spezialisierte Fachhochschule – heute viel einfacher. Auf der anderen Seite gäbe es heute Berufslehren, die ebenso hohe Ansprüche stellten wie das Gymnasium. Auch bezüglich Ansehen – Wettstein präsentierte dazu eine Umfrage aus Deutschland, die überraschte Reaktionen im Publikum hervorrief – und Einkommen, zeige sich ein vielfältiges Bild.

Ausserdem wies Wettstein auf eine Tendenz hin: «Während man früher seine Ausbildung abgeschlossen und den Rest des Lebens gearbeitet hat, werden heute oftmals Weiterbildungen verlangt.» Das führe dazu, dass immer mehr Leute sich auch an Hochschulen ausbilden liessen. Heute sind dies 30 Prozent. Wettstein schätzt, diese Zahl könnte noch auf 50 ansteigen.

An BMS scheiden sich die Geister

Christine Viljehr, Präsidentin des Berufsbildungsforums Dietikon und Leiterin des Berufsinformationszentrums (BIZ) Urdorf, begrüsste in der Folge eine ganze Reihe an Experten und Vertretern der Berufswelt, die das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchteten. Es sassen da Matthias Braun, Young Talents Manager der UBS, Natascha Spahr, Kosmetikerin und Diplom-Gewinnerin bei den Berufsweltmeisterschaften, Werner De Luca, Rektor der Kantonsschule Limmattal, Marc Kummer, Amtschef des Mittelschul- und Berufsbildungsamts des Kantons Zürich sowie Mariann Landis vom BIZ Urdorf.

Ein Thema, das besonders beschäftigte, war die Berufsmaturitätsschule (BMS). «Für mich kam das damals nicht infrage», meinte Spahr, von der Schule habe sie nach neun Jahren genug gehabt. Kummer sprach sich klar für die BMS aus, die eine Stärke des Schweizer Modells sei. Er setze sich im Rahmen seiner Arbeit dafür ein, dass sie mehr besucht werde. Braun betonte: «Wir sehen es bei der UBS gern, wenn unserer Lehrlinge die BMS machen.» Landis relativierte, dass es sich kleinere Betriebe oft nicht leisten könnten, Lehrlinge anzustellen, die mehr zur Schule gehen.

Weiter interessierte die zeitliche Belastung für die Jugendlichen. «Eine Banklehre mit BMS ist zeitaufwendig», meinte Braun, «doch es gibt auch bei uns solche, die dazu vier Mal die Woche ins Fussballtraining gehen.» Und De Luca betonte: «Gerade neben dem manchmal kopflastigen Gymnasium ist ein Ausgleich, etwa durch Sport oder Musik, enorm wichtig.»

Unentschiedene fahren zweigleisig

Auf dem Podium war man sich einig, dass vor allem die Interessen und Talente der Kinder die Wahl des Bildungswegs bestimmen sollten. «Was ist aber», hakte eine Frau im Publikum nach, «wenn gar nicht klar ist, welche dies sind?» Landis verwies auf die Möglichkeiten der Berufsberatung und betonte, dass oft auch zweigleisig – also mit Gymiprüfung und Bewerbung – gefahren würde.

Die Berufswahl habe in der Sekundarschule heute eine grössere Bedeutung, meinte Kummer. «Wir wollen den Kindern auch genug Zeit dazu geben, indem wir die Firmen dazu ermuntern, erst ab der dritten Sek Berufsverträge abzuschliessen.»