Seit 1997 haben katholische Trauungen in den Bistümern Lugano, Sitten und St. Gallen laut dem Schweizerischen Pastorialsoziologischen Institut um 40 Prozent abgenommen. Derselbe Trend ist in der reformierten Kirche noch stärker spürbar. Die Trauzahlen zwischen 1960 und 2014 sind um 70 Prozent gesunken.

Brautpaare setzen je länger je mehr auf freie Zeremonien oder gar nur auf die zivile Trauung. Ein Grund dafür sei der fehlende Bezug zur Kirche und zum Glauben, sagt Philipp Erne. Der Dietiker ist Pastor einer Freikirche und Zeremonienmeister. Mit seiner Firma Conversion bietet er seit 2014 freie Reden für Hochzeiten, Beerdigungen und sonstige Anlässe an. Das Angebot kommt an. Erne hatte so viele Anfragen, dass er drei Mitarbeiter einstellen konnte.

Bloss nicht langweilig

Individualität stehe bei den Hochzeitsreden an oberster Stelle. «Brautpaare wollen nicht das, was alle haben. Für ihren grossen Tag wünschen sie etwas auf sie Zugeschnittenes», sagt Erne. Bloss nicht langweilig, sondern fröhlich müsse es ein. «Eben nicht ein langer Monolog. Man soll sich während der Rede nicht schon auf den Apéro freuen müssen», sagt Erne. Seine Aufgabe sei es herauszufinden, wie ein Paar ticke, was es ausmache und welche Wertvorstellungen es habe.

Dazu fänden drei Gespräche statt. «Das erste ist unverbindlich an einem neutralen Ort, die weiteren sind beim Paar zu Hause. So kann ich mir ein Bild von ihrem gemeinsamen Leben machen.» Für eine 35 bis 55 Minuten lange Zeremonie, die die Rede, die Eheversprechen, den Ringtausch, die Musik und die Rituale beinhaltet, verlangt Erne rund 2000 Franken.

Lieber zivil

Doch nicht nur bei Christen werden nichtreligiöse Trauungen beliebter. Dies bestätigt Ersin Tan, Präsident der islamischen Gemeinschaft Dietikon. «Vor 30 Jahren haben wir einige islamische Trauungen durchgeführt. Heute wird das selten gewünscht.» Laut dem statistischen Amt des Kantons Zürich leben rund 8000 Muslime im Bezirk Dietikon. Die zivile Trauung laufe der islamischen schon seit Jahren der Rang ab, sagt Tan.

Wichtig für Muslime sei, dass der Ehevertrag unter Zeugen zustande komme und die Trauung öffentlich sei. Diese Kriterien seien mit der zivilen Hochzeit erfüllt.«Die zweite oder sogar dritte Generation ist an der Reihe, zu heiraten. Der Bezug zum Islam hat sich gewandelt. Es muss nicht mehr unbedingt ein Geistlicher bei der Trauung dabei sein. Es reicht, wenn Respektspersonen wie etwa ein Politiker oder die Eltern ihren Segen sprechen.» Kulturelle Bräuche würden nach wie vor gepflegt. «An der Hochzeitsfeier holt der Bräutigam die Braut bei ihr zu Hause ab. Mit ihm verlässt sie das Haus und wird von dessen Angehörigen in Empfang genommen.»