Martina Meier aus Wettingen hat den Titel des ersten Limmattaler Singtalents gewonnen – und damit eine CD-Aufnahme in einem Musikstudio. Doch fast noch wichtiger: Zwei bedeutende Schicksalsschläge verhalfen ihr zur Teilnahme am Gesangswettbewerb, den sie am Samstagabend in der Dietiker Stadthalle für sich entschied.

Sie trägt ein rotes Pettycoat-Kleid, aufgepeppt mit einem weissen Gürtel mit Mäschchen sowie weisse Schuhe und eine Strickjacke mit grossen Knöpfen. Ihre gewellten Haare hat sie seitlich zu einem Pferdeschwanz gebunden. Passender könnte Martina Meiers 50er-Jahre-Outfit zu ihrem Song «Hallelujah I Love Him So» von Ray Charles nicht sein. Das Stück gibt sie in Begleitung der Stadtmusik Dietikon vor rund 630 Besucher und Besucherinnen zum Besten. Mit ihrer vollen und klaren Stimme und ihrem selbstsicheren und gefühlsvollen Auftritt singt sie sich direkt in die Herzen des Publikums und gewinnt damit den Wettbewerb «Dietikon sucht das Singtalent». Denn die Jury besteht aus den Zuschauern und Zuschauerinnen, die über die fünf Finalisten via E-Voting abstimmen. «Martina Meier hat das Lied nicht nur technisch gesungen, sondern auch mit sehr viel Emotionen», meint die Besucherin Brigitte Warth aus Dietikon.

Man könnte meinen, Meier hätte viel Zeit für ihren professionellen Auftritt investiert. Doch sie wusste erst vor zweieinhalb Wochen um ihre Teilnahme. «Jemand der Kandidaten musste kurzfristig absagen, so bin ich als Sechstplatzierte in die Top fünf nachgerückt», erzählt die 37-Jährige aus Wettingen. Auch das Lied habe sie zuvor nicht gekannt. Doch glücklicherweise mag Meier Oldies und Rock ’n’ Roll besonders gerne und konnte sich so innerhalb von drei Gesangsproben auf den Auftritt vorbereiten.

Von Zürich nach Dietikon

«Das Ganze war Schicksal, da bin ich mir sicher», sagt Meier. Auf einer mitternächtlichen Zugfahrt von Zürich nach Dietikon hatte sie per Zufall von dem Gesangswettbewerb erfahren. «Ich war mit Freunden auf der Heimfahrt von unserem Musicalauftritt, als plötzlich einige Mitglieder der Stadtmusik Dietikon, darunter Fabian Zwimpfer, Präsident der Stadtmusik, ihre Instrumente zückten und die Fahrgäste unterhielten», erzählt Meier. «So dachte ich mir, was die können, können wir auch – und wir fingen an zu singen», sagt Meier weiter und lacht. Dank diesen Umständen konnte sie am Gesangswettbewerb teilnehmen und gewann diesen prompt. Als Preis bekommt jeder der fünf Finalisten 250 Franken, wobei Meier zusätzlich die Möglichkeit erhält, eine CD in einem Musikstudio aufzunehmen. Wenn die 37-Jährige nicht gerade ihrer Gesangs-Leidenschaft nachgeht, arbeitet sie in einer Anwaltskanzlei. Ob sie sich dank dem Titel vorstellen kann, ihre Passion zum Beruf zu machen? «Nein, denn zum einen könnte ich nicht davon leben und zum anderen schafft mir die Musik einen Ausgleich zum Alltag», sagt Meier. In die Musik investiere sie ihr ganzes Herzblut, wobei sie das Doppelte bis Dreifache zurückerhalte. «Wo andere Menschen Drogen oder Alkohol benötigen um ‹high› zu werden, brauche ich die Musik», erzählt Martina und strahlt dabei über beide Ohren.

Unbekanntes Territorium

Auch ins Finale gesungen hat sich die Aescherin Desirée Vannaz. Der Druck beim letzten Auftritt der fünf Finalisten war gross – doch die 16-jährige hat ihr Können mit dem Song «Set Fire To The Rain» von Adele bewiesen. «Der Auftritt vor solch einem grossen Publikum und als jüngste Teilnehmerin war eine Herausforderung, doch ich bin zufrieden mit dem Resultat», meint Vannaz nach ihrem Auftritt.

Euphorie zeigen auch Adrian Tonolla, Chef der Musikkommission der Stadtmusik Dietikon, und Fabian Zwimpfer. «Mit diesem Wettbewerb haben wir uns auf ein unbekanntes Territorium begeben und gemerkt: Es lohnt sich, Neues zu riskieren», sagt Zwimpfer. Trotz anfänglicher Bedenken bezüglich des Interesses der Leute, der Qualität der Teilnehmer und Teilnehmerinnen und des gewünschten Effektes sei das Stadtorchester stets offen gewesen und habe an das neue Projekt geglaubt. Ob es eine Fortsetzung des Wettbewerbes «Dietikon sucht das Singtalent» geben wird, ist noch offen. Doch eines ist klar: Der Abend geht nicht nur in die Geschichte der Stadtmusik Dietikon ein, sondern auch in die aller Finalistinnen und Finalisten.